leichte überstreckte Lagerung bewirkt, dass sich
die Viszeralorgane etwas nach kaudal rechts verla-
gern. Gleichzeitig spannen sich die ligamentären Verbindungen der Milz, wodurch ein sicherer Zugang
zu den Strukturen möglich wird.
55 Das Pneumoperitoneum wird über eine Veress-Nadel,
die umbilical gestochen wird, oder über eine Mini
laparotomie vorbereitet (s. MIC-Zugangswege,
7 Abschn. 7.1.2). Die Exploration mit der Kamera
geht der Platzierung der weiteren Trokare voran.
55 Die Platzierung der 4–5 Trokare ist abhängig von
der Größe der Milz. Der erste 10- bis 12-mm-Trokar
wird paraumbilical (am Bauchnabel) eingesetzt und
dient als Kamerazugang, die nächsten beiden Trokare
werden jeweils rechts und oberhalb des Bauchnabels
positioniert. Der rechte 12-mm-Trokar wird unter
Schonung der epigastrischen Gefäße pararektal
(neben dem M. rectus abdominis) eingebracht, da
rüber wird später der Stapler eingeführt. Der 10-mmTrokar oberhalb des Nabels dient als Arbeitskanal,
der vierte 10-mm-Trokar wird auf der Linea alba
z wischen dem Xiphoid (Schwerfortsatz des Brustbeins) und dem Nabel eingeführt, dient ebenfalls als
Arbeitstrokar. Ein weiterer Zugang für einen Fächer
oder eine Haltezange ist möglich.
55 Die OP-Schritte entsprechen denen bei der offenen
Technik beschriebenen (s. o.), bis zur Versorgung der
Hilusgefäße. Für das Absetzen wird laparoskopisch
meistens ein Endostapler mit einer Länge zwischen
30–60 mm verwendet, dabei ist es wichtig, dass während des Staplervorgangs das Gewebe nicht unter
Spannung steht.
55 Kleinere Blutungen können koaguliert werden, stärkere Blutungen können über Gefäßclips, Nähte oder
Endoloops gestillt werden. Fibrinkleber oder Kollagenvlies als Hämostyptikum können eingebracht
werden. Bei unbeherrschbaren intraoperativen Blutungen muss schnell auf das offene Verfahren konvertiert werden können.
55 Zur Bergung des Präparats bei einer gutartigen Erkrankung kann ein Morcelator zur Anwendung kommen, ansonsten wird die Milz in einen Bergebeutel
gelegt und über einen erweiterten Trokareinschnitt
entfernt.
55 Die Einlage einer (Robinson-/Blake-) Drainage ist
nicht obligat, nach dem Ablassen des CO2 werden die
Trokare entfernt, der Wundverschluss beendet den
Eingriff.
j
jMilzerhaltende Operationsverfahren
Segmentresektionen, wie auch Teilresektionen der Milz sind
sinnvoll, um die Funktion zu erhalten und das postoperative
Infektionsrisiko (OPSI; 7 Abschn. 7.10.2) zu vermindern. Eine
Teilresektion ist dann sinnvoll, wenn 30–40% des Parenchyms
erhalten werden kann.
Für die milzerhaltenden Operationen gibt es vielfältige
Möglichkeiten. Für kleine Verletzungen der Kapsel mit oder
197
7.11 · Pankreas
ohne Parenchymbeteiligung stehen lokale Hämostyptika oft
in Kombination mit Fibrinkleber und einem resorbierbaren
Netz zur Verfügung. Das Netz kann Kompression auf die Milz
ausüben, die Stärke des Druckes kann intraoperativ durch
Zug am Netzverschluss vorgegeben werden.
Die Naht eines Risses ist selten möglich, nur die kindliche
Milz lässt sich ohne Parenchymdefekte nähen.
Die Entfernung eines Teils der Milz ist manchmal einfacher, als eine Blutstillung und erzielt das gleiche Ergebnis,
nämlich den Erhalt der Milzfunktion. Eine sorgfältige Präparation der Hilusgefäße ist nötig, danach kann über ein Klammernahtgerät der Milzanteil geklammert und entfernt werden. Damit kein Zug auf die verbleibende Kapsel ausgeübt
wird, können Hilfsschnitte gesetzt werden, die ungeplante
Einrisse vermeiden.
