dem Abwarten der Desinfektionseinwirkzeit werden benö
tigte Ver- und Gebrauchsmaterialien/-siebe für die folgende
Operation in den Saal gebracht und vorbereitet.
Da die Wechselzeit so kurz wie möglich gehalten werden
soll, empfiehlt es sich, freie zeitliche Kapazitäten zu nutzen,
um Vorbereitungen zu treffen, die einen schnellen Wechsel
im Saal fördern. Dazu zählen gute und lückenlose Kommunikation aller Berufsgruppen, zeitlich angemessene Bestellung
von Patienten und anästhesiologische Einleitung, Vorbereitung von Fallwagen, Bereitstellen der benötigten Geräte und
Materialien und evtl. ein Richten der Instrumentiertische in
einem separaten dafür geeigneten Raum.
4.11
OP-Management
Ina Welk, Sylvia Grüning
4.11.1
Der Prozessbegriff im OP
Unter einem Prozess versteht man im Rahmen der Betriebsorganisation im Krankenhaus die Verknüpfung von Einzeltätigkeiten/Arbeitsabläufen zu einem strukturierten und zielgerichteten Vorgehen (Prozesskette).
Im OP liegt der Fokus in der perioperativen Prozessorientierung (Kernprozesse, Teilprozesse prä-, intra- und postoperative Phase) auf der Gesamtheit aller Abläufe und ist Kernaufgabe des OP-Managements (und der Mitarbeiter). Die
Besonderheit der Prozesse im OP liegt in der organisatorischen Komplexität (viele Fachdisziplinen, viele Beteiligte,
viele Schnittstellen) und dem Zeitdruck.
Zu den relevantesten Prozessbetrachtungen zählt die
Zeitspanne von der Einschleusung (inkl. Patiententransport
von Station), die Anästhesiefreigabe nach Narkoseeinleitung und dem Zeitpunkt des Hautschnitts (inkl. Lagerung und Desinfektion des OP-Gebietes). Durch eine Ver
zögerung des morgendlichen OP-Beginns kommt es zu einer
Verschiebung der OP-Planungsabfolge im Saal, ggf. zu
Überstunden und zu unproduktiven Warte- und Leerlauf
zeiten.
Der Begriff Wechselzeit (Zeit Hautnaht vorherige OP bis
zum Hautschnitt der nachfolgenden OP) wird bevorzugt für
den Ansatz von Prozessoptimierungen betrachtet.
4.11.2
Darstellung von Zeitpunkten,
Zeitdauern sowie die graphische
Darstellung der Prozesszeiten
im OP
Zeitpunkte und Zeitdauer
Betrachtet man den gesamten Prozess einer Operation im
OP-Saal, von der Einleitung bis zur Ausleitung, ist es unerlässlich, insbesondere für die Dokumentation der Zeiten, dass die
Beteiligten bzgl. der Zeitpunkte vom gleichen Verständnis
ausgehen.
4
104
Kapitel 4 · Springertätigkeit
..Tab. 4.2
4
Zeitpunkte im OP
Beginn Anästhesie
X1
Einleitung der Narkose durch den Anästhesisten, Verabreichung
von Narkosemitteln
OP-Freigabe
F
Narkose ist eingeleitet, chirurgische Maßnahmen können
beginnen. Ansage durch Anästhesisten!
