nonverbal erfolgen, denn ein guter Mit
arbeiter mit Überblick behält den gesamten Situs im Auge
und kann demzufolge rechtzeitig weitere Materialien beschaffen.
??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 6.3
55 Welche Kenntnisse werden von Ihnen erwartet, wenn
Sie die Instrumentanz einer Operation übernehmen?
6.4
Regeln und Maßnahmen
des Arbeitsschutzes
Martina Stegers, Margret Liehn
Tätigkeiten in einer Operationsabteilung gehören zu den sog.
beruflichen Hochrisikobereichen, in denen Fehler bei Patienten und Mitarbeitern schnell zu ernsthaften Konsequenzen
führen können.
Um Gefahrenquellen zu erkennen und zu vermeiden, sorgen Vorschriften für Sicherheit im OP. Dazu zählt v. a. die
Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe250 (Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und der Wohlfahrtspflege – TRBA 250). Hierbei wurde zum Schutz der Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem RKI geprüft, welche Maßnahmen im Umgang mit infektionserregenden und schädlichen Stoffen ergriffen werden müssen.
>>Jeder Mitarbeiter im Krankenhaus muss diese Regeln
und Anweisungen kennen, um im Fall einer Verletzung
korrekt reagieren zu können.
Das gilt bei der Kontamination mit Blut, bei Stich- und
Schnittverletzungen ebenso wie bei Schmierinfektionen und
anderen bekannten Übertragungswegen. Hier gelten Hepa
titisviren (Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virus) sowie das
HI-Virus (HIV) zu den wichtigsten Infektionserregern.
Da wir im Operationssaal ständig mit Körperflüssigkeiten
und Ausscheidungen zu tun haben und nicht immer wissen,
wie infektiös dieser Patient ist, muss immer so gearbeitet werden, dass eine Übertragung der Keime unwahrscheinlich
wird.
Die in der folgenden Übersicht zusammengefassten
Schutzmaßnahmen sind immer einzuhalten.
Schutzmaßnahmen im OP
55 Der erstellte Hygieneplan für das betreffende Krankenhaus ist bekannt und immer einsehbar.
55 An Händen und Unterarmen darf kein Schmuck getragen werden, um eine hygienische Händedesinfektion zu gewährleisten.
55 Das Tragen von Schutzkleidung und Mundschutz ist
immer zu beachten.
145
Literatur
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 6.4
55 Der Arbeitgeber stellt ausreichend Schutzbrillen zur
Verfügung, die bei der Gefahr von Tröpfcheninfektion
(Spülungen beim Sägen und Bohren in der Traumatologie, bei Gefäßoperationen, beim Ablassen des Gases im Rahmen der MIC, während der Extubation und
der endotrachealen Absaugung usw.) getragen werden müssen. Als Augen- bzw. Gesichtsschutz sind
Bügelbrillen mit Seitenschutz, bei Bedarf mit Korrekturgläsern, Überbrillen oder Einwegbrillen mit Seitenschutz geeignet. Ein Visier am Mundschutz gilt
ebenfalls als Schutz.
55 Scharfe Gegenstände werden in die dafür bereitgestellten Abwürfe entsorgt.
55 Gebrauchte Kanülen dürfen nicht in die Plastikhülle
zurück gesteckt werden, das erhöht die Verletzungsgefahr.
55 Flüssigkeitsdichte Handschuhe müssen ausreichend
zur Verfügung stehen und getragen und regelmäßig
gewechselt werden (Handschuhe können nicht mit
Händedesinfektionsmittel desinfiziert werden!).
55 Bei Eingriffen mit hohem Verletzungs- und Perfora
tionsrisiko empfehlen das RKI, die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und die Berufsgenossenschaft
für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege das
Tragen von zwei Paar Handschuhen übereinander
(«double gloving»).
