Anlage darf der infi
zierte Bereich nicht blutleer gewickelt werden, da beim
Auswickeln des Armes durch die Kompression die
Infektion in die Tiefe gedrückt würde.
Leidet der Patient an einer Nagelbettentzündung (Paron
chyie), handelt sich um eine Entzündung des Nagelwalls. Es
kommt zur Rötung, Schwellung und Druckschmerz am Nagelwall. Später entleert sich auf Druck Eiter. Bei fortschreitender Infektion wird in einer Blutleere des Fingers der Infektionsherd am Nagelwall eröffnet.
Ein Panaritium (Fingerinfektion) dagegen bezeichnet eine
Infektion des Fingers mit Gewebeeinschmelzung, ein Abszess
im Bereich der Weichteile des Fingerendglieds. Auch hier sehen wir eine Rötung und eine Schwellung, der Patient empfindet einen bohrenden Schmerz an der betroffenen Stelle sowie
starke Klopf- und Berührungsschmerzen. Auslöser dieser Infektion sind meist Staphylokokken und Streptokokken.
Es gibt unterschiedliche Arten der Ausbildung von Panaritien, die mehrere Gewebeschichten betreffen. Die Infektion
muss eröffnet werden, ein Übergreifen auf den Knochen muss
verhindert werden, sollten Knochen oder ein Gelenk betroffen sein, muss eine örtliche Antibiotikatherapie durch Einlage
einer Septopalkette durchgeführt werden.
..Abb. 9.2 Ausbreitungswege (1) von Infektionen der Langfinger über
die Sehnenscheiden in die tiefe Hohlhand, von wo die Entzündung über
den Karpaltunnel den Sehnenscheidensack erreichen und auf den Unter
arm (Parona-Raum) übergreifen kann. 2 Entstehung der sog. V-Phlegmone
bei Infektionen am Kleinfinger oder Daumen über die durchgehenden
Sehnenscheiden ihrer Beugesehnen und den Sehnenscheidensack im
Handgelenkbereich, aus dem ebenfalls ein Durchbruch zum Unterarm
möglich ist. Aus Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie.
Springer, Berlin Heidelberg New York
Bei einer Phlegmone lag meist eine Bagatellverletzung
der Haut vor, von der aus sich die Erreger, meist Staphylo- und
Streptokokken, in das Gewebe ausbreiten. Eine Phlegmone
kann in oder unter der Haut liegen und geht mit den anfänglichen Entzündungszeichen einher. Neben der Antibiotikatherapie wird ein radikales Débridement (Wundsanierung)
durchgeführt, bei der alle Nekrosen entfernt werden. Die
Wunde wird sorgfältig gespült. Eventuell wird eine Antibiotikakette oder eine Drainage eingelegt. Bei starker, ödematöser Schwellung des infizierten Gebietes erfolgt ein spannungsfreier temporärer Wundverschluss mittels passend zugeschnittener «Kunsthaut» (= Epigard). Die Ruhigstellung der
Hand ist obligat.
Infektionen durch Bissverletzungen, meist durch Hundebisse, entstehen durch eine Kontamination (Ansteckung)
mit multiplen, pathogenen (viele krankmachende) Keimen,
die im Speichel des Hundes vorhanden sind. Solche Wunden
müssen mit antiseptischer Lösung gespült werden, um die
Keimzahl zu reduzieren. Danach wird die Wunde ausgeschnitten und das verletzte Gewebe entfernt. Wunden mit hohem
Infektionsrisiko werden primär nicht genäht, um bei einer
fortschreitenden Infektion sofort reagieren zu können. Tetanusschutzimpfung und Antibiotikagabe sind unerlässlich!
Infektionen durch Bissverletzung eines Menschen
(Zahnschlagverletzungen) entstehen durch Schläge gegen
die Schneidezähne des Gegners. Häufigste Auslöser der da-
9
264
Kapitel 9 · Handchirurgie
nach entstehenden Infektion sind Staphylokokken und Streptokokken. Bissverletzungen durch einen Menschen sind extrem infektiös, weil sich in einem Milliliter Speichel unvorstellbare Mengen Bakterien, Viren und Pilze befinden und
sich die Verletzungen dementsprechend schnell entzünden.
9.2.2
9
Dupuytren-Kontraktur
Als Dupuytren-Erkrankung bezeichnet man die (gutartige)
Neubildung von schmerzlosen Knoten und Strängen in der
Hohlhand und in den Fingern, die sich durch Verdickung
kollagener Fasern der Palmaraponeurose bilden und langsam
zu zunehmenden Beugekontrakturen eines oder mehrerer
Finger führen (Krallenhand). Der Befall der ersten Zwischenfingerfalte führt zu einer Abspreizbehinderung des Daumens.
Diese Erkrankung der Faszien der Hohlhand und der Finger betrifft häufiger Männer als Frauen, vorwiegend in der
zweiten Lebenshälfte. Der Beginn der Erkrankung ist schleichend und wird vom Patienten oft jahrelang nicht bemerkt
oder nicht beachtet.
Das Hauptproblem stellt für den Patienten die Einschränkung der Fingerstreckung dar. Der Erkrankte bleibt oft mit
der Hand hängen. Außerdem ist die Greiffunktion der Hand
in Bezug auf die Kraftentfaltung und die Feinmotorik deutlich eingeschränkt.
