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coinad

4/6/26

 zweckentsprechend eingesetzt werden. Die Anforderungen an moderne

OP-Abdeckungen sind von der Operationsdauer, der Menge

der anfallenden Flüssigkeiten und der mechanischen Beanspruchung abhängig. Diese Anforderungen sind in der

europäischen Norm EN 13795 festgeschrieben. Als Anwender müssen wir uns davon überzeugen, dass die Materialien

steril sind und korrekt angewendet werden.

Folgende Kriterien müssen Einwegprodukte und wiederaufbereitete OP-Materialien erfüllen, um den Anforderungen

Rechnung zu tragen:

44Sie müssen eine mikrobielle Undurchlässigkeit gewährleisten, sowie flüssigkeitsundurchlässig sein, um Keimen

keine Durchlässigkeit zu bieten und Verbrennungen zu

vermeiden.

44Sie müssen antistatisch sein, um Störungen durch elek­

trische Felder in operativen und diagnostischen Geräten

zu vermeiden.

44Eine ungehinderte Thermoregulation verhindert ein

Auskühlen des Patienten.

44Die Druck-, Reiß- und Zugfestigkeit bekräftigt die vorangehenden Forderungen.

44Bei der Benutzung dürfen die Materialien keine Partikel

abgeben.

44Die Benutzung muss wirtschaftlich vertretbar sein, z. B.

erleichtern OP-Sets, die standardisiert und operationsspezifisch mit funktionell gefalteten Tüchern in der Reihenfolge ihrer Anwendung gepackt sind, die Anwendung

und sparen Zeit (sog. Kitpacks).

44Eine effiziente Ver- und Entsorgung muss gewähr­leis­tet

sein. Bei der Entsorgung muss die Umweltver­träglichkeit

berücksichtigt werden.

Einwegabdeckungen sind Vliesmaterialien, die aus Holzpul-


pe bestehen. Sie sind wasserdicht, atmungsaktiv, reißfest und

fusselfrei in ihrer Anwendung. Die Entsorgung erfolgt über

den Krankenhausmüll in die Verbrennungsanlage.

Mehrwegabdeckungen wurden mit dem Ziel einer ausreichenden Keimbarriere entwickelt. Dabei werden Misch­

gewebe aus Polyester und Baumwolle bei jeder Aufbe­

reitung mit Fluorkarbonharz imprägniert. Dies macht das

Material wasserabweisend und bildet so eine Keimbarriere.

Das Baumwollmischgewebe hat ein Gewicht von 210–

240 g/m2. Zum anderen gibt es Mikrofasergewebe, das

aus 99% Polyester und 1% Karbonfaser mit einem Gewicht

von 100–140 g/m2 besteht. Das Material ist feinporig, sodass

eine optimale Keimbarriere gewährleistet ist. Es ist saug­

fähig, wasserfest und trotz Luftundurchlässigkeit thermo­

regulativ.

Als weiteres Material werden Trilaminate eingesetzt. Sie

bestehen aus drei Schichten, zwischen der Ober- und Unterschicht aus Polyester befindet sich eine mikroporöse Mem­

bran als Mittelschicht. Diese Membran ermöglicht die Bar­

rierewirkung.


109

4.13 · Nahtmaterialkunde


Mehrwegabdeckungen werden häufig über Leasingfirmen geliefert und aufbereitet.

Ökologische Aspekte müssen bei der Entsorgung manchmal vernachlässigt werden, da immer der Schutz des Patienten Vorrang hat, allerdings dürfen die Materialien bei der

Verbrennung keinerlei schädliche Stoffe und Gifte freisetzen.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 4.12


55 Welche Drainagesysteme kennen Sie?

55 Aus welchem Material kann eine Drainage in der

­Chirurgie bestehen und aus welchen Gründen

­entscheidet sich der Chirurg für ein bestimmtes

­Material?