Kommt es zu einer (Stich-) Verletzung durch ein gebrauchtes
Instrument, müssen folgende Sofortmaßnahmen eingeleitet
werden, die der Betriebsarzt mit der Hygienefachkraft festgelegt hat und die für jeden Mitarbeiter im Hygieneordner
nachlesbar sind:
44Tätigkeit sofort unterbrechen.
44Die Wunde muss ausbluten und desinfiziert werden.
44Die Verletzung muss dokumentiert und dem Arbeit
geber bei der zuständigen Stelle (z. B. Betriebsarzt)
gemeldet werden.
44Bei hoher Infektionsgefahr werden dann die entsprechenden Therapien und Prophylaxen eingeleitet.
>>Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, sich selbst zu schüt-
zen und die bereitgestellten Hilfsmittel wie Schutzkleidung, Desinfektionsspender und Brillen zu benutzen!
55 Erklären Sie das Ziel und den Inhalt der TRBA 250.
55 Welche Maßnahmen werden bei einer Stichverletzung sofort ergriffen?
Literatur
Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. [unter http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de]
Debrand-Passard A, Luce-Wunderle G (Hrsg) (2006) Klinikleitfaden
OP-Pflege, 4. Aufl. Elsevier, München
Dries RU, Petschinka S, Huwert O, Südkamp NP (2010) Zählkontrolle im
OP: Jeder Tupfer zählt! OP-Journal 26: 214-218
Großkopf V, Klein H (2012) Recht in Medizin und Pflege, 4. Aufl. Spitta
Verlag, Balingen
Kucharek, M, Heitland, W-U, Waldner, H (Hrsg) (2013) Lehrbuch für Ope
rationskräfte. Medizinische und pflegerische Grundlagen, 4. Aufl.
Elsevier, München
Liehn M, Schlautmann H (2017) 1×1 der chirurgischen Instrumente,
3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg
Liehn, M, Lengersdorf B, Steinmüller L, Döhler JR (Hrsg) (2016) OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium, OP-Ablauf. 6. Aufl. Springer,
Berlin Heidelberg New York
Wendling B, Felderhof I (2010) Der Vertrauensgrundsatz in der Pflege.
Die rechtliche Reichweite im Bereich pflegerischer Arbeitsteilung.
VDM, Saarbrücken
6
147
Allgemein- und
Viszeralchirurgie
Jens Köpcke, Candy Agopian, Tabea Krause, Nadin Möbius, Maik Jelinski,
Sybille Gläß, Denise Oppermann, Margret Liehn
7.1
Zugangswege der Chirurgie
– 149
7.1.1
7.1.2
Konventionelle Eingriffe – 149
Minimal-invasive Eingriffe – 150
7.2
Hernien
7.2.1
7.2.2
7.2.3
7.2.4
7.2.5
Leistenhernie (hernia inguinalis) – 151
Schenkelhernie (hernia femoralis) – 154
Nabelhernie (hernia umbilicalis) – 154
Epigastrische Hernie – 154
Narbenhernie – 155
7.3
Ösophagus
7.3.1
7.3.2
7.3.3
7.3.4
7.3.5
Divertikel – 156
Refluxösophagitis – 156
Ösophagustumoren – 157
Verletzungen – 160
Fremdkörper – 160
7.4
Zwerchfell (Diaphragma)
7.4.1
7.4.2
Hernien – 160
Zwerchfellverletzungen
7.5
Magen
7.5.1
7.5.2
7.5.3
7.5.4
Gastritis – 164
Ulkus – 164
Tumoren – 165
Adipositaschirurgie
7.6
Dünn- und Dickdarm
7.6.1
7.6.2
7.6.3
7.6.4
7.6.5
7.6.6
Appendizitis – 171
Ileus – 173
Chronisch entzündliche D
armerkrankungen (CED)
Divertikel – 176
Polyposis – 176
Tumoren – 177
– 150
– 155
– 160
– 163
– 163
– 167
– 170
7.7
Proktologie
7.7.1
7.7.2
Hämorrhoiden – 184
Perianale Venenthrombose
– 183
– 184
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_7
– 174
7
7.7.3
7.7.4
7.7.5
7.7.6
7.7.7
7.7.8
Abszesse und Analfisteln – 185