Abhängig von der Ausprägung der Erkrankung ist das
operative Vorgehen. Der kleinstmögliche Eingriff ist die «Nadelfasziotomie». Hierbei wird unter sterilen Bedingungen
und lokaler Betäubung der Strang mit einer Injektionskanüle
solange vielfach perforiert, bis sich der betroffene Finger wieder strecken lässt. Dies ist ein Eingriff ohne Skalpell. Die weiteren Möglichkeiten sind entweder die einfache Strangdurchtrennung (Fasziotomie), die lokale Exzision («limited fasciectomie»), die partielle Entfernung der Palmaraponeurose
(partielle Fasziektomie) oder eine vollständige Entfernung
der Palmaraponeurose (totale Fasziektomie). Die – seltene –
totale Entfernung der Palmaraponeurose kann zu Nervenund Gefäßverletzungen führen.
Postoperativ wird eine Drainage gelegt und die Hand wird
mit einer Gipsschiene ruhiggestellt, um eine gute Wundheilung zu gewährleisten.
9.2.3
Nervenkompressionssyndrome
Es gibt an der oberen Extremität mehrere Möglichkeiten für
Nervenkompressionssyndrome. Wenn ein Nerv unter Druck
gerät, kommt es in dessen Versorgungsgebiet zu Missempfindungen, Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder sogar motorischen Ausfällen.
Das operative Vorgehen ist bei allen Kompressionssyndromen ähnlich. Ziel jedes Eingriffs ist die Dekompression
des jeweiligen Nervs. Der Hautschnitt wird über dem betroffenen Nerv gesetzt. Der Nerv wird unter Schonung des umliegenden Gewebes freipräpariert. Die Engstelle wird aufgesucht und beseitigt.
Das häufigste Kompressionssyndrom ist das Karpaltunnelsyndrom.
9.2.4
Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom betrifft hauptsächlich Frauen,
vorwiegend im Alter von 40–60 Jahren. Aber auch bei jüngeren Personen, z. B. in der Schwangerschaft, bei Patienten mit
Stoffwechselstörungen und bei Dialysepatienten tritt es auf.
Vielfach sind beide Hände betroffen.
Beim Karpaltunnelsyndrom liegt eine Schädigung des
N. medianus in Handgelenkhöhe vor. Der Karpaltunnel, auch
Karpalkanal genannt, ist der Raum zwischen den Handwurzelknochen und dem darüber liegenden Karpalband (Retinaculum flexorum), durch den der N. medianus sowie alle
9 Beugesehnen verlaufen. Der Medianusnerv ist für die Sensibilität des Daumens, Zeige- und zum Teil auch des Ringfingers zuständig. Außerdem entspringt dort der motorische
Daumenast, der für die Steuerung der Daumenmuskulatur
verantwortlich ist.
Ein Karpaltunnelsyndrom entsteht, wenn der N. medianus durch erhöhten Druck innerhalb des Karpalkanals geschädigt wird. Das führt zunächst zu überwiegend sensiblen
Störungen in den betroffenen Langfingern 1–4. Später kann
es auch zum motorischen Ausfall im Bereich der Daumenballenmuskulatur kommen.
Die Symptomatik bei einem KTS besteht aus nächtlichen
Parästhesien, (schmerzhafte Empfindungen mit Kribbeln
und Taubheit). Es kann zu Taubheitsgefühl im Daumen und
in den Fingern kommen, Schwäche beim Spitzgriff und der
Opposition mit deutlicher Ungeschicklichkeit bei manueller
Tätigkeit.
Eine Reihe leicht durchzuführender Untersuchungen sichern die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms. Das positive
Hoffmann-Tinel-Zeichen (= Beklopfen des Nervs) führt zu
einem Elektrisieren bis in die vom N. medianus innervierten
Finger, gilt als Hinweis auf ein KTS. Auch ein EMG (Elektro
myographie) und ein ENG (Elektroneurographie), sog. neurophysiologische Untersuchungen, können Aufschluss über
den Zustand des jeweiligen Nervs liefern. Mit der ENG wird
gemessen, wie schnell der N. medianus einen Reiz weiterleitet. Mit dem EMG kann festgestellt werden, ob eher der Nerv
oder der Muskel geschädigt ist und wo der genaue Ort der
Schädigung liegt.
Ständiger Druck auf den Nerv führt zu bleibenden Parästhesien.
Die Therapie besteht in jedem Fall in der vollständigen
Spaltung des Retinaculum flexorum, der derben Bandstruktur, die das Dach des Karpalkanals bildet. Abhängig von der
Grunderkrankung kann zusätzlich eine partielle Synovialektomie der Beugesehnen oder die Abtragung von Ablagerungen erfolgen.
Nervenkompressiossyndrome gibt es auch an den anderen
Nerven des Armes. So gibt es im Bereich des Ellenbogens z. B.:
44Supinatorsyndrom (N.radialis),
44Ulnarisrinnensyndrom (N.ulnaris).
265
9.3 · Tumoren
9.2.5
Ganglion
Ein Ganglion, im Volksmund auch «Überbein» genannt, ist
eine Zyste mit gallertartigem Inhalt, die sich aus der Gelenkkapsel oder den Sehnenscheiden entwickelt und in jedem Alter auftreten kann. Die Ursache ist unklar. Ganglien können
an allen Gelenken und Sehnenscheiden und auch im Bereich
der Strecksehnen, am Handrücken und an den Fingern vorkommen. Es gibt aber auch «okkulte» (nicht sichtbare) Ganglien. Ein okkultes Ganglion im Bereich des Karpaltunnels
führt hier zu einem Nervenkompressionssyndrom (7 Abschn.