55 Welche Anforderungen müssen wir an das Abdeckmaterial stellen?


4.13


Nahtmaterialkunde


Martina Stegers

Lernziele

55 Die Auszubildenden haben Kenntnisse zu den verschiedenen Nahtmaterialien, ihren Einsatzbereichen und Verwendungsmöglichkeiten.

55 Sie können anhand der Fadenstruktur und ihres Resorptionsverhaltens Kriterien der Anwendungsmöglichkeiten

ableiten und somit situationsgerecht auswählen.

55 Die Auszubildenden kennen die unterschiedlichen chi­

rurgischen Nadeln und können geeignete Nadeln bzw.

Nadel-Faden-Kombinationen indikationsgerecht auswählen und situationsgerecht anreichen.

55 Die unterschiedlichen Nahttechniken, ihre Einsatzgebiete

und Funktionen sind bekannt und Nahtmaterialien

­können indikationsgerecht ausgewählt werden.

55 Die Auszubildenden kennen die unterschiedlichen

­Klammernahtgeräte, ihren Aufbau und ihre Funktionen

und können geeignete Klammernahtgeräte indikationsgerecht auswählen und situationsgerecht anreichen.


Chirurgische Nahtmaterialien müssen vielfältigen Anforderungen gerecht werden, um zum Erfolg eines chirurgischen

Eingriffs beizutragen. Wichtige Kriterien, die an das Nahtmaterial gestellt werden, sind in der Übersicht zusammengefasst.

Anforderungen an chirurgisches Nahmtmaterial

55 Sterilität

55 Gewebeverträglichkeit (auch z. B. keine Aufnahme

von Flüssigkeiten oder Mirkroorganismen im Gewebe

– sog. Kapillarität)

55 Oberflächenbeschaffenheit

55 gute Handhabung (z.B. in Bezug auf das Knüpfver­

halten)

55 sicherer und damit fester Knotensitz

55 ausreichende Festigkeit während der Wundheilung

55 Preis (Nahtmaterial sollte kostengünstig sein)


Um den gezielten Einsatz von Nähten bei jeder Art der

Wundversorgung zu ermöglichen, erfordert sowohl die unsterile als auch die sterile Assistenz im OP genaue Kenntnisse

über die Beschaffenheit des verwendeten Nahtmaterials.

Chirurgische Fadenmaterialien lassen sich nach der Materialherkunft, der Resorbierbarkeit und dem Fadenaufbau

einteilen.

4.13.1


Chirurgische Fäden


Materialherkunft

Man kann Nahtmaterialien nach organischer und synthetischer Herkunft unterscheiden (. Tab. 4.4). Organischen Ursprungs sind tierische (z. B. Seide), pflanzliche (z. B. Zwirn)

oder mineralische (z. B. Stahl) Materialien. Daneben kann

Nahtmaterial auch durch die chemische Verbindung (Synthetisierung) verschiedener Polymere (Makromoleküle) hergestellt werden. Synthetische Fasern verursachen eine geringere

Gewebereaktion als natürliche Fasern und ihre Wirkung im

Gewebe ist gut einschätzbar.

Einige Beispiele für synthetisches Nahtmaterial:

Polyglykolsäure gibt es als geflochtene und beschichtete

Fäden. Diese sind weich und geschmeidig, führen zu einem

nur geringen Gewebetrauma und weisen einen guten Knotensitz auf. Sie eignen sich für Muskelnähte, Fasziennähte und

den Subkutanverschluss.

Monofile (aus einem einzigen Faden bestehend) Fäden

aus Polydioxanon zeigen eine ausgezeichnete Reißfestigkeit,

atraumatische Gewebepassage und eine gute Gewebeverträglichkeit. Sie eignen sich für den Abdominalfaszienverschluss,

für Anastomosen und den Einsatz in der Orthopädie.

