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coinad

4/6/26

 abgesetzt.

Nun ist die Sicht auf die Trachealbifurkation frei, die

darin befindlichen Lymphknoten verbleiben am Resektionspräparat – zeigt sich hier, dass das Karzinom

auf den Stammbronchus übergegriffen hat, ist eine

kurative (heilende) Resektion nicht mehr möglich.

55 Die Speiseröhre wird von der Trachea freipräpariert,

die Darstellung des N. recurrens erfolgt rechts wie

links, um die Schonung zu gewährleisten.


55 Unter Berücksichtigung des Sicherheitsabstands ist

nun die Absetzung der Speiseröhre unterhalb einer

Tabakbeutelklemme mit einem linearen Klammernahtinstrument durchführbar.

55 Nun kann mittels der gesetzten Haltefäden der Magenschlauch hochgezogen werden. Das Ösophaguspräparat wird nach Durchtrennung der Haltefäden entfernt. Zur Anastomosierung zwischen verbliebenem Speiseröhrenanteil und Magenschlauch eignen sich zirkuläre Stapler, aber auch die Handnaht ist

gut geeignet.

55 Für die Stapleranastomose wird mit dem monopo­

laren Elektrokauter eine kleine Öffnung am Ende

des Magenschlauchs geschaffen. Über diese bringt

der Operateur den zirkulären Stapler in den Magenschlauch ein. Die Gegendruckplatte ist mit einer Tabakbeutelnaht im Rest der Speiseröhre fixiert. Nach

Konnektion beider Teile und dem Auslösen des Gerätes liegt eine End-zu-Seit-Anastomose (Ösophagogastrostomie) vor.

55 Das zirkuläre Klammernahtinstrument kann entfernt

und der Magenschlauch mit Hilfe eines linearen

­Staplers verschlossen werden.

55 Nach dem Legen einer Magensonde über die Anastomose hinweg seitens der Anästhesie und das Einbringen einer Bülau-Drainage (7 Abschn. 10.2.1) erfolgt

die abschließende Zählkontrolle. Die Thorakotomie

wird verschlossen. Mit dem sterilen Wundverband ist

die Operation beendet.


a


b


..Abb. 7.6a, b Magenschlauchbildung. Aus: Siewert JR, Rothmund M,

Schumpelick V (2010) Praxis der Viszeralchirurgie Onkologische Chirurgie,

3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


7


160


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


eine Endoskopie kann der Fremdkörper u. U. bereits entfernt

werden. Sollte dies nicht möglich sein, muss eine chirurgische

Entfernung erfolgen, da Fremdkörper schwerwiegende Komplikationen verursachen können.

??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.3


55 Was bezeichnet der Begriff «Refluxösophagitis» und

warum muss dieses Krankheitsbild unbedingt therapiert werden?


..Abb. 7.7 Organfasszange nach Duval. (Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


7


7.3.4


Verletzungen


Verletzungen der Speiseröhre kommen im Vergleich zu Verletzungen anderer Abschnitte des Verdauungstraktes relativ

selten vor. Ursache von Ösophagustraumata sind verschluckte Fremdkörper, Krankheiten der Speiseröhre, seltener ärztliche Manipulation oder Verätzungen.

Wir unterscheiden penetrierende und nichtpenetrierende

Verletzungen. Die Diagnostik, Therapie und Prognose sind

abhängig von der Art, der Höhe, der Ausdehnung, von Zusatzerkrankungen und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Einer penetrierenden Verletzung (Ruptur oder Perfora­

tion) ging meist ein traumatisches Ereignis voraus. Dabei sind

Zerreißungen der Wand der Speiseröhre entstanden, da diese

den geringsten Widerstand gegenüber anderen Strukturen

des Thorax bietet. Eine Perforation ist eine primäre Durchbohrung/Durchspießung der Wandschichten durch direkte

Gewalteinwirkung.

Erste Symptome bei perforierenden Verletzungen sind

retrosternale Schmerzen und Dysphagien. Treten Fieber oder

andere Entzündungszeichen auf, kann eine Mediastinitis vermutet werden.

Diagnostische Maßnahmen sind die Thoraxübersichtsaufnahme zur Erkennung eines Pneumothorax oder eines

Mediastinalemphysems sowie eine Kontrastmitteldarstellung, um einen Austritt des Mittels in den Mediastinalraum

zu erkennen.