9.2.4). Häufig stören die erkennbare Schwellung, aber auch
die belastungsabhängigen Schmerzen.
Ein Handgelenkganglion wird in Regionalanästhesie oder
Narkose und mit Blutleere operiert. Das Ganglion muss bis zu
seinem Ursprung präpariert und exstirpiert werden.
Intraossäre (im Knochen) Ganglien sind meist im Mondbein zu finden. Nach deren Entfernung wird der entstandene
Defekt mit Spongiosa aus dem Beckenkamm aufgefüllt.
Die degenerative Mukoidzyste ist einem Ganglion ähnlich, und tritt bei einer beginnenden Fingergelenkarthrose am
häufigsten dorsal über dem Endgelenk am distalen Finger auf.
Diese kleine Geschwulst drückt auf die Nagelmatrix und es
entsteht eine auffällige, längsverlaufende Eindellung im Fingernagel (Heberden-Arthrose). Sie sollte entfernt werden,
bevor irreversible Nageldeformierungen eintreten.
9.3
Tumoren
9.3.1
Knochentumoren
Maligne Knochentumoren (Sarkom, Chondrosarkom, Ewing-Sarkom) sind an der Hand sehr selten. Die Therapie eines
bösartigen Tumors wäre eine radikale Entfernung des betroffenen Knochens, eine ausgedehnte Amputation des entsprechenden Strahls.
Das Enchondrom ist ein gutartiger Knochentumor. Es
wird meist zufällig entdeckt. Dieser gutartige Knochentumor
gilt als der zweithäufigste Tumor der Hand, tritt symptomlos
auf und bereitet nur gelegentlich Schmerzen. Dieser Tumor
sollte operiert werden, da es zu einer pathologischen Fraktur
kommen kann. Die Diagnose wird über eine Röntgenaufnahme gestellt, auf dem Bild stellt sich eine wabige, osteolytische
Struktur mit kleinen Verkalkungen dar.
Das Enchondrom besteht aus Knorpel, der v. a. in den
Diaphysen der Fingerknochen oder in den Metaphysen der
Röhrenknochen zu finden ist. Es kann prinzipiell an jedem
Knochen auftreten.
Zur Operation liegt der Patient auf dem Rücken und erhält eine Vollnarkose, weil bei Bedarf ein entstehender Knochendefekt mit Spongiosa aus dem Beckenkamm aufgefüllt
werden muss. Der betroffene Arm wird auf einem Handtisch
ausgelagert, ausgewickelt und die Blutleere angelegt (7 Abschn. 2.7).
Wir bereiten Grundinstrumentarium und Knocheninstrumentarium vor. Für die Entfernung von Spongiosa aus dem
Beckenkamm benötigen wir einen kräftigen Meißel und einen Hammer.
Nach der Desinfektion des Beckenkammes wird die Hand
desinfiziert und dann erfolgt die sterile Abdeckung.
Zuerst wird die Spongiosa des Beckenkamms entnommen, die feucht in einer Schüssel auf dem Beistelltisch aufbewahrt wird, damit sie nicht austrocknet. Nach dem Verschluss
der Entnahmestelle erfolgt die Entfernung des glasig-knorpeligen Tumors am Fingerknochen. Nur wenn die Spongiosa,
mit der der entstandene Defekt aufgefüllt wird, feucht ist,
können für die Einheilung nötige Blutgefäße einsprossen.
Nach der Hautnaht wird die Hand durch Anlegen einer
Schiene ruhiggestellt, um die Wundheilung zu unterstützen.
9.3.2
Tumoren des Gefäßsystems
Hämangiome, auch bekannt als Blutschwämme, sind rasch
wachsende gutartige Gefäßtumoren, die ursprünglich von
den Zellen ausgehen, die die Gefäße innen auskleiden, den
Endothelzellen. Hämangiome können angeboren oder erworben sein. Wir unterscheiden kavernöse (höhlenreiche)
oder kapilläre (aus vielen engen Kapillaren bestehend) Hämangiome.
Die bläulich, geweiteten Venenelemente sind gut sichtbar.
Kapillare Hämangiome verschwinden oft von selbst, können
sich jedoch in kavernöse Blutschwämme verändern und müssen dann ausgeschnitten werden. Sehr große Hämangiome
können zu einer Thrombosierung des betroffenen Gefäßes
führen.
Ein Glomustumor kann im Körper überall vorkommen,
ist jedoch in den Fingern und den Zehen am häufigsten. Der
sog. Glomuskörper besteht aus Gefäßen, Muskelzellen und
Nerven und reguliert das Temperaturempfinden. Bei einem
Tumor geben die Patienten einen punktförmigen Druckschmerz im Bereich eines Nagels an. Zumeist liegen diese
Schmerzen schon lange vor, werden stärker und je nach
Größe des Tumors kann es zu Verformungen des Nagels
kommen. Die Diagnose erfolgt über eine Sonographie oder
ein MRT.
Zur operativen Therapie liegt der Patient auf dem Rücken,
auf einem Handtisch wird der betroffene Arm ausgelagert.