7.10.2
OPSI («overwhelming post
splenektomie infection»)
OPSI («overwhelming post splenektomie infection»), oder
auch Postsplenektomiesyndrom, ist eine fulminante Sepsis,
hervorgerufen durch die Erreger Pneumokokken und
Meningokokken. Das Risiko einer Infektion ist in den ersten zwei Jahren nach der Splenektomie sehr hoch, weshalb
jeder Patient 3–4 Wochen vor einer geplanten Milzentfernung gegen Pneumokokken und Meningokokken geimpft
wird. Bei einer Ruptur, die einen Notfalleingriff nach sich
zieht, wird diese Impfung ca. 1–2 Wochen postoperativ ge
geben.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.10
55 Was verstehen Sie unter einer «zweizeitigen Milz
ruptur»?
55 Warum wird fast immer versucht, eine Splenektomie
nach traumatischer Milzruptur zu vermeiden?
55 Nennen Sie die Möglichkeiten der Milzerhaltung.
7.11
Pankreas
Candy Agopian
Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) liegt retroperitoneal im
oberen Abdomen. Es besteht aus drei Teilen:
44Der Kopf (Caput pancreatis) liegt in der Biegung des
Duodenums,
44Körper (Corpus pancreatis) und Schwanz (Cauda pancreatis) liegen hinter dem Magen und ziehen bis zum
Milzhilus.
Das Pankreas ist von einer dünnen Bindegewebskapsel (Capsula fibrosa) umgeben. Die Bauchspeicheldrüse ist exokrine
als auch endokrine Drüse in einem.
44Endokrin = inkretorische Funktion:
55Der Kohlehydratstoffwechsel wird reguliert, indem
Hormone in das Blut abgegeben werden.
55In den Langerhans-Inselzellen werden Hormone gebildet, die für den Zuckerstoffwechsel wichtig sind
(s. u.).
44Exokrin = exkretorische Funktion:
55Zur Verdauung von Fetten und Eiweißen werden
Enzyme gebildet und über den Ausführungsgang in
das Duodenum abgegeben.
Es kann vorkommen, dass sich ein zweiter Gang – der Ductus
pancreaticus accessorius – im Pankreas befindet, der den Saft
über eine weitere Papille (Papilla duodeni minor) in das Duodenum führt.
In den Langerhans-Inselzellen, die als Zellverbände im
Pankreas verstreut sind, werden Hormone gebildet. Unterschieden werden vier Zelltypen:
44Die B-Zellen, die bis zu 80% der Inselzellen ausmachen,
produzieren Insulin, hauptsächlich für die Senkung des
Blutzuckers. Bei einem Mangel an Insulin kommt es zu
dem Krankheitsbild Diabetes mellitus.
44Die A-Zellen, die bis zu 20% ausmachen, bilden Glukagon als Gegenspieler des Insulins.
44Zur Hemmung der Verdauungsfunktion wird das hemmende Hormon Somatostatin in den D-Zellen produziert (ca. 10% vertreten).
44In den PP-Zellen, die nur 1–2% ausmachen, werden die
Polypeptide zur Hemmung exokriner Pankreasdrüsen
sekretion produziert.
Ca. 1,5 L Pankreassekret werden am Tag in den Dünndarm
abgegeben. Der saure Nahrungsbrei aus dem Magen wird mit
den Sekreten von Bauchspeicheldrüse und Leber sowie dem
Darmsaft neutralisiert. So wird eine Schädigung der Darmwand verhindert, aber v. a. können die Enzyme im sauren
Milieu keine Spaltfunktion ausführen.
Zu den Pankreasenzymen gehören Trypsinogen und
Chemotrypsinogen (eiweißspaltende Vorstufen von Trypsin
und Chymotripsin, die im Dünndarm aktiviert werden),
Carboxypeptidase (eiweißspaltendes Enzym, spaltet einzelne Aminosäuren ab), Alpha-Amylase (Spaltung von Stärke in
Maltose) und Lipase (Fettverdauung).
Die Regulation der Absonderung der Sekrete ist wie bei der
Gallenblase durch das vegetative Nervensystem bestimmt und
wird zusätzlich durch die Hormone Sekretin und Cholezystokinin-Pankreozymin des Duodenums unterstützt. Sobald saurer oder fetter Nahrungsbrei ins Duodenum überführt wird,
wird Sekretin abgesondert, damit der Pankreassaft mit Bikarbonat zur Neutralisierung angereichert und mehr Galle produziert wird. Cholezystokinin-Pankreozymin sorgt für einen
höheren Enzymgehalt im Pankreassaft. Zusätzlich zieht sich
Gallenblase zusammen und der M. sphincter oddi erschlafft.