In Abhängigkeit vom Ausmaß der Verletzung kann eine

konservative Behandlung mit Antibiotikagabe, Nulldiät oder

parenteraler Ernährung erfolgen. Wenn konservative Maßnahmen erfolglos bleiben, ist eine chirurgische Übernähung

oder Deckung der Verletzung (z. B. Perforation) notwendig.

7.3.5


Fremdkörper


Das Verschlucken von Fremdkörpern geschieht am häu­

figsten bei Kindern und geistig beeinträchtigten Personen,

kann aber auch in suizidaler Absicht erfolgen. Häufig handelt

es sich dabei um Münzen, Gebissteile, Spielzeug, Knochen

und Gräten. Zur Diagnosesicherung wird eine Röntgenaufnahme des Thorax und des Abdomens durchgeführt. Über


7.4


Zwerchfell (Diaphragma)


Jens Köpcke, Margret Liehn


Das Zwerchfell ist eine muskulöse Struktur, die wie durch eine

Kuppel den Bauchraum vom Brustraum trennt. Wenn dieser

Muskel sich zusammenzieht, hilft er bei der Inspiration und

wird deshalb auch als Atemmuskel bezeichnet.

Die Seite des Zwerchfells, die zum Bauchraum zeigt, ist

mit Peritoneum (Bauchfell) überzogen, die zum Thorax mit

Pleura parietale (Brustfell). Zum Bauchraum grenzt das

Zwerchfell rechtsseitig an die Leber, zum Thorax grenzt es

an die Lungen, das Mediastinum und den Herzbeutel (Perikard).

Da die Aorta durch den Bauchraum in den Thorax zieht,

muss sie durch das Zwerchfell hindurch, begleitet wird dieses

Gefäß vom Ductus thoracicus, einem Stamm der Lymphbahnen. Eine weitere Durchtrittstelle wird für den Ösophagus

benötigt, die Speiseröhre wird von beiden Vagusstämmen

begleitet. Die dritte Öffnung ist das sog. Foramen venae cavae,

hier zieht die untere Hohlvene (V. cava) hindurch.

Auch andere kleinere Strukturen ziehen durch das

Zwerchfell. Alle Durchtrittstellen, gleichgültig ob für große

Organe oder kleinere wie den Truncus sympathicus, sind

Schwachstellen, an denen es zu Muskelschwächen und damit

zu Hernien kommen kann.

An der Durchtrittstelle des Ösophagus kann es zur

­Hiatushernie kommen, durch die Larrey-Spalte und das

Mor­gagni-Loch ziehen Venen und hier entstehen Morgagniund Larrey-Hernien.

Wichtig zu wissen ist, dass der N. phrenicus (aus dem Plexus cervicalis) für die nervale Versorgung zuständig ist und

bei Operationen ggfs. dargestellt und geschont werden muss.

Die arterielle Versorgung erfolgt über die Brustkorbarterien, der venöse Abfluss über gleichnamige Venen.

7.4.1


Hernien


Eine Hernie, auch Bruch oder Eingeweidebruch genannt,

ist eine Aussackung in dem sich Inhalt befindet und die

Durchtrittstelle ist eine vorgeformte Lücke (7 Abschn. 7.2).

Brüche innerhalb des Bauchraumes, die von außen nicht

sichtbar sind, nennt man innere Hernien. Dazu zählen u. a.

die Zwerch­fellhernien (Hiatushernie) und die Ileozäkal­

hernien.


161

7.4 · Zwerchfell (Diaphragma)


Hier unterscheiden wir noch die

44Gleithernien, dabei bilden Organe oder Organanteile

den Bruchsack, von den

44symptomatischen Hernien, die ein Symptom einer anderen Erkrankung sind.

Bei den sog. Zwerchfellhernien treten Anteile der Bauch­

organe, wie Magen, Dünn- oder sogar Dickdarm in den

Brustraum ein. Dafür kommen verschiedene Ursachen in

Frage, wie angeborene oder durch unterschiedliche Faktoren

entstan­dene Bindegewebsschwäche.

Die Symptome resultieren aus der Art der Hernie und

­deren Größe. Je nachdem, wie weit Bauchorgane in den Brustraum eindringen, wird die Atmung erschwert, die Herz­

funktion beeinträchtigt. Bei Beschwerden kann eine Magenspiegelung, eine Röntgenaufnahme des Thorax und/oder eine

Sonographie die Diagnose erhärten.