Über eine Plexusanästhesie wurde die Schmerzfreiheit erlangt und eine Blutleere wird angelegt. Nach der (Teil-)Entfernung des Nagels wird über eine Längsinzision des Nagelbetts direkt über dem Tumor dieser vollständig ausgeschnitten und zur histologischen Untersuchung gegeben. Anschließend wird das Nagelbett mit einem sehr feinen Faden (6–0)
wieder genäht.
9.3.3
Nerventumoren
Bei einem Neurinom, auch Schwannom, handelt sich um
den häufigsten Nerventumor, der vom Bindegewebe der
Schwann-Scheide ausgeht. Er kann durch Schmerzen und
Parästhesien auffallen. Neurologische Ausfälle sind selten.
9
266
Kapitel 9 · Handchirurgie
Die Größe der Geschwulst variiert, an einem Unterarmnerv
kann sie hühnereigroß werden.
Ein Neurinom eines Fingernervs misst anfangs nur
2–3 mm im Durchmesser und ist palpatorisch glatt, mobil
und abgrenzbar. Beim Beklopfen werden oft elektrische Missempfindungen (=positives Hoffmann-Tinel-Zeichen) angegeben.
Die mikrochirurgische Tumorentfernung ist die Therapie
der Wahl.
Die Diagnose einer kompletten Beugesehnendurchtren
nung ist aus der fehlenden Funktion zu stellen. Schwieriger
ist es bei einer Sehnenteildurchtrennung, bei denen die Funktion erhalten geblieben sein kann. Hier kann die Angabe des
Schmerzes bei Prüfung der Sehnenfunktion gegen Widerstand einen Anhalt geben.
Zu beachten ist bei solchen Verletzungen, dass auch
Nerven und/oder Gefäße in Mitleidenschaft gezogen sein
können.
>>Je früher die Sehnennaht erfolgt, desto besser ist das
9.3.4
9
Haut- und Weichteiltumoren
Beispielhaft werden für Tumoren der Haut und der Weichteile
an der Hand die Epithelzyste und das Lipom genannt.
Bei der Epithelzyste handelt es sich um eine gutartige
pralle, harte, kugelige Geschwulst, die sehr häufig auf der
Palmarseite der Finger oder der Hohlhand zu finden ist. Sie
entsteht meist durch ein Trauma, bei dem sich Epidermisgewebe unter der Haut oder im Knochen verteilt. Bei einer Operation wird die Zystenwand vollständig ausgeschnitten, um
ein Rezidiv zu vermeiden.
Lipome sind gutartige Fettgeschwulste, sie können im
Handbereich ein sehr expansives Wachstum entwickeln.
Durch die weiche Konsistenz treten kaum Beschwerden auf
und deshalb können sie lange toleriert werden. Die Raumforderung führt zu Nervenverdrängung, neurologische Symptome, wie Schmerzen und Empfindungsstörungen sind die Folge. Lipome sind abgekapselt und meist von einer feinen Bindegewebskapsel umgeben.
Diese Tumoren werden meist in Lokal- oder Regionalanästhesie operiert. Je nach Betäubungsart und Lokalisation des
Tumors wird eine Oberarmblutleere oder nur eine Fingerblutleere angelegt. Die Hautinzision liegt über dem Tumor
und mittels feiner Präparierschere und feiner chirurgischer
Pinzette wird dieser vollständig entfernt. Feines, nichtresorbierbares Nahtmaterial verschließt die Wunde.
9.4
Verletzungen
9.4.1
Sehnenverletzungen
Ergebnis.
j
jSehnennaht
Zur Sehnennaht wird der Schnitt der Verletzung nach proximal und distal Z-förmig erweitert. Beide Gefäß-Nerven-Bündel werden dargestellt und die Sehnenstümpfe aufgesucht.
Möglicherweise liegt das proximale Sehnenende durch Muskelzug weit entfernt von der eigentlichen Verletzung und ist
schwer zu finden. Nach Auffinden beider Sehnenenden werden diese einander angenähert und mit Kanülen in der Tiefe
fixiert. Sodann erfolgt die Sehnennaht (7 Abschn. 4.13), z. B.
mit modifizierter Kirchmayr-Technik (. Abb. 9.3). Die Sehnenenden werden End-zu-End mit nichtresorbierbarem, geflochtenem Nahtmaterial (Stärke 3-0/4-0) genäht. Danach
erfolgt die Feinadaptation durch eine zirkuläre Naht mit einem sehr dünnen (6-0) monofilen Faden. Dieser ist entweder
aus Nylon (nicht resorbierbar) oder resorbierbar mit langer
Resorptionszeit (z. B. PDS).
Manchmal reißt die Sehne am knöchernen Ansatz mit
einer dünnen Knochenlamelle zusammen aus. In diesem Fall
muss das Knochenfragment operativ mit Drähten oder einem
Knochenanker fixiert werden.
Bei Beugesehnenverletzungen der Hand gibt es keine
Nahttechnik, die eine volle Belastung der Sehne gestattet, deshalb muss das betroffene Gelenk postoperativ im Verband
Beugesehnenverletzungen
Jeder Langfinger hat zwei Beugesehnen, die tiefe Beugesehne
und die oberflächliche. Der Daumen hat nur eine Beugesehne.
Die tiefe Beugesehne (= Flexor digitorum profundus)
tritt in Höhe des proximalen Grundglieds durch die oberflächliche Beugesehne hindurch und bewegt das Endglied.
Die oberflächliche Beugesehne (= Flexor digitorum
superficialis) haftet an der Mittelgliedbasis.