Die arterielle Versorgung des Pankreas erfolgt über die
«Pankreasarkade», die aus der A. pancreaticoduodenalis superior (aus der A. gastroduodenalis), der A. pancreaticoduodenalis inferior (aus der A. mesenterica superior) und der
A. pancreatica dorsalis (aus der A. lienalis) besteht.
Der venöse Abfluss aus Corpus und Cauda wird über die
V. pancreaticae (in die V. lienalis) und vom Caput über die
7
198
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
V. pancreaticoduodenalis (in die V. mesenterica superior) gewährleistet.
Die apparative Diagnostik erfolgt bevorzugt über eine
Sonographie mit CT und MRT oder mit einer perkutanen
transluminalen Cholangiographie (PTC, Abklärung Gallenstauung) bzw. der endoskopischen retrograden Cholangiopankreatographie (ERCP, Darstellung Gallen- und Pankreasgang bei evtl. notwendiger Schlitzung der Papille).
7.11.1
7
Diabetes mellitus
Ein Diabetes mellitus bezeichnet eine chronische Erhöhung
des Blutzuckers. Beim Diabetes Typ 2 handelt es sich um eine
herabgesetzte Insulinempfindlichkeit der Zellen, es wird zu
wenig Insulin ausgeschüttet.
Der Typ 1a bezeichnet eine Zerstörung der B-Zellen, daraus resultiert ein absoluter Insulinmangel. Für die Zerstörung werden Autoantikörper verantwortlich gemacht. Bei
dem Typ 1b ist die Ursache unklar.
Bei dem Typ 3 handelt es sich um einen Diabetes, der
durch Erkrankungen entstanden ist, z. B. Erkrankungen des
Pankreas, durch Infektionen aber auch durch Medikamente
und Chemikalien. Der Typ 4 ist der sog. Schwangerschafts
diabetes. Durch die Erhöhung von Steroidhormonen wird
die Produktion von Insulin gehemmt.
7.11.2
Pankreatitis
Die Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse,
unterteilt in akut und chronisch. Die akute Pankreatitis bezeichnet eine Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse, die in
verschiedene Schweregrade unterteilt wird.
Sie tritt plötzlich auf und ist potenziell lebensbedrohlich. Zahlreiche Komplikationen können auftreten, aber
auch eine Ausheilung ohne bleibende Schäden ist möglich.
Eine Pankreatitis wird oft beobachtet in Verbindung mit
Gallensteinen, Alkoholabusus, Medikamenteneinnahme,
Stoffwechselstörungen, endokrinen Erkrankungen und Virusinfekten.
Klinisch sind Symptome wie dumpfer Oberbauchschmerz
im Epigastrium oder im linken oberen Quadranten mit
manchmal gürtelförmiger Ausstrahlung in den Rücken zu
beobachten. Neben intensiven Bauchschmerzen treten häufig
Übelkeit und Erbrechen auf, wenn durch die Schwellung des
Pankreaskopfs der D. choledochus verengt wird, kommt ein
Ikterus zustande. Eine akute Pankreatitis kann durch massive
Ausschüttung der entzündungsprovozierenden Substanzen
einen fulminanten (raschen und aggressiven) Verlauf nehmen. Es entwickelt sich eine Sepsis, die bis zum Multiorganversagen und septischen Schock führen kann.
Auch Pankreasabszesse oder Pseudozysten können entstehen. Eine Ultraschalluntersuchung kann die Herkunft
einer Pankreatitis und Komplikationen wie Aszites, Pleura
erguss oder Pseudozysten darstellen. Zur Aufklärung des
Ausmaßes von Nekrosen eignet sich ein Abdomen-CT.
Eine spezifische Behandlung, die den «selbstverdauenden» Prozess stoppt, gibt es nicht, daher wird als konservative
Therapie eine Reduktion der Funktion der Pankreasenzyme
angestrebt. Eine Antibiotikatherapie als vorbeugende Maßnahme zur Verhinderung von Nekroseninfektionen ist möglich. Der Patient wird intensivmedizinisch unter Schmerzmedikation überwacht. Reicht die konservative Therapie nicht
aus oder treten Komplikationen auf, ist eine chirurgische
Therapie nötig. Dabei wird das nekrotische Gewebe entfernt,
Flüssigkeiten, die sich angesammelt haben, werden abgeleitet
und das Gebiet gespült.