Analfissuren – 185
Sinus pilonidalis – 185
Marisken – 186
Analtumoren – 186
Rektumprolaps/Analprolaps – 186
7.8
Leberchirurgie
7.8.1
7.8.2
7.8.3
7.8.4
7.8.5
7.8.6
Hepatitis – 188
Portale Hypertension – 189
Leberabszess – 189
Echinokokkuszyste – 189
Bösartige Erkrankungen – 189
Traumatische Leberverletzung – 190
7.9
Gallenblase
7.9.1
7.9.2
7.9.3
7.9.4
7.9.5
Cholezystolithiasis – 191
Cholezystitis – 191
Cholangitis – 192
Gallenblasenkarzinom – 194
Gallengangtumoren – 194
– 187
– 191
7.10
Milz
7.10.1
7.10.2
Ruptur (einzeitig, zweizeitig) – 195
OPSI («overwhelming post splenektomie infection»)
– 195
7.11
Pankreas
7.11.1
7.11.2
7.11.3
7.11.4
Diabetes mellitus – 198
Pankreatitis – 198
Pankreaszysten – 198
Tumoren – 199
7.12
Akutes Abdomen
– 197
– 201
7.13
Schilddrüse
7.13.1
7.13.2
7.13.3
7.13.4
7.13.5
7.13.6
7.13.7
7.13.8
Hypothyreose – 202
Hyperthyreose – 203
Schilddrüsenknoten – 203
Struma – 203
Autoimmunerkrankungen – 203
Schilddrüsentumoren – 203
Hyperparathyreoidismus – 205
Hypoparathyreoidismus – 205
– 202
7.14
Nebenniere
7.14.1
7.14.2
Überfunktion der Nebennierenrinde – 205
Überfunktion und Tumoren des Nebennierenmarks
Literatur
– 197
– 205
– 207
– 206
149
7.1 · Zugangswege der Chirurgie
Lernziele
55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen
operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der
Allgemein- und Viszeralchirurgie und können bei diesen
Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht instrumentieren.
55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Allgemein- und
Viszeralchirurgie, deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und
Behandlungsverfahren und deren typische Komplika
tionen.
55 Dazu erarbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse der
anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie.
55 Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser
Verfahren häufig eingesetzt werden.
In der Allgemein- und Viszeralchirurgie werden Eingriffe
durchgeführt, die allgemeine Beschwerden bereiten und es
werden die Organe operiert, die im Körper liegen, denn viscera ist lateinisch und bedeutet Eingeweide. Um hier die Erkrankungen und die therapeutischen Eingriffe zu verstehen,
ist es notwendig, die anatomischen Kenntnisse zu erwerben,
denn sonst sind viele Verfahren nicht logisch nachzuvollziehen. Im Folgenden wird die chirurgische Anatomie manchmal angesprochen, jedoch nur insoweit, dass das Operationsprinzip verstanden werden kann.
Das Instrumentarium wird anhand der einzelnen Eingriffe erwähnt, jedoch ist es unerlässlich, die Instrumentensiebe
der eigenen Abteilung zu kennen und die Namen der Instrumente zu lernen.
7.1
Blutstillung wichtig und die Narbenherniengefahr zu be
denken.
Dieser Schnitt kann in der Viszeralchirurgie für Ein
griffe an der Leber, dem Pankreas und dem Magen gewählt
werden, in der Gefäßchirurgie für Eingriffe an der Aorta
(7 Abschn. 10.1).
Wird eine Längsinzision in der Mittellinie des Abdominalbereichs gewählt, sprechen wir von einer medianen Laparotomie. Sie erlaubt eine gute Übersicht und kann vom Sternum bis zur Symphyse erweitert werden. In der Regel wird
der Nabel dann linksseitig umschnitten.