Eine Bruchlücke muss verschlossen werden, dafür gibt

es unterschiedliche operative Möglichkeiten, bei kleinen

­Hiatushernien kann eine konservative Therapie mit säure­

blockenden Medikamenten zielführend sein.

>>Eine schwerwiegende Komplikation der Hernien­


erkrankung ist die Inkarzeration, dabei kann der in den

Brustraum eingedrungene Organteil nicht spontan

durch die Bruchlücke zurückgleiten. Bei der Einklemmung kann es zu Abschnürungen der Gefäßversorgung kommen und damit zu einer vitalen Bedrohung

des Gewebes.


Jede Hernienreparation kann als Elektiveingriff (Wahleingriff) durchgeführt werden, solange keine Einklemmung besteht.


Hiatushernie

Hier ist durch einen vorhandenen Spalt (Hiatus), dem Hiatus

oesophagei, durch den der Ösophagus in den Thoraxraum

eintritt, ein Teil des Magens hochgerutscht. Die häufigste

­Variante der Hiatushernie ist die axiale Gleithernie, bei der

die Kardia des Magens nach intrathorakal verlagert wurde.

Wenn dadurch der Kardiaschließmuskel erschlafft, kann die

Magensäure ungehindert in den Ösophagus fließen und dort

die Schleimhaut verätzen, das ist die Refluxkrankheit. Durch

die Magensäure kommt es zu einer Entzündung der Schleimhaut in der Speiseröhre, der sog. Refluxösophagitis.

Bei einer anderen Form der Hiatushernie ist die Lage

der Kardia in Ordnung, der Sphinkter ist nicht in Mitlei­

denschaft gezogen. Allerdings wölben sich Magenanteile

­neben der Speiseröhre ins Mediastinum hinein, deshalb

heißt diese Form paraösophageale Hernie. Im schlimmsten

Fall liegt der gesamte Magen intrathorakal (Upside-downMagen).

j

jFundoplikatio nach Nissen


Die Operation soll durch Einengung des Spaltes den Reflux

beseitigen. Dazu wird im ersten Schritt eine Hiatoplastik vorgenommen, der Hiatus oesophagei (Durchtrittstelle der Speiseröhre von der Brust- in die Bauchhöhle) wird eingeengt. Im


zweiten Schritt wird aus dem Magenfundus eine Manschette

gebildet, diese Manschette wird um die Speiseröhre herumgelegt und verhindert ein Hochrutschen des Magens in die

Brusthöhle.

In der Regel erfolgt diese Operation laparoskopisch,

weil dadurch eine geringere Traumatisierung der Weichteile

erfolgt und die Patienten schnell wieder mobilisiert werden

können. Diese Operation kann nur in Vollnarkose durch­

geführt werden, weil über den Bauchraum der Magen und

die Speiseröhre wie auch das Zwerchfell erreicht werden

müssen.

Um intraoperativ das Aufsuchen der Speiseröhre und des

Mageneinganges zu erleichtern, bekommt der Patient nach

der Narkoseeinleitung eine dicke Magensonde gelegt.

OP-Ablauf: Fundoplikatio nach Nissen

55 Wir bereiten den Endoskopieturm mit allen benötigten technischen Geräten vor (7 Abschn. 2.2) und

das Instrumentarium für eine laparoskopische Fun­

doplikatio mit einer Endokamera, 4–5 Arbeitstrokaren (10 mm, 12 oder 13 mm, 5 mm) (. Abb. 7.8),

eine Haltezange für den Magen, meist eine Babcock-­

Zange, und einen Retraktor, um den linken Leber­

lappen hochhalten zu können. Eine Hakenelektrode

zur Anwendung von mono- oder bipolarem Strom,

eine Schere und eine Clipzange mit den entsprechenden Clips komplettiert die Vorbereitung. Zur

Blutstillung kann die HF-Anwendung dienen (7 Abschn. 2.8), aber die Möglichkeit der Präparation mittels Ultraschall (z. B. Ultracision, Fa. Ethicon) oder

das Verschweißen des Gewebes mittels eines Instruments wie LigaSure (Fa. Covidien) oder EndoSeal

(Fa. Ethicon) führt ebenfalls zum Erfolg.

55 Zum Anheften des Magenschlauchs um den Ösophagus herum können Spezialinstrumente oder Nadelhalter mit monofilen Nähten dienen.