Bei der chronischen Entzündung von Pankreasgewebe
kommt es zunehmend zur Einschränkung der exokrinen Sekretion (Malabsorption, Maldigestion) und später zusätzlich
zum Ausfall der endokrinen Sekretion (Diabetes mellitus) mit
irreversiblen Schäden. Als Hauptauslöser gilt der Alkohol
abusus, seltener sind Autoimmunerkrankungen, Einnahme
von Medikamenten (z. B. Kortison) oder Verschluss der Gallengänge verantwortlich. Betroffene Patienten leiden unter
starken Schmerzen im Epigastrium, die in den Rücken ausstrahlen. Gewichtsverlust, Fettstuhl, Blähungen und Diarrhöen können durch die schlechte Verdauung der Nahrung
auftreten. Ein diabetischer Zustand aufgrund der verminderten Insulinproduktion, aber auch Ikterus, Aszites und Ödeme
können ausgebildet sein.
Bei der körperlichen Untersuchung ergeben sich meist
keine eindeutigen Befunde, da die Laborwerte häufig denen
einer akuten Pankreatitis gleichen. Der erhöhte Blutzuckerspiegel ist ein Hinweis auf einen Diabetes mellitus.
Zur Verlaufskontrolle einer Pankreasgangstenose, die in
der Nähe der Papille lokalisiert ist, werden CT und Ultraschall
durchgeführt. Eine ERCP, ggf. mit Papillotomie, wird bei
Stenosen des Gangsystems oder vor einer geplanten Opera
tion durchgeführt.
Bei der einfachen chronischen Pankreatitis genügt häufig
eine medikamentöse Therapie unter parenteraler Ernährung.
Bei Langzeitverläufen, Karzinomen, Pankreaspseudozysten,
Aszites, Gallenwegs- oder Magenausgangsstenosen und Milzvenenthrombose ist eine chirurgische Therapie angezeigt, mit
dem Ziel der Drainage, zur Entlastung einer Stauung von
Pankreassekret oder einer zusätzlichen Entfernung von Pankreasgewebe.
Als wichtigstes chirurgisches Ziel ist die Dekompression
des Pankreasgangs zu nennen, um den Sekretstau zu therapieren. Eine reine Drainageoperation schont das Pankreasparenchym und damit die endo- und exokrine Funktion.
7.11.3
Pankreaszysten
Pankreaspseudozysten als Komplikation eines akuten
Schubs einer Pankreatitis bezeichnen abgekapselte Flüssigkeitsansammlungen, die eine hohe Konzentration von Pan
kreasenzymen haben, innerhalb der Bauchspeicheldrüse.
Meist sind Pseudozysten symptomlos. Je nach Ausdehnung
und Lokalisation werden u. U. Oberbauchbeschwerden angegeben, die diffus auftreten oder es kann zu einer Kompression
199
7.11 · Pankreas
des Magenausgangs bzw. der Gallenwege kommen. Je größer
die Pseudozyste ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit,
dass sie sich spontan zurückbildet. Es besteht die Gefahr einer
Infektion mit Entwicklung eines Abszesses, ebenfalls ist eine
Ruptur möglich, die zu einer Peritonitis führt.
Eine Oberbauchsonographie oder ein CT kann die Ausdehnung und den Kontakt zu anderen Organen darstellen.
Da die Pseudozysten durch eine Pankreatitis entstehen,
wird die Entzündung behandelt und auf die spontane Abheilung der Pseudozyste gehofft. Bei einer Größe über 6 cm oder
einem längeren Bestehen (über 6 Wochen) können sie mit
einer Punktion entlastet und so reduziert werden oder endoskopisch transgastral drainiert werden.
Das chirurgische Drainageverfahren zum Ableiten der
Zystenflüssigkeit ist nur in Ausnahmefällen nötig.
Wird ein chirurgisches Drainageverfahren gewählt, handelt es sich meist um eine Zystojejunostomie mit einer ausgeschalteten Y-Roux-Schlinge, die nach der Zysteneröffnung
Seit-zu-Seit am kaudalsten Punkt anastomosiert wird. Voraussetzung dafür ist eine nahtfähige Zystenwand.
Soll der Pankreasgang wegen eines Sekretstaus drainiert
werden, wird er in nahezu ganzer Länge eröffnet und Seit-zuSeit mit einer ausgeschalteten Jejunumschlinge anastomosiert.