Polyglactinfäden sind geflochten und beschichtet. Sie

gleiten durch ihre Beschichtung leicht durch das Gewebe,

weisen eine gute Gewebeverträglichkeit und einen sicheren

Knotensitz auf. Anwendung finden sie in der Allgemein­

chirurgie und Mikrochirurgie, als Ligaturen und als Wundverschluss von weichem Gewebe.

Poliglecarpron wird als monofiler Faden mit sehr gutem

und sicherem Knotensitz und leichter Gewebedurchgängigkeit angeboten. Zu den Einsatzgebieten zählen der Hautverschluss, die Anastomosenanlage im Magen-Darm-Bereich

und die Verwendung als Ligatur.

Polyamid ist das älteste synthetische Fadenmaterial. Polyamidfäden werden geflochten, gezwirnt, monofil und pseudomonofil (geflochtener, ummantelter Faden) angeboten. Sie

weisen eine hohe Reißfestigkeit, Geschmeidigkeit, einen guten Knotensitz und eine gute Gewebeverträglichkeit auf. Sie

werden für Hautnähte verwendet.

Polyesterfäden werden geflochten, beschichtet oder monofil hergestellt. Die Eigenschaften von Nahtmaterial aus Polyester sind denen aus Polyamid sehr ähnlich, die Knotensicherheit ist jedoch besser. Sie werden für Haut- und Gefäßnähte eingesetzt.

Nahtmaterial aus Polypropylen gibt es in monofiler

Struktur. Es zeichnet sich durch hohe Reißfestigkeit, mini­

male Gewebereaktion und sehr gute Gleitfähigkeit aus. Ver-


4


110


Kapitel 4 · Springertätigkeit


..Tab. 4.4


Herkunft von Nahtmaterialien mit Beispielen unterschiedlicher Hersteller


Herkunft


Resorbierbarkeit


Grundstoff


Organisch


resorbierbar


tierisch


nichtresorbierbar


4

Synthetisch


resorbierbar


nichtresorbierbar


Beispiel

Kollagen


z. B. Rindersehnen


pflanzlich


Flachs


Zwirn


tierisch


Kokon der Raupen


Perma-Hand Seide

Silkam


Mineralisch


Edelstahl


Stahldraht

Steelex


Polyglykolsäure


Safil

Marlin


Polydioxanon


PDS


Polyglactin


Vicryl


Poliglecarpron etc.


Monocryl


Polyamid


Ethilon

Dafilon


Polyester


Ethibond

Premicron


Polypropylen etc.


Prolene

Premilene

Mariderm


wendet werden Fäden aus Polypropylen in der Kardiochirurgie und für Hautnähte.


Resorbierbarkeit

Nahtmaterialien haben die Aufgabe, das Gewebe während der

Heilung zusammen zu halten (adaptieren), um eine ungestörte Wundheilung zu gewährleisten.

Es gibt resorbierbare und nichtresorbierbare ­Materialien

(. Abb. 4.11, . Abb. 4.12). Unter der Resorbierbarkeit von

Nahtmaterialien versteht man eine erwünschte und gerichtete

Auflösbarkeit der Fäden im Gewebe. Sie werden verwendet für

Gewebeadaptationen, deren Unterstützung zeitlich begrenzt

werden soll. Resorbierbare Materialien verlieren während des

Heilungsprozesses zunehmend ihre Reißkraft und Zugfestigkeit. Vom Körper werden sie sehr gut toleriert und anschließend durch Hydrolyse (d. h. Spaltung durch Wasser) abgebaut.

Nichtresorbierbare Nähte bleiben im Körpergewebe nahezu unverändert. Sie können vom Gewebe abgekapselt werden – wobei auch manche nichtresorbierbaren Fäden (wie

z. B. Seide, Polyamide) über einen längeren Zeitraum hinweg

im Gewebe zerfallen können.

Nichtresorbierbares Nahtmaterial wird dort eingesetzt,

wo eine dauerhafte bzw. längere Unterstützung der Gewebefestigkeit gefordert ist. Diese Fäden verbleiben dann im Gewebe oder müssen entfernt werden.