Werden beide Beugesehnen durchtrennt, bleiben Mittelund Endglied gestreckt. Ist lediglich die tiefe Beugesehne
verletzt, kann der Patient nur das Endglied des betroffenen
Fingers nicht mehr beugen, die Beugung im Grundgelenk ist
jedoch erhalten.
d
b
c
a
..Abb. 9.3a–d Sehnennaht mit modifizierter Kirchmayr-Technik.
Aus: Arora R, Lutz M, Gabl M, Pechlaner S (2008) Primäre Behandlung von
offenen Strecksehnenverletzungen der Hand. Oper Orthop Traumatol
20: 13–24
267
9.4 · Verletzungen
(Stack-Schiene). Diese hält das Endglied in Überstreckung,
sodass die Sehnenenden wieder zusammenwachsen können.
Zur Nachbehandlung reicht es aus, den Finger drei bis
sechs (manchmal acht) Wochen lang in einer Schiene ruhig
zu stellen. Anschließend kann der Patient die Sehne wieder
belasten und die Belastung zügig steigern.
9.4.2
Nervenverletzungen
vorsichtig bewegt werden, damit die Sehne nicht in der Sehnenscheide verklebt und sich der Finger versteift. Mit der
Nachbehandlung nach Kleinert wird eine passive, kraftlose
Beugung mit einer aktiven, kraftvollen Streckung der Finger
kombiniert, um eine Versteifung zu vermeiden. Die sog. Klei
nert-Schiene verhindert das völlige Strecken der Finger
(. Abb. 9.4).
Sechs Wochen nach Operation der Beugesehnenverletzung wird die Schiene in der Regel entfernt; eine volle Belastbarkeit ist nach zwölf Wochen wieder möglich.
Die sensiblen Nervenfasern sind für die Übermittlung von
Informationen aus dem Körper zum Gehirn zuständig. Die
motorischen Nervenfasern sind zur Steuerung der Bewegung
als Übermittler vom Gehirn zur Muskulatur zuständig. Nervenverletzungen führen deshalb zu Ausfällen des Gefühls im
Bereich der Verletzung oder zu einer Lähmung der von dem
verletzten Nerv versorgten Muskeln.
Die meisten Nervenverletzungen an der Hand und am
Arm entstehen durch Schnitte. Wir unterscheiden offene und
geschlossene Verletzungen, die durch einen Bruch, eine Luxation oder eine Quetschung im Verlaufsbereich der Nerven
entstehen können. Da sich eine Nerventeildurchtrennung
hinter banal aussehenden Wunden verbergen kann, muss bei
klinischem Verdacht eine Nervenschädigung durch eine operative Revision ausgeschlossen werden.
Die Leitung der elektrischen Nervenimpulse geschieht in
den sog. Axonen, das sind mikroskopisch kleine Bahnen, die
von den Nervenzellen im Rückenmark bis hin zu den Erfolgsorganen (Muskulatur und Tastkörper) verlaufen. Zahlreiche
solcher Axone werden von Bindegewebe (Perineurium) zu
Nervensträngen (sog. Faszikeln) zusammengefasst. Mehrere
solcher Faszikelgruppen, die mit bloßem Auge zu erkennen
sind und von Hüllgewebe (Epineurium) umgeben sind, bilden einen peripheren Nerv.
Strecksehnenverletzung
>>Ein durchtrennter Nerv muss wieder zusammengenäht
..Abb. 9.4 Dorsale Schiene mit Gummizug zur Nachbehandlung
von Beugesehnennähten nach Kleinert. Aus Siewert JR, Brauer RB (2010)
Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York
Strecksehnenverletzungen entstehen z. B. durch den Anprall
eines Balls an einen Finger. Am Endglied der Finger kann die
Strecksehne reißen, wenn nur leichte Kräfte einwirken. Dies
ist ein sog. gedeckter Strecksehnenriss.
Die Diagnostik von Strecksehnenverletzungen kann
durch die relativ komplizierte Anatomie des Strecksehnenapparates im Bereich der Hand erschwert sein. Da die Strecksehnen zu den Fingern untereinander noch mit Faserzügeln
verbunden sind (Connexus intertendinosus) ist nach der Verletzung der Sehne eines Fingers u. U. noch eine gewisse Streckung möglich. Bei aktiver Streckung hängt der verletzte Finger im Gegensatz zu den anderen etwas herunter.
Auf Höhe des Handgelenks werden die Strecksehnen
durch Hüllen – die sog. Sehnenfächer – geschützt.
Strecksehnen können, im Gegensatz zu den Beugesehen,
bei einer Ruptur nicht so weit zurückschlüpfen. Eine frische
Strecksehnenverletzung lässt sich deshalb häufig in örtlicher
Betäubung (Oberst-Anästhesie, 7 Abschn. 9.1.1) mit nichtresorbierbarem Nahtmaterial der Stärke 3-0 nähen.
Bei Strecksehnenrissen am Endglied wird, sofern die Reststreckfähigkeit erhalten ist, eine spezielle Schiene verwendet
werden. Ein Auswachsen der Nerven ist nur möglich
ist, wenn durch eine Nervennaht die Nervenenden wie
der Anschluss finden können.