55 Der Patient wird in eine Rückenlage gebracht und

nach Standard gelagert. Manche Operateure bevorzugen auch hier die Steinschnittlage (7 Abschn. 4.5).

55 Nach der Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung

sowie dem Anschluss aller benötigten Kabel und

Schläuche erfolgt das Team-Time-Out.

55 Anschließend wird mit einem Stichskalpell ein

­Hautschnitt durchgeführt. Im nächsten Arbeitsschritt

kann die Anlage eines Pneumoperitoneums über

den gewünschten Zugangsweg (7 Abschn. 7.1.2) erfolgen.

55 Nach der Füllung des Bauchraums mit CO2 wird über

einen Trokar eine Optik eingeführt. Die gesamte

Bauchhöhle wird inspiziert. Nun können die weiteren

Trokare für die Arbeitsinstrumente und den Retraktor

eingebracht werden. Der Leberretraktor hält den linken Leberlappen beiseite.

55 Das Peritoneum wird parallel zum Ösophagus inzidiert, beide Zwerchfellschenkel dargestellt. Dazu


7


162


7


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


­dienen entweder Fasszange und Schere oder aber

­Ultraschall- bzw. HF-Dissektionsinstrumente.

55 Der Ösophagus wird um den gesamten Außendurchmesser herum freipräpariert, mit einem gebogenen

Instrument unterfahren und über eine Länge von

ca. 5 cm freigelegt.

55 Nun muss der Magenfundus soweit beweglich werden, dass daraus eine Manschette gebildet werden

kann. Bei der Skelettierung der großen Kurvatur wird

das Lig. gastrosplenicum ligiert oder geclipt, ebenso

die Aa. gastricae breves. Um den Hiatus einzuengen,

muss der Ösophagus seitlich gezogen werden, um

die beiden Zwerchfellschenkel zu fassen, zusammenzuführen und mit 2–3 nichtresorbierbaren Nähten zu

verbinden. Das ist die Hiatoplastik.

55 Nun beginnt die Fundoplikatio. Dafür wird aus dem

Fundus eine Manschette gebildet, um den gesamten

Ösophagus herumgelegt, wie ein Rollkragen um

­einen Hals. Babcock-Zangen halten die Manschette

in ihrer gewünschten Position, bis sie mittels Nähten

fixiert wurde. Diese Manschette darf nur locker um

die Speiseröhre herum gelegt sein und sie keinesfalls

einengen. Eine der gelegten Nähte fixiert den Fundus

an der Muskulatur des Ösophagus, so wird vermieden, dass es zu einer Dislokation kommt.

55 Abschließend werden die Lage der Manschette und

die Blutstillung kontrolliert.

55 Nach der Zählkontrolle und deren Dokumentation

werden die Trokare entfernt, nachdem das Gas abgelassen wurde und die Faszien- und Hautinzisionen

verschlossen.

55 Die Hautwunden werden mit Pflastern versorgt, alle

Kabel abgegeben und das Instrumentarium nach

Standard für die Aufbereitung vorbereitet. Der Patient

wird in Rückenlage gebracht und nach der Narkoseausleitung in den Aufwachraum gebracht.


a


Bochdalek-, Larrey- und Morgagni-Hernien

Brüche, die nicht durch den Spalt für die Speiseröhre verlaufen sind selten. Aber die Schwachstellen sind die kleinen

Durchgänge für dünnere Strukturen. Eine wird vom Sternum,

den Rippen und dem Zwerchfell gebildet und wurde nach

Morgagni benannt, bzw. nach Larrey, eine andere zwischen

Rippen und Zwerchfell in der Nähe der Lendenwirbelsäule

wurde nach Bochdalek benannt. Die entstandenen Brüche

werden extrahiatale Hernien (. Abb. 7.9) genannt.