Als weiteres Unterscheidungsmerkmal der resorbierbaren

Nahtmaterialien hat sich die sog. Halbwertszeit etabliert. Die

Halbwertzeit ist die Zeitspanne, in der sich die Reißkraft eines

Fadens auf die Hälfte ihres ursprünglichen Werts reduziert.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auflösezeit. Damit wird die Zeit bis zur völligen makroskopischen Auflösung

des Fadens im Gewebe bezeichnet.


Halbwert- und Auflösezeit werden von verschiedenen

Faktoren beeinflusst, wie

44Fadenstärke,

44Gewebeart,

44Infektionsstatus der Wunde und

44Allgemeinzustand des Patienten.


Fadenaufbau

Monofile Fäden bestehen aus einem Fadenfilament (. Abb.

4.13a) – also aus einem Faserstück – und haben eine glatte


Oberfläche. Sie zeichnen sich durch einen hervorragenden

Gewebedurchzug aus. Die glatte Oberfläche und die Steifigkeit verschlechtern allerdings den Knotensitz, was durch eine

höhere Knotenzahl ausgeglichen werden muss. Monofile Fäden sind relativ empfindlich gegenüber externen Beschädigungen, wie z. B. das Greifen des Fadens mit Instrumenten.

Die glatte, geschlossene Oberfläche sowie der völlig geschlossene Innenraum verhindern bei monofilen Fäden jegliche

Kapillarität (ein Eindringen von Keimen und Flüssigkeit in

das Material wird so minimiert). Monofile Fäden weisen eine

erheblich geringere Reißfestigkeit als geflochtenes Nahtmaterial auf.

Polyfile (multifile) Fäden (. Abb. 4.13b) setzen sich aus

mehreren Einzelfilamenten (Fasern) zusammen, die entweder miteinander verdreht, verzwirnt oder in Faserbündeln

geflochten sein können.

44Beim Zwirnen werden mehrere einzelne Fäden zusammengedreht.

44Werden mehrere einzelne Fäden gedreht und anschließend eine Hülle aus dem gleichen Material geflochten,

nennt man dies Flechten.


..Abb. 4.11


0


monofil


monofil


10


geflochten


geflochten


monofil


monofil


geflochten


Fadenaufbau


20


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


gefärbt und

ungefärbt


Farben


30


USP 7-0 bis 2

metric 0,5 bis 5


USP 7-0 bis 2

metric 0,5 bis 5


USP 5-0 bis 2

metric 1 bis 5


USP 10-0 bis 6

metric 0,2 bis 8


USP 6-0 bis 0

metric 0,7 bis 3,5


USP 6-0 bis 1

metric 0,7 bis 4


USP 8-0 bis 1

metric 0,4 bis 4


Stärken


Übersicht über resorbierbares Nahtmaterial. (Adaptiert nach Fa. Ethicon, Norderstedt)


Reißkraftabfall in Tagen


Antibacterial

(Polydioxanone)

Suture


Plus


PDS*


(Polydioxanone)


PDS™ ll


Antibacterial

(Polyglactin 910)

Suture


Plus


VICRYL*


(Polyglactin 910)


VICRYL™


Antibacterial

(Polyglecaprone 25)

Suture


Plus


MONOCRYL*


(Polyglecaprone 25)


MONOCRYL™


(Polyglactin 910)


VICRYL™ rapide


Nahtmaterialbezeichnung


ETHICON Nahtmaterial – resorbierbar


40


60 % 42 Tage

0 % 70 Tage


60 % 42 Tage

0 % 70 Tage


50 % 21 Tage

0 % 35 Tage


50 % 21 Tage

0 % 35 Tage


50


ungefärbt

50 % 7 Tage, 0 % 21 Tage

gefärbt (violett)