Mit einer Lupenbrille oder einem Mikroskop werden die
Hüllgewebe (Epineurium und Perineurium) des Nervs mit
sehr feinem, monofilem Nahtmaterial (10-0) zusammengeführt, damit die Axone auswachsen können. Da nicht alle
Axone den richtigen Anschluss finden, kann manchmal die
volle Funktion des Nervs nicht wieder hergestellt werden.
Eine Nervennaht darf nicht unter Spannung stehen. Dann
ist ein Zusammenwachsen nicht möglich. Bei größeren Defekten, z. B. nach Kreissägenverletzung, muss deshalb eine
Nerventransplantation zur Defektüberbrückung durchgeführt werden. Hierfür wird ein Stück eines Hautnervs vom
Unterschenkel (N. suralis) oder Unterarm (N. cutaneus antebrachii) als Transplantat entnommen und zwischen die Nervenenden gesetzt (interponiert).
Nach einer Nervennaht sollte das betroffene Glied etwa
3 Wochen ruhiggestellt werden.
9
9
268
Kapitel 9 · Handchirurgie
9.4.3
Gefäßverletzungen
Die Blutversorgung der Hand erfolgt über zwei Arterien: die
A. radialis (= Speichenschlagader) und die A. ulnaris (= El
lenschlagader), die vielfältige Verbindungen zueinander eingehen und den tiefen und oberflächlichen Hohlhandbogen
(Arcus palmaris profundus bzw. Arcus palmaris superficialis)
bilden. Durch diese Verbindungen (Anastomosen) kann in
vielen Fällen bei einer Arterienverletzung eine kritische
Durchblutung (Ischämie) vermieden werden.
Die Ursachen von Gefäßverletzungen können Schnitt-,
Stich- oder Bissverletzungen sein, aber auch durch eine Fraktur kann ein Blutgefäß mitverletzt werden.
Bei der klinischen Untersuchung weist eine starke Blutung
nicht immer auf eine arterielle Verletzung hin. Aber starke,
arterielle Blutungen, die nicht zu komprimieren sind, erlauben den Verdacht auf Teildurchtrennung einer größeren Arterie.
Eine blasse Hand und/oder Finger mit gemindertem Turgor (Zelldruck) und verzögertem Kapillarreflux weisen auf
eine Durchtrennung beider Arterien (A. radialis und A. ulnaris) hin. Eine sofortige Notfalloperation ist hier nötig. Wird
eine Arterie nicht genäht, kann es zu Mangeldurchblutung,
Kälteintoleranz und selten auch zu Aneurysmen und arteriovenösen Fisteln kommen.
Bei Gefäßverletzungen im Handgelenkbereich ist die
Wiederherstellung des Blutflusses angezeigt, die A. ulnaris
muss immer rekonstruiert werden, notfalls unter Zuhilfe
nahme von Veneninterponaten (7 Abschn. 10.1).
Der Lumendurchmesser der Handgelenkarterien beträgt
2–4 mm, deshalb ist ein Mikroskop zur Versorgung nicht unbedingt erforderlich, eine Lupenbrille jedoch von Vorteil.
Nach der Gefäßnaht mit monofilem Nahtmaterial (8-0 oder
10-0) muss die Anastomose spannungsfrei sein. Eine Ruhigstellung ist für 10 Tage notwendig.
9.4.4
Frakturen
Auch an der Hand werden offene Frakturen von geschlosse
nen Frakturen unterschieden (7 Kap. 8). Zum Nachweis von
Frakturen an den Fingern oder der Hand ist eine exakte Röntgentechnik in mindestens 2 Ebenen erforderlich.
>>Frakturen sollten schnellstmöglich, bevor eine stärkere
Schwellung auftritt, versorgt werden. Liegt jedoch
bereits eine starke Schwellung vor, so muss die Hand
bis zum Abschwellen auf einer Schiene ruhiggestellt
werden, um dann nach Rückgang der Schwellung ope
rativ versorgt zu werden.
Liegt jedoch bereits eine starke Schwellung vor, so muss die
Hand bis zum Abschwellen auf einer Schiene ruhiggestellt
werden, um dann nach Rückgang der Schwellung operativ
versorgt zu werden.
Nicht verschobene, geschlossene Frakturen können konservativ, durch Ruhigstellung mittels einer Schiene, therapiert
werden.
Frakturen der Fingerglieder führen zu erheblichen Funktionsstörungen und lang andauernden Beschwerden. Hin
weise auf eine Fraktur können Schwellungen, Bewegungseinschränkungen, Achsfehlstellung und Rotationsfehlstellung
sein.
Es gilt der Grundsatz, dass eine lange Ruhigstellung eines
Gelenks zu dauernden Bewegungseinschränkungen führen
kann und daher vermieden werden soll.
Offene Frakturen müssen sofort operiert werden, damit
keine Infektionen über das Weichteiltrauma eindringen können.
Die operative Therapie wird auch gewählt, wenn eine
Fraktur instabil ist oder ein Gelenk mitbeteiligt ist. Eine Dislokation (Verschiebung) der Fragmente muss unbedingt
durch eine Reposition behoben werden.
Fingerfrakturen werden unterschieden nach Lokalisa
tion, Frakturtyp und begleitender Weichteilverletzung. Wir
sprechen von Schaft- oder Querfraktur, Schräg- oder Tor
sionsfraktur sowie von einer Mehrfragmentfraktur, wenn
mehrere Anteile der Fingerknochen gebrochen sind.