Echte Pankreaszysten sind im Gegensatz zu Pseudo
zysten mit Epithel ausgekleidet. Am häufigsten sind Zysten
adenome und intraduktal papillär muzinöse Neoplasien (bösartige Neubildungen im Pankreasgang), die bevorzugt in
Korpus und Schwanz lokalisiert sind.
Intraduktale papilläre muzinöse Neoplasien (IPMN) gehen entweder von dem Hauptgang oder von den Seitengängen des Pankreas aus und können entarten. Eine Endosonographie und MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel erhärtet
die Diagnose. Therapie bei einer Neoplasie (Neubildung), die
vom Hauptgang ausgeht, ist die Pankreatikoduodenotomie
mit Lymphadenektomie oder eine totale Duodenopankreat
ektomie mit Splenektomie.
7.11.4
Tumoren
Von den Pankreaskarzinomen ist das duktale Adenokarzinom das häufigste und bösartigste Karzinom. Seltener sind
Plattenepithel-, Zystenadeno- und Azinuszellkarzinome zu
finden. Die Klassifikation findet nach dem TNM-System statt
(7 Abschn. 7.6.6).
Meist sind Appetitlosigkeit, undefinierte Oberbauchschmerzen, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit uncharakteristische Symptome für ein Pankreaskarzinom, was
durch die retroperitoneale Lage des Organs bedingt ist. Beim
Pankreaskopfkarzinom ist ein schmerzloser Ikterus durch
eine Gallengangstenose als Leitsymptom anzusehen. Wenn
die gestaute Gallenblase über die Bauchdecke fühlbar ist,
spricht man vom Courvoisier-Zeichen. Wenn zusätzlich ausstrahlende Schmerzen in den Rückenbereich bestehen, ist das
ein Anzeichen dafür, dass der Tumor bereits ins Retroperitoneum gewachsen ist.
Durch eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens bei
dem Verdacht eines Karzinoms können Tumor, aber v. a. ein
Gallenstau und evtl. vorhandene Lebermetastasen festgestellt
werden. Die Tumorausdehnung ist mit einer Endosonographie feststellbar. Besteht durch einen inoperablen Tumor ein
Ikterus, kann über eine ERCP eine Endoprothese die Gallengangstenose aufheben.
Durch die spät auftretende Symptomatik ist eine «kura
tive» Behandlung des Pankreaskarzinoms oft nicht mehr
möglich. Das Ziel der chirurgischen Resektion ist die Ent
fernung des Tumors im gesunden Gewebe. Als Standard
resektion gilt die partielle Pankreatikoduodenektomie mit
oder ohne Erhalt des Pylorus, die distale Pankreasresektion
(linksseitige) und die totale Pankreatektomie mit Splenektomie.
Je nach Ausdehnung der Tumorerkrankung werden Tumoren, die links der V. mesenterica superior lokalisiert sind,
mit einer linksseitigen Pankreasresektion offen oder laparo
skopisch assistiert operiert.
Am häufigsten ist ein Karzinom jedoch im Pankreaskopf
zu finden, dann ist immer ein offenes Verfahren anzuwenden.
Hier wird die klassische Resektion nach Kausch-Whipple von
der PPPD (pyloruserhaltende Pankreatikoduodenektomie)
nach Longmire-Traverso unterschieden. Bei beiden Verfahren ist eine Entfernung der Lymphknoten aus dem Bereich
des Pankreaskopfs, des Duodenums und Lig. hepatoduodenale Standard.
Da das Pankreas von großen Gefäßen umgeben ist, ist
häufig eine Infiltration in die Pfortader oder die V. bzw.
A. mesenterica superior zu beobachten, was eine Resektion
des betroffenen Gefäßes nach sich ziehen kann. Eine End-zuEnd-Anastomose des Gefäßes kann z. T. nur durch ein Interponat, eine Gefäßprothese oder ein Veneninterponat erfolgen.
j
jPankreatokephalduodenektomie nach Kausch-Whipple
(mit Pankreatogastrostomie, Choledochojejunostomie, Gas
trojejunostomie und Roux-Y-Anastomose; . Abb. 7.28)
OP-Ablauf: Pankreatokephalduodenektomie nach
Kausch-Whipple
55 Für diese Operation benötigen wir Grund-, Laparo
tomie und (in Bereitschaft) Gefäßinstrumente.