Beginn chirurgischer Maßnahmen
B
Vorbereitungen durch OP-Team wie Lagerungsmaßnahmen,
Hautdesinfektion, sterile Abdeckung
OP-Beginn
S
Schnitt
OP-Ende
N
Naht der Haut ist beendet
Ende der chirurgischen Maßnahmen
E
Verbände, Gips, Röntgendiagnostik sind abgeschlossen,
Lagerung ist aufgehoben
Ende Anästhesie
X2
Der Patient wird aus dem Saal gefahren (nicht Patient ist extubiert)
Narkosezeit
X 1–X 2
Zeitdauer der Narkose
Chirurgische Zeit
F–E
mögliche Zeit für chirurgische Vorbereitungszeit und
Schnitt-Naht-Zeit und chirurgische Nachbereitung
(Verantwortung Operateur)
Chirurgische Zeit
B–E
tatsächliche Zeit für chirurgische Vorbereitungszeit
und Schnitt-Naht-Zeit + chirurgische Nachbereitung
(Verantwortung Operateur)
Chirurgische Vorbereitungszeit
F–S
Zeitraum für Vorbereitungen der Chirurgen bis zum Schnitt
(Verantwortung Operateur)
Chirurgische Vorbereitungszeit
B–S
Tatsächliche Vorbereitungszeit der Chirurgen bis zum Schnitt
(Verantwortung Operateur)
Freigabe bis Beginn chirurgischer Maßnahmen
F–B
Leerlauf (Verantwortung Operateur)
Schnitt-Naht-Zeit
S–N
Operationszeit (Verantwortung Operateur)
Narkose Einleitung
X1–F
Zeitdauer für Narkoseeinleitung und Vorbereitung bis zur
Freigabe (Verantwortung Anästhesie)
Narkose Ausleitung
E–X2
Zeitdauer für die Narkoseausleitung bis zum Verlassen
des Saales (Verantwortung Anästhesie)
..Tab. 4.3
Zeitdauern im OP
Zwischen der Einleitung und der Ausleitung befinden
sich noch fünf weitere wichtige Zeitpunkte (. Tab. 4.2):
44Beginn Anästhesie (Einleitung),
44OP-Freigabe,
44Beginn der chirurgischen Maßnahmen,
44OP-Beginn,
44OP-Ende,
44Ende der chirurgischen Maßnahmen,
44Ende Anästhesie (Ausleitung).
Zunächst ist es notwendig zu erklären, was unter den ein
zelnen Zeitpunkten zu verstehen ist, weiterhin ist es zur
arstellung der Zeitdauer notwendig, die einzelnen ZeitD
punkte mit entsprechend sinnvollen Kürzeln zu versehen
(. Tab. 4.3).
In der vorangegangen Auflistung wurden Zeitpaare definiert. Sie beschreiben den exakten Beginn und das Ende einer
bestimmten Tätigkeiten/Leistung. Aus diesen Zeiten können
nun Intervalle gebildet werden, die für die Auswertung eine
besondere Bedeutung haben. Die Auslastung des Operationsbereiches und der einzelnen OP-Säle wird anhand sog. Kennzahlen berechnet. Man unterscheidet in Produktivzeit (SchnittNaht-Zeiten) und Wechselzeiten (Naht-Schnitt-Zeiten).
Prozesse steuern durch Kennzahlen
Um das Ergebnis von Optimierungsmaßnahmen beurteilen
zu können, müssen die Kennzahlen entwickelt, dokumentiert
und analysiert werden. Wichtig ist die Frage, welche Kennzahlen für welche Aussage erhoben werden sollen. Als Beispiel der
gängigsten Kennzahlen sei hier die Übersicht aufgeführt.
105
4.12 · Materialkunde
Materialien
Die gängigsten Kennzahlen
55 Leistungszahlen (Anzahl der Operationen) mit Zuordnung zu den Fachkliniken
55 Erstschnittzeiten
55 Schnitt-Naht-Zeiten (Auslastungsgrad)
55 Naht-Schnitt-Zeiten (Wechselzeiten)
55 Überziehungszeiten (Planungsabweichungen)
55 Zahl der abgesetzten Patienten (Begründungen)
55 Anzahl und Art der Notfälle
55 Nicht betriebene OP-Säle
55 Leerlauf- und Wartezeiten
Entscheidend für die Datenqualität ist die Verwendung von
einheitlichen Definitionen von Zeitpunkten und Zeitintervallen. Dies ist für den internen Vergleich ebenso wichtig wie für
den Vergleich verschiedener Kliniken (Benchmarking).
Damit alle Berufsgruppen im OP ein einheitliches Verständnis zu den unterschiedlichen Prozesszeiten erlangen
können, ist es notwendig, diese verbindlich zu vereinbaren
und dann zu verabschieden. Das schafft Klarheit, Sicherheit
und vermeidet kontroverse und zeitaufwändige Diskussionen
vor Ort.
??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 4.11
55 Was bedeutet der Begriff «Wechselzeit»?
4.12
Materialkunde
Anett Gudat, Jens Köpcke
Lernziele
55 Die Auszubildenden kennen die am häufigsten ver
wendeten Materialien für Drainagen, Katheter und Ab
deckungen.
55 Sie kennen die Auswirkungen der Materialien auf den
menschlichen Organismus und können die Materialien
patientenorientiert auswählen und vorbereiten.