60 % 7 Tage, 0 % 28 Tage


ungefärbt

50 % 7 Tage, 0 % 21 Tage

gefärbt

60 % 7 Tage, 0 % 28 Tage


50 % 5 Tage

0 % 12 Tage


verbleibende Reißfestigkeit *


60


180 – 240 Tage


180 – 240 Tage


56 – 70 Tage


56 – 70 Tage


90 – 120 Tage


90 – 120 Tage


42 Tage


70


Adaption von Weichgewebe

Magen und Darm

Gefäßanastomosen

Ophthalmologie

Bänder und Sehnen

Kapseln und Faszie

Langsam heilende Wunden


Allgemeiner Wundverschluss

Adaption von Weichgewebe

und Ligatur

Magen und Darm

Uterus


Hautverschluss

Adaption von Weichgewebe

und Ligatur

Magen und Darm

Uterus und vaginale Schleimhaut

Harnblase und Ureter


Hautverschluss

Adaption von Weichgewebe

Episiotomie

Zirkumzision

Mucosanähte in der MKG

Schnell heilende Wunden


Indikationsempfehlungen*


*Genaue Daten bzgl. der Indikationen

und der verbleibenden Reißkraft finden

Sie in der Gebrauchsanweisung


Materialresorption ca.*


4.13 · Nahtmaterialkunde

111


4


..Abb. 4.12


monofil


geflochten

(ab 8-0

auch gedreht)


geflochten


natur


weiß, blau,

schwarz


weiß, grün


weiß, blau,

schwarz


weiß, grün


blau,

ungefärbt


Farben


USP 4-0 bis 7

metric 1,5 bis 9


USP 8-0 bis 5

metric 0,4 bis 7


USP 6-0 bis 5

metric 0,7 bis 7


USP 11-0 bis 0

metric 0,1 bis 3,5


USP 6-0 bis 6

metric 0,7 bis 8


USP 10-0 bis 1

metric 0,2 bis 4


Stärken


Übersicht über nichtresorbierbares Nahtmaterial. (Adaptiert nach Fa. Ethicon, Norderstedt)


STAHLDRAHT


PERMA HAND™ Seide


(Polyester)


monofil


geflochten


monofil


Fadenaufbau


Thoraxchirurgie (z.B. Cerclagen von Sternotomien)

Orthopädie

Handchirurgie


Adaption von Weichgewebe und Ligatur

Zahn-, Mund-, Kieferchirurgie

Ophthalmologie

Neurochirurgie

Kardiovaskular Chirurgie


Adaption von Weichgewebe und Ligatur

Neurochirurgie

Ophthalmologie

Oralchirurgie

Kardiovaskular Chirurgie

Orthopädie (z.B. Fixierungvon Weichgewebe an knöchernen Strukturen)


Adaption von Weichgewebe und Ligatur

Neurochirurgie

Ophthalmologie

Kardiovaskular Chirurgie

Mikrochirurgie


Adaption von Weichgewebe und Ligatur

Neurochirurgie

Ophthalmologie

Kardiovaskular Chirurgie


Adaption von Weichgewebe und Ligatur

Neurochirurgie

Ophthalmologie

Kardiovaskular Chirurgie

Hautverschluss


Indikationsempfehlungen


4


MERSILENE™


(Polyamid)


ETHILON™


(Polyester beschichtet)


ETHIBOND™ excel


(Polyprophylen)


PROLENE™


Nahtmaterialbezeichnung


ETHICON Nahtmaterial – nicht resorbierbar


112

Kapitel 4 · Springertätigkeit


113

4.13 · Nahtmaterialkunde


Gewebeverträglichkeit

Monofil


Polyfil


a


b


..Abb. 4.13a, b Fadenaufbau. a monofiler Faden, b polyfiler Faden.

(Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Ethicon, Norderstedt)


Polyfile Fäden zeichnen sich durch eine höhere Flexibilität

aus und führen so zu einem sichereren Knotensitz. Von Nachteil ist jedoch ihre Kapillarität oder Dochtwirkung. Durch

seine raue Oberfläche gleitet der Faden nur schlecht durch

das Gewebe.

Um den Gewebedurchzug zu verbessern, sind manche

geflochtenen Fäden beschichtet (pseudomonofil). Hierbei

wird das Fadeninnere (die sog. Fadenseele) mit einem Überzug versehen, der dem Faden eine glatte Oberfläche verleiht.

Polyfile Fäden können aber auch mit speziellen Beschichtungen behandelt werden, um ihre mechanischen Eigenschaften zu verbessern. Dabei werden Zwischenräume in den Faserbündeln ausgeglichen und die Oberflächenreibung reduziert.


Fadenstärke

Reißkraft und Knüpfeigenschaften eines chirurgischen Fadens

werden neben dem Ausgangsmaterial und dem Fadenaufbau

wesentlich durch die Fadenstärke bestimmt. Die Stärkeneinteilung für chirurgisches Nahtmaterial ist in Deutschland für

alle Hersteller verbindlich geregelt und im europäischen Arzneibuch definiert. Gebräuchlich sind folgende zwei Stärken­

bezeichnungen:

44USP: Diese Einteilung der United States Pharmacopeia

(USP) ist willkürlich gewählt worden, somit besteht kein

offensichtlicher Zusammenhang zwischen Nummerierung und Fadendurchmesser.

44Metric: Bei der Stärkenbezeichnung der Europäischen

Pharmakopöe (EP) wurde das Dezimalsystem zugrunde

gelegt. Die Durchmesserbezeichnung ist metrisch und

gibt die Fadenstärke in 1/10 mm wieder (z. B.: metric

1 = 1/10 mm = 0,1 mm Fadendurchmesser).


Jedes Einbringen von Nahtmaterial löst im Körper eine ge­

wisse Gewebereaktion aus. Die Ursachen können folgende

sein:

44Traumatisierung des Gewebes beim Legen der Naht,

44mechanischer Reiz bedingt durch die Fadenoberfläche

(kann durch die Verwendung monofiler oder beschichteter Fäden verringert werden),

44Fremdkörperreaktion auf den verwendeten Faden

­(möglichst dünne Fäden verwenden),

44durch Strangulation bedingte lokale Durchblutungs­

störungen.

4.13.2


Chirurgische Nadeln


Neben dem Faden stellt die Nadel einen wichtigen Bestandteil des Nahtmaterials dar. Die Funktion einer chirurgischen

Nadel besteht darin, das Nahtmaterial durch das Gewebe mit

einem Minimum an Verletzungen zu führen. Somit sollten

die Eigenschaften einer Nadel optimal auf die jeweilige Indikation und Gewebesituation abgestimmt sein.

Zum Nähen und Umstechen von Wunden wird meist

­atraumatisches Nahtmaterial verwendet. Dabei handelt es

sich um Nadel-Faden-Kombinationen, bei denen der Faden

mit der Nadel fest verbunden («armiert») ist.

Eine Nadel kann sich an einem (einfache Armierung) oder

auch an beiden Enden (doppelte Armierung, z. B. für zirkuläre

Nähte) des Fadens befinden. Außerdem gibt es Fäden, bei denen sich die Nadel durch leichten Zug vom Faden lösen lässt

(sog. Abziehfäden). Ein Abschneiden der Nadel vom Faden

mit einer Schere ist in diesem Fall nicht notwendig.

Neben den vorgefertigten Nadel-Faden-Kombinationen

gibt es Nadeln, bei denen der Faden vor der Verwendung in

eine Öhrnadel (. Abb. 4.14) eingespannt wird.


Die Hersteller geben auf ihren Verpackungen sowohl die EPals auch die USP-Sortierung an, in der Praxis wird aber überwiegend die USP-Bezeichnung angewendet.