Je nach Befund wird eine geschlossene Reposition durchgeführt werden, deren Ergebnis mit einem Kirschner-Draht
fixiert wird, sodass die einzelnen Fragmente wieder in einer
anatomischen Position liegen und so verheilen können.
Wird die Reposition offen, also über einen Hautschnitt
und unter Freilegung der Fraktur durchgeführt, wird das Repositionsergebnis mit Miniplatten aus Titan fixiert oder nur
mittels 1–3 Schrauben fixiert. Titan hat den Vorteil, dass die
Implantate im Körper verbleiben können.
Mittelhandfrakturen (Metacarpalefraktur)
Die Fraktur eines Mittelhandköpfchens entsteht oftmals
durch einen Schlag wie beim Boxen. Unbehandelt können
solche Frakturen zu Fehlstellungen und zu Einschränkungen
der Handfunktionen wie Greifen und Faustschluss führen.
Diagnostiziert wird diese Fraktur ebenfalls durch das Röntgen, hier jedoch in 3 Ebenen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Brüche der Basis des ersten Mittelhandknochens. Zur Erhaltung einer
schmerzfreien Beweglichkeit des Daumensattelgelenks (Os
trapezium) wird eine Versorgung mit Titanminiplatten,
Kirschner-Drähten oder Schrauben durchgeführt. Eine Stufenbildung muss bei der Reposition unbedingt vermieden
werden, da eine verbleibende Stufe zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) führt. Um die wichtige Daumenopposition zu erhalten bzw. wieder herzustellen, muss das Gelenk anatomisch korrekt reponiert werden.
Eine subkapitale Mittelhandfraktur (unterhalb des
Kopfs) kann konservativ mit einer dorsalen Gipsschiene versorgt werden, wenn keine palmare (zur Handfläche hin)
Kippung bis 50° vorliegt. Eine volle Belastung ist nach etwa
4 Wochen möglich. Alternativ gibt es die intramedulläre
K-Draht-Versorgung. Hierbei werden 1 oder 2 dicke (1,5 mm)
Kirschner-Drähte in den Griff eines Handbohrers eingespannt und in den Knochen eingebracht.
Die operative Methode bei einer stärkeren Kippung von
mehr als 50° oder einer gleichzeitigen Fraktur des Köpfchens
269
9.4 · Verletzungen
besteht in der Versorgung mit einer Titanminiplatte. Postoperativ besteht immer die Gefahr einer Gelenkeinsteifung und
einer Sehnenverklebung.
Spiralbrüche der Mittelhandknochen im Schaftbereich
werden mit Kleinfragmentschrauben (7 Kap. 8) versorgt.
Ein Schrägbruch im Mittelhandknochen kann mit einer
Miniplatte übungsstabil versorgt werden.
Bei Trümmerbrüchen im Mittelhandbereich gibt es den
gelenküberbrückenden Mini-Fixateur-externe.
Eine Kahnbeinfraktur (Os scaphoideum) ist eine häufige
Fraktur im Bereich der Handwurzel. Das Kahnbein liegt daumenseitig in der ersten Handwurzelreihe und besitzt eine besondere Durchblutung, die von distal (handgelenkfern) nach
proximal (handgelenknah) verläuft. Daher kann die Durchblutung des handgelenknahen Fragments kritisch sein. Typische Unfallursache ist ein Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk. Dabei wird das Kahnbein zwischen der Speiche und
der zweiten Handwurzelreihe eingequetscht und zerbricht.
Wegen seiner schrägen Lage in der Handwurzel und seiner
Bohnenform wirken bei einem Sturz auf die Hand ungewöhnlich hohe Kräfte.
Die Einteilung der Kahnbeinfraktur richtet sich an der
Position der Fraktur am Knochen aus:
44Bruch des distalen Anteils,
44Bruch des mittleren Anteils,
44Bruch des proximalen Anteils,
44Schrägbruch,
44Transversalbruch,
44Transversal-quer-Bruch.
Auch hier gibt ein Röntgenbild, MRT oder ein CT Aufschluss
über die Fraktur.
Die konservative Behandlung besteht darin, einen Gips
mit Daumeneinschluss für ca. 6 Wochen anzulegen. Dabei
besteht die Gefahr der Entwicklung einer Pseudarthrose
(degenerative Knochenveränderung). Muss die Fraktur operativ versorgt werden, kommen «Doppelgewindeschrauben»
(. Abb. 9.5) aus Titan zum Einsatz.
Die Kirschner-Drähte als Führung mit einem Durchmesser von 0,8 mm und 1,1 mm sind 100 mm lang. Die Schrauben gibt es mit kurzem und mit langem Gewinde in verschiedenen Längen.
Bei einem handgelenknahen Bruch der Speiche sprechen
wir von einer Radiusfraktur. Diese distale Handgelenkfraktur
entsteht in der Regel traumatisch durch Sturz auf das überstreckte Handgelenk. Meist ist das gesamte Handgelenk
druckempfindlich und es kommt nach kurzer Zeit zu einer
Schwellung, eine Bewegung ist nur noch unter Schmerzen
möglich. Das Gefühl im Bereich der Finger kann verändert
sein, es kribbelt oder fühlt sich pelzig an, was auf eine Beteiligung der Nerven zurückzuführen ist. Die Diagnostik besteht
aus der klinischen Untersuchung sowie aus Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen. Bei Bedarf wird eine Computertomographie durchgeführt.