55 Nach der Intubationsnarkose wird der Patient auf
dem Rücken mit überstrecktem Bauch gelagert.
Nach der großflächigen Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung des Operationsgebiets und dem
standardisierten Team-Time-Out beginnt die Ope
ration mit dem Eröffnen der Bauchhöhle durch eine
Oberbauchquerlaparotomie. Zu Beginn erfolgt
eine offene Cholezystektomie (7 Abschn. 7.9.1).
55 Nach dem Einbringen eines Wundretraktors erfolgt
die Exploration des gesamten Bauchraums und der
parenchymatösen Organe. Danach kann eine primäre
Beurteilung des Pankreastumors auf die technische
Operabilität abgegeben werden. Eine Infiltration der
7
200
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
7
a
..Abb. 7.28a, b Pankreaskopfresektion. a Rekonstruktion nach KauschWhipple (2-Schlingen-Technik). b Rekonstruktion nach pyloruserhaltender
partieller Pankreatikoduodenektomie nach Traverso-Longmire (PPPD),
Mesenterialwurzel stellt eine Kontraindikation zur
Operation dar.
55 Zunächst wird das Duodenum nach Kocher mobilisiert, mit der Freilegung der V. cava und der Aorta
abdominalis. Im aortocavalen Fenster werden die
Lymphknoten aufgesucht und zur histopathologischen Schnellschnittuntersuchung geschickt. Danach
wird das Omentum minor gefenstert und somit das
Lig. hepatoduodenale freigelegt. Nach dem Freilegen
des D. choledochus wird dieser mit einem Vesselloop
angeschlungen und proximal durchtrennt.
55 Die weitere Präparation wird entlang der Pfortader
durchgeführt, sodass das Pankreas von der Pfortader
abgehoben wird. Nach dem Aufsuchen und Durchtrennen der A. gastroduodenalis zwischen Ligaturen
beginnt die Freilegung der Leberarterien und der
A. lienalis mit einer Lymphadenektomie. Danach wird
der Magen im distalen Drittel mit einem linearen
Cutter durchtrennt.
55 Das Omentum majus wird vom oberen Kolonrand
abpräpariert und somit die Bursa omentalis eröffnet.
Die scharfe Durchtrennung von Verklebungen in
der Bursa omentalis und die Freilegung des Pankreas
setzen den Eingriff fort. Subpankreatisch wird die
V. mesenterica inferior aufgesucht und freigelegt, die
Bifurkationsstelle V. mesenterica superior/V. lienalis
liegt jetzt frei. Das Pankreas wird mit einer «Holz
rinne» unterfahren und links der V. mesenterica superior mit dem Elektromesser (monopolare Messerelektrode) durchtrennt. Die blutenden Pankreasgefäße
b
Ein-Schlingen-Technik. Aus: Birth M, Ittel TH, Pereira PL (2010) Hepato
biliäre und Pankreastumoren. Springer, Berlin Heidelberg New York
distal werden mit Umstechungsligaturen 4-0 versorgt.
55 Eine Scheibe des Pankreas, etwa 4 mm dick, wird aus
dem proximalen Resektionsrand abgeschnitten und
zur histopathologischen Schnellschnittuntersuchung
geschickt.
55 Nun erfolgt die Präparation im Bereich des TreitzBandes mit Durchtrennung des Duodenums mit
einem linearen Cutter etwa 5 cm dahinter. Das Duodenum wird nach rechts umgeschlagen, damit die
retropankreatische Platte abpräpariert werden kann.
Dabei werden mehrere kurze venöse Verbindungen
zwischen Pankreas und Pfortader zwischen Clips,
alternativ Umstechungsligaturen, durchtrennt. Nun
beginnt die Präparation von kranial und kaudal. Das
Präparat ist nun frei, die dorsale Absetzungsstelle
wird mit einem Faden markiert. Eine sorgfältige Blutstillung ist hier besonders wichtig.
55 Nach der Resektion entsprechend der Whipple-
Operation muss nun die Rekonstruktion erfolgen:
Hierzu wird zunächst der tumorfreie Corpus des
Pankreas zirkulär präpariert und auf einer Länge von
2 cm entlang der Kapsel in Richtung Schwanz frei
gelegt. Im Anschluss kann nach der Auflage des
Magens die ideale Position für die angestrebte Pan
kreatikogastrostomie markiert werden. Hier wird eine
Tabakbeutelnaht vorgelegt. Nach einer Stichinzision
an der Magenhinterwand wird eine Gastrostomie
über eine Stichinzision an der Magenvorderwand
gelegt.