4.12.1
Drainagen
Unter dem Begriff Drainage werden Ableitungssysteme zusammengefasst, die Blut, Wundflüssigkeit oder Eiter aus Körper-, Wund- oder Eiterhöhlen ausleiten. Eine Drainage wird
nach einer Operation gelegt, um Infektionen vorzubeugen,
um eine Wunde offen zu halten oder um die Granulation vom
Wundgrund aus zu sichern, z. B. nach Abszessspaltungen.
Zur Therapie von u. a. Infektionen werden Drainagen als
Spül- und Saugdrainagen eingesetzt.
Drainagen dienen der Überwachung von Nachblutungen
und führen zu Druckentlastung bei Flüssigkeitsansamm
lungen.
Die meisten Drainagen sind mit einem Röntgenkontraststreifen ausgestattet, damit sich die Lage der Drainage bei
Bedarf kontrollieren lässt.
Drainagen werden in verschiedenen Materialien angeboten,
die insgesamt eine gute Gewebeverträglichkeit besitzen. Der
Einsatz der unterschiedlichen Drainagematerialien hängt
vom Verwendungszweck ab.
j
jPolyvinylchlorid (PVC)
PVC ist ein stabiles Material, wir kennen es v. a. als Material
für Redon-Drainagen. PVC enthält toxische Weichmacher,
die austreten können, wenn die Drainage zu lange im Gewebe
verbleibt. Darüber hinaus kann es durch Eiweißablagerungen
im Lumen zu Abflussbehinderungen kommen. Durch die
Festigkeit des PVC kann die unter Sog stehende Redon-Drainage jedoch nicht zusammenfallen.
j
jSilikon
Silikon ist ein siliziumhaltiges Material von enormer Wärmeund Wasserbeständigkeit. Es ist v. a. als Langzeitdrainage geeignet, da im Vergleich zu anderen Materialien die beste Gewebeverträglichkeit zu beobachten ist. Silikon ist sehr flexibel
und außerdem gewebeneutral. Dadurch ist es jedoch als Gallengangdrainage nicht geeignet, da dabei eine Gewebereak
tion im Sinne einer Granulationsbildung erwartet wird, die
zum Verschluss der Leckage im Ductus choledochus nach
Drainagenentfernung führen wird.
j
jNaturgummi und Latex
Diese Materialien eignen sich nur als Kurzzeitdrainagen, da
sie meist zu einer starken lokalen Gewebereaktion führen. Die
Oberflächenbeschaffenheit begünstigt die Ansiedlung von
Bakterien und bei längerem Verbleib im Körper treten Zersetzungsprozesse auf. Latex wird aus Kautschuk hergestellt und
führt zu weniger heftigen Gewebereaktionen als Gummi.
Verbleibt es jedoch länger im Körper, gehen Elastizität und
Härte verloren. Wegen zunehmend auftretender Allergien
wird Latex nur noch selten eingesetzt.
Funktionsprinzipien einer Drainage
j
jSchwerkraftdrainage
Das Sekret sammelt sich regelhaft am Boden einer Wund-,
Körper- oder Abszesshöhle. Eine rohrförmige Drainage (z. B.
Robinson-Drainage, . Abb. 4.9) mit ein oder mehreren Öffnungen leitet das Sekret vom tiefsten Punkt in einen tiefer
gelegenen Auffangbeutel ab.
j
jKapillardrainage
Diese Drainagenform nutzt die Adhäsion (Kapillarkraft) um
das Sekret aufwärts in einen Verband abzuleiten. Dieses
Prinzip ist durch einfachen Verbandmull als Docht in einer
Wunde, beim Penrose-Drain (Mulldocht in einem dünnwandigen Gummirohr) oder beim Easy-flow-Drain (weiches
Kunststoffrohr mit längs gerippten engem Volumen; . Abb.
4.9) verwirklicht. Die Blake-Drainage hat 4 durchgehende
Kanäle, weist eine sehr gute Saugkraft auf und verstopft sehr
selten.
4
106
Kapitel 4 · Springertätigkeit
j
jHalboffene Systeme
Das Wundsekret läuft nach dem Prinzip der Schwerkraft in
beide Richtungen ab.
Kollabierende Drainage mit dünner, geriffelter Silikonwand. Das
Sekret wird durch Kapillarwirkung in einem am Körper aufgeklebten sterilen Beutel abgeleitet. Sie eignen sich als Abszessdrainage oder Ableitung im Bereich empfindlicher Strukturen wie Bauchorgane oder Gefäße.