Wird der Schnitt neben der Mittellinie gesetzt, sprechen
wir von einer paramedianen Laparotomie, die die vordere
und die hintere Rektusscheide eröffnet. Da häufig in der Heilungsphase ein Narbenbruch entsteht, wird dieser Zugangsweg nur noch selten angewendet.
Für eine offene Appendektomie wird der sog. Wechselschnitt nach McBurney gewählt, der 3–4 Querfinger oberhalb des McBurney-Punkts quer bzw. schräg angelegt wird.
Da zuerst die Eröffnung der Externusaponeurose schräg verläuft, dann die Eröffnungsrichtung gewechselt wird, wenn die
Muskulatur (M. internus und M. transversus abdominis)
stumpf auseinandergedrängt wird, sprechen wir hier von einem Wechselschnitt.
In der Gynäkologie und der Urologie kommt häufig der
Zugangsweg nach Pfannenstiel zum Einsatz, der im Bereich
des Oberrandes des Schambeins gelegt wird und einen guten
Zugang zum Unterbauch bietet. Die Durchtrennung der
Externusaponeurose, die Mobilisation der Rektusmuskulatur
und die Spaltung der Muskulatur im Bereich der Linea alba
führt direkt auf das Peritoneum, das dann eröffnet werden
Zugangswege der Chirurgie
Jens Köpcke, Margret Liehn
Um an das zu operierende Organ zu gelangen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Immer ist der Zugangsweg zu wählen, der für die geplante Operation den
optimalen Zugriff bedeutet, der für den Patienten der beste
und für den Operateur der bekannteste Weg ist. Der Zugangsweg muss genügend Platz bieten, um schonend am Erfolgs
organ arbeiten zu können.
Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob eine «offene» Operation (konventionell) oder ein minimal-invasiver Eingriff
(MIC) durchgeführt werden soll.
7.1.1
Konventionelle Eingriffe
In der Viszeralchirurgie stehen unterschiedliche Zugangs
wege zur Verfügung (. Abb. 7.1).
Für Eingriffe im Ober- und Unterbauch kann die quere
Laparotomie durchgeführt werden. Der Schnitt kann bogenförmig gelegt werden, aber auch ein gerader Schnitt ist
möglich. Da die Rektusmuskulatur durchtrennt wird, ist die
2
2
33
11
55
4
4
4
4
11
66
..Abb. 7.1 Gebräuchliche Zugangswege zur Bauchhöhle. 1 quere
Laparotomie (Ober- und Unterbauch), 2 Rippenbogenrandschnitt,
3 mediane Laparotomie, 4 paramediane Laparotomie, 5 McBurneyWechselschnitt, 6 Zugangsweg nach Pfannenstiel
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
150
kann, um Eingriffe am Uterus oder der Prostata durchzuführen. Kosmetisch ist dieser Zugangsweg hervorragend, weil die
Narbe im Schamhaarbereich liegt, jedoch gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten.
7.1.2
7
Minimal-invasive Eingriffe
Im Rahmen der minimal-invasiven Chirurgie (MIC) haben
sich drei Zugangswege etabliert, die im Folgenden kurz angesprochen werden.
Die Positionierung der Trokare kann für die gleiche Operation variieren, jedoch gelten immer die Kriterien des Abstandes der Trokare zum Erfolgsorgan. Um am Organ präparieren zu können, sollte der Arbeitstrokar nicht weiter als
10 cm vom Organ entfernt platziert werden, um hervorragende Lichtverhältnisse zu erreichen, muss der Optiktrokar zentral positioniert werden, meist um den Nabel herum.
Nur wenn die Arbeitstrokare im Halbkreis darum herum
platziert werden, ist eine störungsfreie Präparation ohne
Überkreuzen der Langschaftinstrumente möglich.
In jedem Fall muss ein Pneumoperitoneum angelegt werden. Bei der geschlossenen Anlage wird das
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