201
7.12 · Akutes Abdomen
55 Nun werden ca. 10 resorbierbare Kapselnähte an
dem Pankreas im Längsverlauf vorgelegt und angeklemmt. Durch den folgenden Durchzug der Fäden
von extern nach intragastral über die Hinterwand
entsteht das teleskopartige Einstülpen des Pankreaskorpus in den Magen.
55 Nun wird die vorgelegte Tabakbeutelnaht geknüpft.
Die Vollwandkapselnaht erfolgt mit den zuvor angelegten resorbierbaren Fäden. Damit kommt es zu
einer teleskopartigen Einpflanzung des Pankreaskorpus in die Magenhinterwand. Das Pankreaskorpus
schließt ca. 0,5 cm oberhalb der Magenschleimhaut
ab.
55 Nun beginnt die Dünndarmphase. Hier beginnen
wir mit der Mobilisation der ersten Jejunalschlinge
und eröffnen die Klammernaht. In die entste
hende Öffnung wird eine Klammernahtgegen
druckplatte, ca. 5 cm proximal antimesenterial,
eingebracht. Durchführen des Konnektionsdorns
von gastral.
55 Das zirkuläre Klammernahtgerät wird eingebracht
und eine zirkuläre Klammernaht, im Sinne einer Gas
trojejunostomie End-zu-Seit, angelegt. Von gastral
wird eine fortlaufende Übernähung der Klammernahtreihe durchgeführt, um eine Blutung zu verhindern. Nach intensiver Spülung des Operationsgebiets
erfolgt der gastrale Verschluss, zweireihig, fortlaufend, der Verschluss und die Fixierung des Jejunums
im «Mesofenster» des Querkolons, damit keine innere
Hernie entsteht.
55 Nun muss eine Jejunalschlinge identifiziert werden,
die für die Anlage der biliodigestiven Anastomose
benötigt wird. Hierzu erfolgt die Präparation des
Dünndarmmesenteriums bogenförmig unter Zuhilfenahme der Methode der Diaphanoskopie (Durchleuchten des Mesenteriums im Gegenlicht).
55 Nach der Durchtrennung des Jejunum mit einem
Linearstapler kann das Jejunum im Bereich der rechten Flexur retrokolisch durchgezogen werden und
locker vor den breiten Stumpf des Ductus choledochus gelegt werden.
55 Nach einer Stichinzision im Bereich des Dünndarms
beginnt die Anlage der biliodigestiven Anastomose
als einreihige, allschichtige fortlaufende Naht mit
resorbierbarem Nahtmaterial 4-0. Die Anlage der
Fußpunktanastomose ca. 40 cm distal der Gastroje
junostomie als handgenähte, zweireihige Seit-zuSeit-Anastomose stellt die letzte durchgeführte
Anastomose dar.
55 Nach dem Verschluss des Mesokolonschlitzes wird
der Bauchraum intensiv gespült. Die Überprüfung
auf Bluttrockenheit und Galleaustritt ist obligat,
ebenso die Einlage einer Silikondrainage als sub
hepatische Zieldrainage an den Pankreasstumpf bzw.
die biliodigestive Anastomose.
55 Die Einlage einer Drainage in den Douglas-Raum ist
möglich. Nach dem Entfernen des Wundretraktors
beginnt die Zählkontrolle der Textilien, Instrumente
und Materialien, nach der Dokumentation der Vollzähligkeit wird der Eingriff mit dem schichtgerechten
Bauchdeckenverschluss beendet.
j
jGastroenterostomie
Bei einem fortgeschrittenen Tumor kann es zu einer Stenose
am Magenausgang kommen, die die Magenpassage behindert. Dieser Tumor ist dann zumeist inoperabel, deshalb wird
die Gastroenterostomie als palliative Variante zur Wiederherstellung der Magenpassage durchgeführt. Hierbei wird eine
Verbindung mit einer Dünndarmschlinge mit der Vorderoder Hinterwand des Magens hergestellt.
j
jHepaticojejunostomie/biliodigestive Anastomose
Bei inoperablen, ausgeprägten Tumoren im Pankreaskopf
kann es aufgrund einer Stenose im Gallengangsystem zu
einem Ikterus kommen. Als Therapie wird eine neue Verbindung zwischen einer Dünndarmschlinge mit dem Gallengang
hergestellt, um den Fluss der Galleflüssigkeit herzustellen und
den symptomatischen Ikterus zu behandeln.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.11
55 Was bezeichnet der Begriff «Pankreatitis» und welche
Formen sind Ihnen bekannt?