Silikonkapillardrainagen (z. B. Easy-flow-Drainage)
4
..Abb. 4.9 Drainagetypen zur intraabdominellen Drainage: (von oben
nach unten) Easy-flow-Drainage, Aachener-Drainage, Robinson-Drainage,
Latexrohrdrainage. Aus: Siewert JR, Rothmund M, Schumpelick V (2011)
Praxis der Viszeralchirurgie. Gastroenterologische Chirurgie. Springer,
Berlin Heidelberg New York
j
jHeberdrainage
Hier wird das Prinzip «verbundener Röhren» genutzt, um das
Sekret zunächst zwar aufwärts, dann aber in einen tiefer gelegenen Auffangbeutel bzw. -flasche abzuleiten. Die Höhen
differenz zwischen Flüssigkeitsspiegel im Reservoir und im
Auffangbehälter ist eine zwingende Voraussetzung für eine
einwandfreie Funktion. Sie dient v. a. der Ableitung von
Magen-, Darm- und Gallensekreten.
j
jSaugdrainage
Bei dieser Form wird der Sog grundsätzlich extern erzeugt.
Drainagesysteme
Die innere Drainage bezeichnet eine Ableitung innerhalb des
Körpers, z. B. die Ableitung einer Pankreaspseudozyste in den
Magen mit einem PigTail-Katheter oder die ventrikuloabdominelle Liquorableitung (7 Kap. 18) und wird jeweils im Rahmen der entsprechenden Operationen besprochen.
Bei der äußeren Drainage erfolgt die Ableitung aus dem
Körperinneren nach außen. Äußere Drainagesysteme können
offen, halboffen oder geschlossen sein. Bei den offenen Systemen wird die Flüssigkeit direkt in den Verband geleitet, bei
den halboffenen erfolgt die Ableitung in eine offene Flasche
oder einen Adhäsivbeutel. Die Sekretableitung bei den geschlossenen Drainagesystemen erfolgt direkt über die
Schlauchverbindung in einen Auffangbeutel oder ein Auffangsystem luftabgeschlossen mit oder ohne Sog. Diese Form
genügt allen hygienischen Ansprüchen.
j
jOffene Systeme
Diese Art der Ableitung eignet sich v. a. für infizierte Wunden. Die Drainage wird dabei knapp über Hautniveau gekürzt
und mit einer Naht fixiert. Das Sekret fließt direkt in den
Verband, dieser muss allerdings mehrmals täglich gewechselt
werden. Die Lasche soll die Wundhöhle offen halten, um die
Granulation vom Wundgrund aus zu sichern.
T-Drain Diese Drainage wird in den Ductus choledochus
eingelegt, um durch die Ableitung der Gallenflüssigkeit nach
außen den Druck in den Gallenwegen zu vermindern und die
bessere Heilung der Läsionen oder Anastomosen im Bereich
des D. choledochus zu ermöglichen.
j
jRobinson-Drainage
Diese Drainage ist ein Wunddrainagesystem, bei dem der
Beutel nicht gewechselt wird, sondern das Sekret über einen
Ablaufstutzen entleert wird. Sie wird meistens in den Bauchraum eingelegt und arbeitet ohne Sog. Sie endet als Ziel
drainage im Operationsgebiet und soll z. B. das Blut oder
Wundsekret nach außen ableiten.
Sie wird auch als Insuffizienzdrainage eingesetzt, d. h. das
Ende der Drainage wird neben einer Nahtverbindung eines
Organs (Anastomose) gelegt, um im Falle einer Undichtigkeit
das austretende Sekret (Inhalt des Magendarmtraktes, Urin
usw.) abzuleiten. So kann z. B. eine Nahtinsuffizienz rechtzeitig erkannt werden.
j
jGeschlossene Systeme
Hier kann das Wundsekret nur in eine Richtung ablaufen, ein
Rücklauf in die Wunde ist ausgeschlossen.
Diese Saugdrainage liegt meist im Gelenk
oder im Unterhautfettgewebe. Durch Sog werden die Wundflächen zusammengezogen, wodurch ein schnelleres Verkleben und Zusammenwachsen möglich ist. Die Drainage besteht aus einem dünnen Kunststoffschlauch mit Perforationen im Wundbereich, sodass Unterdruck im Sekretbehälter
aktiv Blut und Sekret sammelt. Diese Drainage wird nicht im
Bauchraum eingebracht, da hier die Gefahr einer Darmperforation bestünde.