Die Bochdalek-Lücke ist ein muskelfreies Dreieck im hinteren (dorsalen) Anteil des Zwerchfells. Die Bochdalek-Hernie ist angeboren und kann zu lebensbedrohlichen Zuständen

führen, weil Bauchorgane in den Brustraum drücken und die

Atmung extrem erschweren. Eine Notfalloperation kann diesen Defekt schließen, ggf. mit Fremdmaterial, und eine beschwerdefreie Entwicklung des betroffenen Kindes ermöglichen.


b

..Abb. 7.8a, b Positionierung des OP-Teams, der Geräte und der

­Trokare bei der Fundoplikatio und Hiatoplastik. Aus: Carus T (2010) Lapa­

ro­skopische Eingriffe am Magen. In: Carus T (Hrsg) Operationsatlas

­Laparoskopische Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York S. 91,

Abb.13.6 + 13.7)


Durch den Druck auf die Brustorgane kommt es zu Herzbeschwerden und Kurzatmigkeit. Ähnliche Symptome entstehen bei einer Morgagni-Hernie und Larrey-Hernie. Auch

diese sind angeboren, wenn sie als linke diaphragmale Hernie


163

7.5 · Magen


7.5


Magen


Candy Agopian


..Abb. 7.9 Typische Bruchpforten und Lücken des Zwerchfells.

Aus: Siewert JR et al. (Hrsg) (2013) Praxis der Viszeralchirurgie. Endokrine

Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York


diagnostiziert wird, wird sie nach Morgagni benannt, auf der

rechten Seite nach Larrey. Sie machen im Kindesalter selten

Symptome und werden bei Erwachsenen eher zufällig dia­

gnostiziert.

Bei Beschwerden kann die Reparation laparoskopisch erfolgen, dabei werden die Bauchorgane, häufig das Colon

transversum und das große Netz, wieder in den Bauchraum

verbracht, die Lücke, die als Bruchpforte diente, wird mit

­einem Netz unterfüttert, das dort vernäht wird, manche Chirurgen bevorzugen hier eine Klebung mit Fibrinkleber oder

benötigen beides.

7.4.2


Zwerchfellverletzungen


Bei Thorax- und Polytraumen ist häufig das Zwerchfell in

Mitleidenschaft gezogen. Wenn das Zwerchfellgewebe zerreißt, treten Bauchorgane in den Thoraxraum ein und komprimieren die Lunge. Das führt zu teilweise massiven Atembeschwerden, die in der Regel operativ als Notfallmaßnahme

behoben werden müssen.

Hier können durch eine minimal-invasive Maßnahme die

Bauchorgane in den Abdominalraum zurückverlagert werden und das Zwerchfell mit nichtresorbierbarem Material

vernäht werden. Nur bei extrem großen Verletzungen kann es

notwendig sein, den Defekt mit einem Netz zu verschließen.

Ob dabei von der rechten oder der linken Seite des Diaphragmas ausgegangen wird ist unerheblich.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.4


55 Beschreiben Sie kurz die Indikation und das Operations­

prinzip der Fundoplikatio nach Nissen.


Im Anschluss an den Ösophagus beginnt der Magen, auch

Gaster oder Ventriculus genannt. Hier wird die im Mund begonnene Verdauung fortgesetzt. Seine Position im linken

Oberbauch wird durch mehrere Bänder (Ligamente) ge­halten.

Der Magen ist in mehrere Bereiche eingeteilt. Der Mageneingang, direkt nach dem unteren Ösophagussphinkter, heißt

Kardia. Seitlich, direkt unter dem Diaphragma, befindet sich

der Fundus als kuppelförmige Erweiterung, daran anschließend finden wir den größten Teil des Magens, den Korpus.

Das Antrum pylori – kurz Antrum – genannt, bildet den Teil

des Magens kurz vor dem Magenausgang, dem Pylorus, der

als Sphinkter Magen und Duodenum voneinander trennt.

Die größere konvexe Seite des Magens wird als große Kurvatur bezeichnet, die kleine konkave Seite als kleine Kurvatur. Die Begriffe Paries anterior bzw. Paries posterior bezeichnen die Vorder- und Hinterwand des Magens. An der kleinen

Kurvatur ist das Omentum minus (kleines Netz) fixiert und

an der großen Kurvatur die Ligg. gastrosplenicum (zur Milz)

und gastrocolicum (zum Kolon) sowie das Omentum majus

(großes Netz). Die Kardia ist mit dem Zwerchfell verbunden.

Die äußerliche Form des Magens variiert je nach Körperlage,

benachbarter Organe, Alter, Atemphasen, Muskeltonus und

Füllmenge, die mehrere Liter betragen kann.

Der Wandaufbau entspricht dem des des Ösophagus und

die Muskularis besteht aus drei übereinander gelagerten Muskelschichten, die von außen nach innen längs, ringförmig und

schräg verlaufen. Die Magenschleimhaut ist in Längsfalten

gelegt (sog. Magenstraßen). Die Drüsen, bestehend aus Beleg-, Haupt- und Nebenzellen, produzieren im Fundus und

Korpus den Verdauungssaft.