Die Klassifikation der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese (AO) hat sich durchgesetzt:
44A-Fraktur: Radiusfraktur ohne Handgelenkbeteiligung,
44B-Fraktur: Radiusfraktur mit teilweiser Handgelenk
beteiligung,
44C-Fraktur: Radiusfraktur mit Handgelenkbeteiligung
(artikulär).
Bei der Frakturversorgung muss die Reposition die richtige
Achse, die richtige Länge und die korrekte Ausrichtung der
Gelenkwinkel beachten, damit das Operationsergebnis zufriedenstellend wird.
Eine der häufigsten Komplikationen der konservativen
Behandlung einer distalen Radiusfraktur ist die Ausheilung
in Fehlstellung mit den daraus resultierenden Problemen.
Es kann trotz Gipsverband zum erneuten Abkippen einer
Fraktur kommen. Deshalb müssen regelmäßig Röntgen
kontrollen durchgeführt werden, um erste Anzeichen einer
Pseudarthrose zu erkennen. Wenn das der Fall ist, wird auf
eine operative Therapie ausgewichen. Nach Ausräumung des
pseudarthrotischen Defekts wird dieser mit Spongiosa aus
dem Beckenkamm aufgefüllt.
Arthrose ist eine Verschleißerkrankung eines Gelenks, die
sehr schmerzhaft sein kann und meist in der zweiten Lebenshälfte auftritt. An der Hand ist die Sattelgelenkarthrose die
häufigste Arthrose. Schmerzen treten auf bei Drehbewegungen (z. B. einen Deckel aufschrauben), es kommt nur zu geringen Bewegungseinschränkungen, jedoch zu Kraftverlust
besonders beim Spitz- und Dreipunktegriff. Das Röntgenbild
zeigt dann eine Verschmälerung bis zur Zerstörung des Gelenkspalts.
Eine Resektionsarthroplastik des Trapeziums mit Stabilisierung des Mittelhandknochens durch einen Streifen der M.flexor-carpi-radialis-Sehne (FCR-Plastik) ist die Operation
der Wahl.
9.4.5
..Abb. 9.5 Kanülierte Kompressionsschrauben mit Doppelgewinde.
(Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Medartis)
Amputationsverletzung
Die glatte Abtrennung eines Glieds geschieht z. B. durch eine
Axt oder eine Schneidemaschine. Hier sind die Nerven und
9
270
9
Kapitel 9 · Handchirurgie
Gefäße nicht durch einen Abriss in die Länge gezogen und
eine operative Adaptation der Stümpfe kann möglich sein, bei
Bedarf muss ein Stück des Unterarm- oder Unterschenkelnervs zwischengeschaltet werden (Interponat). Das Gleiche
gilt für Gefäße.
Von relativ glatter Abtrennung sprechen wir bei Sägeverletzungen.
Schwere Amputationsverletzungen entstehen durch
Quetschungen, Ausriss durch Haltestricke oder durch Walzen. Die totale Amputation ist eine komplette Abtrennung
aller Strukturen. Ggf. kann eine Replantation erfolgen. Ist das
nicht möglich, muss ein spannungsfreier Stumpf gebildet
werden.
Bringt der Patient das abgetrennte Glied mit, sollte es
in einem Beutel liegen und durch einen weiteren Beutel mit
Eis gekühlt werden. Direkter Eiskontakt sollte vermieden
werden.
Das Therapieziel ist eine funktionelle Wiederherstellung
des abgetrennten Glieds mit Längenerhalt, Erhaltung der
Sensibilität und möglichst rascher Rehabilitation.
Als absolute OP-Indikation für eine Replantation gilt die
glatte Abtrennung des Daumens.
9.4.6
Thermische Verletzungen
Verbrennungen entstehen durch Flammen, Explosionen,
flüssiges Metall, Teer, heiße Geräte oder Maschinen. Verbrühungen entstehen durch kochendes Wasser oder andere Flüssigkeiten.
Verletzungen durch elektrischen Strom entstehen durch
lokale Hitzewirkung sowie durch den Stromfluss im Gewebe.
Die Tiefe der Verbrennung ist abhängig von der Temperatur
und Einwirkdauer.
Die Einteilung der Verbrennungsgrade erfolgt entsprechend der Eindringtiefe und der Schädigung der Haut:
44Grad 1: Hautrötung, Schwellung (Ödem) schmerzhaft
bei Berührung,
44Grad 2: Blasenbildung, schmerzhafter, feuchter durchbluteter Wundgrund, Verheilung ohne Narbenbildung,
44Grad 3: grauweiße oder tiefrote trockene, lederartige
Wunde, starke Schmerzen und Narbenbildung,
44Grad 4: meist durch Starkstrom oder offenes Feuer
verursachte Zerstörung bis in das Fettgewebe und die
Muskulatur. Nerven und Sehnen können beteiligt sein.
Die Wunde hat eine völlig verkohlte Oberfläche.
Explosionsverletzungen verursachen schwere Hautdefekte
der Hohlhand und des Handrückens, mit Beteiligung von
Sehnen und Gefäßen. Die Sehnen- und Gefäßverletzungen
müssen versorgt werden und der Hautdefekt kann oft nur
durch Deckung von Spalthaut oder Vollhaut sowie evtl. einer
Verschiebeplastik der Haut gedeckt werden. Bei Bedarf kann
mit Kunsthaut eine vorübergehende Deckung erfolgen.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap.
No comments:
Post a Comment
اكتب تعليق حول الموضوع