Redon-Drainage
Spül-Saug-Drainage Die Drainage besteht aus einem oder
zwei Drainagen mit integriertem Spülkatheter zur kontinuierlichen Spülung der freien Bauchhöhle, einer Abszesshöhle
oder eines infizierten Gelenks.
Thorax-/Bülau-Drainage Diese Drainage soll Luft, Sekret,
Blut oder Eiter aus dem Pleuraspalt ableiten, damit sich die
Lunge wieder vollständig entfalten kann. Sie dient zur Prophylaxe nach Mediastinum- und Thoraxoperationen (7 Abschn. 10.2).
107
4.12 · Materialkunde
4.12.2
Katheter
Der Begriff «Katheter» kommt aus dem Griechischen und
bedeutet so viel wie «fallen lassen». Wir bezeichnen damit alle
starren oder flexiblen Röhrchen verschiedenen Kalibers. Sie
bestehen je nach Anwendung aus Kunststoff, Latex oder Silikon und sollen Hohlorgane wie die Harnblase leeren, füllen
oder spülen. Dies geschieht zur diagnostischen (untersuchungsbedingten) oder therapeutischen (behandlungsbedingten) Zwecken. Die Länge wird in Zentimeter und die
Dicke in Charrière angegeben.
Eine Unterscheidung wird nach Material, Bauart oder
Verwendungszweck vorgenommen.
Material
Latex ist ein elastisches und zugleich hartes Material, das ver-
mehrt Allergien und Gewebereaktionen auslöst und deshalb
immer seltener angewendet wird. Latexkatheter haben eine
Liegedauer von bis zu 5 Tagen.
PVC ist ein hartes Material, dass sich v. a. als Stent eignet,
aber schnell zu Fibrinanlagerung neigt, deshalb wird es häufig
beschichtet benutzt.
Silikon ist ein gewebefreundliches Material mit großer
Wärme- und Wasserbeständigkeit, das sich sehr gut bei längerer Verweildauer im Körper eignet und bis zu 6 Wochen
verbleiben kann.
Verwendungszweck
Am häufigsten ist die Unterscheidung nach Einsatzzweck,
z. B. in transurethrale Dauer- und Einmalkatheter sowie suprapubische Blasenkatheter. Die Dauerkatheter dienen der längerfristigen Harnableitung, die Einmalkatheter der einmaligen Harnableitung bzw. Harnentleerung und diagnostischen
Uringewinnung.
Alle transurethralen Dauerkatheter werden heute als
Ballonkatheter angeboten. Neben den unterschiedlichen Formen ihrer Spitze und der Anzahl der Öffnungen wird eben..Abb. 4.10 Gebräuchliche Kathetertypen.
Aus: Gasser T (2015) Basiswissen Urologie, 6. Aufl.
Springer, Berlin Heidelberg New York
falls zwischen 2-Wege- und 3-Wege-Kathetern unterschieden. Der 2-Wege-Katheter hat einen Kanal zur Harnableitung
und einen Kanal zur Ballonfüllung. Dieser Typ wird zur
dauerhaften Harnentleerung eingesetzt. Der 3-Wege-Katheter hat noch einen zusätzlichen Kanal, der zum Einbringen
von Spüllösungen benutzt wird, z. B. bei starken Blutungen in
der Harnblase. Der Füllungskanal des Ballons ist mit einem
Ventil ausgestattet, um ein Entweichen des Blockmediums,
z. B. steriles destilliertes Wasser oder Glycerol, zu verhindern.
Einmalkatheter dienen der Uringewinnung und einmaligen Harnableitung. Diese Katheter haben nur ein Lumen und
werden nicht geblockt. Besondere mehrlumige Einmalkatheter finden bei urologischen Spezialuntersuchungen wie der
Blasendruckmessung Anwendung.
Für eine längerfristige und dauerhafte Harnableitung
kommt ein suprapubischer Katheter zum Einsatz. Dieser
wird oberhalb des Schambeins durch die Bauchdecke hindurch in die Blase eingebracht und mit einem Faden an der
Bauchhaut fixiert. Hier werden generell Katheter aus Silikon
verwendet.
Bauart
Katheter werden auch nach ihrer Bauart unterschieden. Die
wichtigsten werden hier vorgestellt.