Bei mikroskopischer Betrachtung einer dieser schlauchförmigen Drüsen findet man im mittleren Abschnitt hauptsächlich Belegzellen, die für die Herstellung von Salzsäure

und dem Intrinsic-Faktor zuständig sind. Hauptzellen sind in

der Basis zu finden. Sie dienen der Bildung des Enzyms Pepsinogen, das in der aktiven Form als Pepsin zur Eiweißspaltung notwendig ist und in geringerem Maße bei der Bildung

der fettspaltenden Lipase hilft. Die Nebenzellen befinden sich

im oberen Bereich und produzieren den muzinhaltigen Magenschleim. In den übrigen Magenbereichen wird ausschließlich Magenschleim produziert, bis auf das Antrum bzw. Pförtner, in dem G-Zellen das Hormon Gastrin fördern, das die

Magenbeweglichkeit und die Produktion der anderen Magenschleimhautzellen ansteigen lässt.

In Abhängigkeit der Nahrungsaufnahme wird ca. 2 Liter

Magensaft produziert. Ein Bestandteil ist Salzsäure (HCI) aus

den Belegzellen, aufgrund des stark sauren Milieus (pH-Wert

1–2) wirkt der Saft eiweißspaltend und zusätzlich tötet es die

in der Nahrung befindlichen Viren und Bakterien ab. Das

Pepsinogen ist ebenfalls an der Spaltung von Eiweiß beteiligt,

bei Aktivierung in Verbindung mit Salzsäure zu Pepsin.

Der schützende Magenschleim haftet an der gesamten inneren Fläche des Magens, wodurch die Magenschleimhaut


7


164


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


7


..Abb. 7.10

New York


Arterielle Gefäßversorgung des Magens. Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler JR (2016) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg


vor der Selbstverdauung durch Pepsin und Salzsäure geschützt wird. Der Intrinsic-Faktor wird benötigt um Vitamin B12 im Dünndarm aufnehmen zu können.

Abhängig vom Füllungsgrad führen peristaltische Bewegungen dazu, dass der Pylorus sich kurz öffnet, damit ein

kleiner Teil der Nahrung weiter transportiert werden kann.

Die Verweildauer der Nahrung im Magen schwankt zwischen

2–7 Stunden.

Die Blutversorgung erhält der Magen über den Truncus

coeliacus. Aus dem Truncus bilden abgehende Äste Gefäßbogen aus 5 Arterien. Die kleine Kurvatur wird von der A. gastrica sinistra und A. gastrica dextra und die große Kurvatur

aus der A. gastroomentalis sinistra und der A. gastroomen­

talis dextra versorgt. Zusätzlich wird der Fundus aus den

Aa. gastricae breves und die Magenhinterwand durch die

A. gastrica posterior (beide aus A. splenica und Truncus

­coeliacus) versorgt (. Abb. 7.10).

Der venöse Abfluss erfolgt parallel zu den gleichnamigen Arterien in das Pfortadersystem, die Vv. gastrica sinistra

und dextra gehen direkt in die V. portae. Die V. gastricae

­breves und V. gastroomentalis sinistra gehen in V. splenica

und V. gastroomentalis dextra in die V. mesenterica superior

über.

Die Lymphabflüsse orientieren sich am Verlauf des Gefäßsystems.

7.5.1


Gastritis


Ist die Magenschleimhaut entzündet, sprechen wir von einer

Gastritis, wobei eine spezifische von einer unspezifischen

Gastritis unterschieden wird.


Spezifische Gastritis

Eine spezifische Gastritis wird durch bestimmte Grunderkrankungen und Substanzen verursacht. Es kommen z. B.

Tuberkulose, Lues und Morbus Crohn in Frage.

Mögliche Symptome sind Ober- und Mittelbauchschmerzen, Blutungen im Gastrointestinaltrakt, es können Magengeschwüre (Ulzera) entstehen, die Stenosen und Fisteln begünstigen. Zur Sicherung der Diagnose wird eine Endoskopie

(Gastroskopie) bis zum Duodenum mit Biopsie und histologischer Untersuchung durchgeführt, wobei die Therapie sich

nach der Grunderkrankung richtet.