55 Welche Indikation liegt einer Whipple-Operation zugrunde?
55 Welche Rekonstruktionsmöglichkeiten bei einer
Whipple-Operation kennen Sie?
7.12
Akutes Abdomen
Candy Agopian
Die Bezeichnung «akutes Abdomen» zeigt einen Komplex
aus Symptomen an, der sich aus starken abdominellen
Schmerzen und einer potenziellen Lebensbedrohung zusammensetzt. Ausgelöst durch verschiedene Baucherkrankungen
ist das akute Abdomen eine vorläufige Alarmdiagnose, die
eine sofortige diagnostische Abklärung und therapeutische
Maßnahmen nach sich zieht.
Es handelt sich um eine Reaktion des Körpers auf starke
Veränderungen im Organismus. Abzugrenzen ist der Begriff
eines unklaren Abdomens, da es sich um ein Krankheitsbild
des Abdomens handelt, der nicht mit einer potenziellen
Lebensbedrohung einhergeht. Der Begriff des perakuten
Abdomens beschreibt das Vollbild eines akuten Bauchs in
Verbindung mit einem Vernichtungsschmerz, brettharter
Bauchdecke und Kreislaufschock.
Um die richtigen Therapiemaßnahmen einleiten zu
können, muss eine genaue Diagnosestellung in kurzer Zeit
erfolgen.
7
202
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
7
..Abb. 7.29 Anatomie der Schilddrüse unter chirurgischen Aspekten.
Arterielle Versorgung. Die A. thyreoidea superior entspringt beidseits
jeweils aus der A. carotis externa. Die A. thyreoidea inferior entspringt
7.13
Schilddrüse
Sybille Gläß
Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) ist eine endokrine
Drüse (sie gibt ihr Sekret direkt ins Blut ab) und liegt vor der
Luftröhre, beidseits des Schild- und unterhalb des Ringknorpels. Ihr Gewicht beträgt im Normalfall zwischen 20 und
30 Gramm. Sie besteht aus zwei Lappen, dem rechten und
dem linken, die durch den sog. Isthmus miteinander verbunden sind. Bei manchen Menschen geht von dem Isthmus noch
der Lobus pyramidalis (Pyramidenlappen) aus (. Abb. 7.29).
Anders als die meisten anderen Hormondrüsen besteht die
Schilddrüse aus vielen kleinen Bläschen, Follikel genannt,
deshalb wird sie als sog. Follikeldrüse bezeichnet. In diesen
Follikeln befindet sich Kolloidflüssigkeit, eine zähflüssige
Substanz, die Jod und Hormone enthält.
Kaudal der Schilddrüse liegen links und rechts der Luftröhre jeweils zwei Epithelkörperchen (Nebenschilddrüsen),
jedoch kann die Lage bei den einzelnen Menschen variieren.
Die arterielle Versorgung der Schilddrüse erfolgt beidseits
durch zwei Hauptarterien, die A. thyreoidea superior (oberer
Anteil), abgehend von A. carotis externa und der A. thyreoidea inferior (unterer Teil), abgehend aus dem kurzen Truncus
thyreocervicalis, der aus der A. subclavia hervorgeht (. Abb.
7.29). Der venöse Abfluss erfolgt über die V. thyreoidea superior und V. thyreoidea media, die beide in die V. jugularis
interna münden sowie über den Plexus thyreoideus impar in
die V. brachiocephalica sinistra. Auf die beiden Nerven –
N. recurrens und N. vagus – muss aufgrund ihrer engen
dem Truncus thyreocervicalis, der aus der A. subclavia entspringt.
Aus: Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin
Heidelberg New York
Nachbarschaft zur Schilddrüse während einer Operation besonders geachtet werden.
Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist die Produktion der
beiden Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die
maßgeblich an der Regulierung unseres Stoffwechsels beteiligt sind. Durch das im Hypophysenvorderlappen produzierte Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) wird
deren Ausschüttung aktiviert. Die Schilddrüse nimmt durch
die von ihr produzierten Hormone u. a. Einfluss auf Herzfrequenz, Blutdruck, Fettstoffwechsel, Wärmeproduktion, Proteinsynthese
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