Der Nelaton-Katheter (. Abb. 4.10) besitzt eine geschlossene Hohlspitze mit zwei gegenüberliegenden Augen bzw.
vier versetzten Augen. Es ist der am häufigsten verwendete
Kathetertyp und kann für Männer und Frauen angewendet
werden.
Der Tiemann-Katheter (. Abb. 4.10) besitzt eine gebogene konisch zulaufende Hohlspitze, die am Ende leicht verdickt
ist. Er hat nur ein Auge und ist besonders zur Katheterisierung der männlichen Harnblase geeignet, da die Spitze den
Katheter besser durch die Harnröhre führt.
Ein relativ neuer Katheter nach Stöhrer hat eine flexible
Spitze, die konisch zuläuft und am Ende eine kleine kugelförmige Verdickung besitzt. Dadurch lässt sich der Katheter be-
Nase
Kaliber
Pavillon
Kaliber:
1 Charr. =1/3 mm ø
Tiemann-Spitze
(Einmalkatheter)
Ballon
Ballonfüllstutzen mit Ventil
Nelaton-Spitze
(Dauerkatheter)
4
108
4
Kapitel 4 · Springertätigkeit
sonders leicht in die Harnröhre einführen, da ein geringerer
Druck an der Spitze auf die Blasenschleimhaut ausgeübt wird.
Neu sind auch die speziell geformten Augen, die eine Verletzung der Schleimhaut auf ein Minimum begrenzen.
Der Couvelaire-Katheter hat vorn eine offene Flöten
spitze mit zwei seitlichen Augen. Wegen seiner großen Öffnung an der Spitze wird er häufig für Blasenspülungen verwendet.
Der Dufour-Katheter ist ähnlich geformt wie ein Tiemann-Katheter, nur dass er zwei versetzte Augen und eine
offene Flötenspitze besitzt. Er findet Anwendung bei männlichen Patienten.
Der Neo-Blasenkatheter ist ein Stirnlochkatheter mit
längerer Strecke vor dem Ballon und großen Augen, damit der
Schleim besser ablaufen kann.
In der Gefäßchirurgie werden Embolektomiekatheter
benötigt (7 Abschn. 10.1), in diversen anderen Fachdisziplinen werden Venen- sowie Arterienkatheter benutzt. Wichtig
in jedem Bereich ist, dass jeder Katheter standardisiert eingebracht und die Indikation ist klar umrissen ist.
4.12.3
Abdeckungen
Lernziel
55 Die Mitarbeiter kennen unterschiedliche Abdecksysteme
und Mischformen und können den hygienischen Vorgaben entsprechend die Abdeckungen auswählen und zusammensetzen.
Jede Operation ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Der
medizinische Erfolg eines Eingriffs kann insbesondere durch
postoperative Infektionen gefährdet werden. Als Infektionsquellen kommen einerseits andere Patienten, das Personal
oder die Umgebung, andererseits auch der Patient selbst in
Frage. Deshalb gehört zu den zahlreichen Hygienemaßnahmen im Operationssaal, die den Keimeintrag verhindern sollen, auch die Verwendung von sterilen Patientenabdeckungen
und OP-Mänteln, um die operationsbezogenen Wundinfek
tionen («surgical site infections», SSI) zu verhindern.
Da während einer Operation Blut und Körperflüssigkeiten austreten und vielfach das Operationsgebiet gespült wird,
dürfen OP-Abdeckungen keinesfalls durchlässig für die Hautkeime des Patienten sein. Im eigentlichen OP-Feld muss also
ein Abdeckmaterial verwendet werden, das auch unter Belastung während der gesamten Operationsdauer eine sichere
Keimbarriere darstellt. Dabei sind alle Areale einzubeziehen,
die in der Umgebung der Operationswunde Belastungen und
Flüssigkeiten ausgesetzt sind, sowie die Flächen, auf denen die
Instrumente gelagert sind.
Die gleichen Anforderungen gelten für die sterilen OPMäntel, besonders die Mantelfront und die Ärmel bis über
den Ellbogen müssen absolut flüssigkeitsdicht sein.
Einwegprodukte und wiederaufbereitbare Materialien
werden als OP-Abdecksysteme und OP-Mäntel angeboten,
mit dem Ziel, den Keimeintrag in die Wunde zu reduzieren
und das OP-Personal vor Infektionen zu schützen.
Qualität und Anforderungen
an OP-Abdeckungen
OP-Abdeckmaterialien sind Medizinprodukte, deshalb h
aben
sie eine CE-Kennzeichnung und dürfen nur
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