Fadenreißkraft

Unter der Reißkraft eines Fadens versteht man die in Newton

(N) angegebene Kraft, die erforderlich ist, einen Faden im

Knoten zu zerreißen. Es bestehen Richtwerte, wann ein Faden

reißen darf.


a


b


..Abb. 4.14a, b Nadelöhr. a Fädelöhr, b Federöhr. Aus: Liehn M,

­Steinmüller L, Döhler JR (2016) OP-Handbuch, 6 Aufl. Springer, Berlin

Heidelberg New York (mit freundlicher Genehmigung der Fa. Ethicon,

Norder­stedt)


4


114


Kapitel 4 · Springertätigkeit


Öhrnadeln werden unterschieden in:

j

jFädelöhrnadeln


5/8 Kreis


Diese Nadeln haben ein geschlossenes Öhr und ähneln dadurch herkömmlichen Nähnadeln. Hier ist ein genaues Einfädeln erforderlich.


4


j

jFederöhrnadeln


Diese Nadeln haben ein offenes Öhr (sog. Schnappöhr), dadurch springt der Faden durch ausgeübten leichten Druck

von selbst in das Öhr. Allerdings wird der Faden häufig am

Öhr beschädigt.

Die Anwendung von Öhrnadeln unterliegt sorgfältigen

Indikationen, da durch den dann doppelt liegenden Faden im

Gewebe ein größeres Gewebetrauma als bei den Nadel-Faden-Kombinationen entsteht.


Nadelspitze


1/2 Kreis


3/8 Kreis


Sehne


1/4 Kreis


Armierzone


Nadelradius

B o g e nlä n g e


Nadeldurchmesser

Nadelkörper


..Abb. 4.15 Aufbau einer Nadel. (Mit freundlicher Genehmigung der

Fa. Ethicon, Norderstedt)


Nadelgeometrie

Jede chirurgische Nadel besteht aus folgenden grundlegenden

Komponenten:

44Nadelspitze,

44Nadelkörper,

44Armierzone.

Die Nadelspitze wird abhängig vom Gewebe und dessen Widerstand ausgewählt. Unterschieden werden u. a. schneidende Nadeln mit einem dreieckigen Querschnitt für widerstandsfähige Gewebe (z. B. für die Hautnaht) von Rundkörpernadeln mit schlanken und runden Spitzen mit einem

kleinen Stichkanal für alle weichen Gewebe.

Der Nadelkörper ist unterschiedlich geformt. Entsprechend ihrer Anwendung gibt es verschiedene Biegeformen

der Nadel vom ¼ Kreis bis zum ⅝ Kreis (. Abb. 4.15). Je beengter die lokalen Verhältnisse für eine Naht sind, desto gebogener sollte die Nadel sein – dadurch liegen Einstich- und

Ausstichstelle näher beieinander.

Es gibt auch einige speziell geformte Nadeln, wie die

asymp­totische Nadel (. Abb. 4.16). Diese zeigt eine kombinierte Bogenform aus ½ Kreis und ⅜ Kreis und wird bei engen

Verhältnissen (z. B. in der Gefäß- oder Dentalchirurgie) eingesetzt. Bei laparoskopischen Eingriffen wird die Ski-Nadel häufig verwendet. Gerade Nadeln können mit Hilfe einer speziellen Klemme Tabakbeutelnähte setzen, und J-Nadeln finden

ihren Einsatz beim Faszienverschluss nach Trokarinzisionen.


Nadelbezeichnungen

Die Bezeichnungen chirurgischer Nadeln setzen sich aus

­einer Buchstaben-Zahlen-Kombination zusammen (. Abb.

4.17). Diese Nadelbezeichnungen (Nadelcodes) sind willkürlich gewählt, daher nicht bei allen Herstellern nachvollziehbar. In manchen Fällen gibt z. B. der erste Buchstabe die Nadelform an,

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