Unspezifische Gastritis

Ursächlich ist in den meisten Fällen die Besiedlung der

Schleimhaut mit Helicobacter pylori (Bakterien), aber auch

Medikamente können der Auslöser sein. Die Symptome wie

Übelkeit, Schmerzen und Druckbeschwerden sind zu Beginn

der Erkrankung eher unspezifisch, Blut- oder Kaffeesatz­

erbrechen, Hb-Abfall und Teerstühle weisen auf Blutungen

hin. Eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (7 Kap. 21) und

ein Helicobactertest werden zur Diagnose benötigt.

Stärkere Blutungen müssen endoskopisch therapiert werden (7 Kap. 21), sonst wird eine medikamentöse Therapie zur

Eradikation (vollständige Entfernung) der Helicobacter eingeleitet und/oder es werden säurehemmende Medikamente

verabreicht.

7.5.2


Ulkus


Ein Ulkus ist eine tiefgehende Nekrose, die alle Wandschichten des Magens oder des Duodenums betreffen kann. Je nach


165

7.5 · Magen


Polyposis des Magens kann u. U. eine Gastrektomie erwogen

werden.

Zur Diagnosestellung erfolgt eine Ösophago-GastroDuodenoskopie in Verbindung mit einer Biopsie. Eine perkutane Sonographie und ein Oberbauch-CT werden zum Ausschluss einer Lymphknotenmetastasierung durchgeführt.

Eine Aussage über die Ausdehnung des Tumors in der Magenwand kann eine Endosonographie geben.


a


Magenkarzinom


b


..Abb. 7.11a, b Operative Versorgung des perforierten Ulcus ventriculi,

die in gleicher Weise beim blutenden Ulkus angewendet werden kann.

a Exzision des perforierten Ulkus, b querer Verschluss der Exzisionsstelle.

Aus: Ott K, Siewert JR, Bumm R (2012) Magen und Duodenum. In: Siewert

JR, Stein HJ (Hrsg) Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York, S. 645,

Abb. 7.95


Lokalisation unterscheiden wir zwischen dem Ulcus ventriculi und dem Ulcus duodeni. Häufig begünstig eine Infektion

mit Helicobacter pylori die Entstehung eines Ulkus.

Eine Komplikation des Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs ist der Durchbruch (Perforation) in die freie Bauchhöhle. Dann ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Abhängig von der Größe des Defekts kann ein Ausschneiden

(Exzision) des Geschwürs mit anschließender Übernähung

ausreichend sein (. Abb. 7.11). Möglich sind jedoch auch eine

Teilentfernung des Magens und/oder des Zwölffingerdarms.

Danach erfolgt die Wiederherstellung der Kontinuität mit einer Anastomose.

Eine Operation bei komplikationslosem Verlauf der Ulkus­

erkrankung ist die Ausnahme, weil medikamentöse und endo­

skopische Therapien häufig ausreichend sind (7 Kap. 21).

7.5.3


Tumoren


Ein benigner (gutartiger) Tumor ist eine Gewebsneubildung,

die örtlich begrenzt bleibt und nicht in andere Strukturen eindringt. Ein gutartiger Tumor entwickelt keine Metastasen und

kann von allen Wandschichten ausgehen. Am häufigsten sind

Polypen der Schleimhaut. Je nach Lokalisation und Größe

können die Beschwerden unterschiedlich ausgeprägt sein:

Von völliger Symptomfreiheit und Völlegefühl können Störungen in der Magenentleerung bis hin zu gastrointestinalen

Blutungen vorkommen.

Kleinere Polypen werden endoskopisch mit einer Schlinge

abgetragen (7 Kap. 21). Größere Polypen, bei deren endoskopischer Abtragung ein hohes Perforationsrisiko besteht, werden über eine Operation therapiert, bei einer ausgedehnten


Das sog. Frühkarzinom des Magens betrifft nur die Mukosa

bzw. die Submukosa und bezieht sich somit auf die Tiefe der

Infiltration.

Sobald die Infiltration über die Submukosa hinaus tiefere

Schichten wie die Muscularis erreicht, sprechen wir vom Magenkarzinom. Hier lassen sich vier Typen unterteilen, die

sog. Borrmann-Klassifikation:

44Typ I: polypöses Wachstum,

44Typ II: schüsselförmiges scharf begrenztes Ulkus,

44Typ III: unscharf begrenztes Ulkus,

44Typ IV: diffus infiltrierendes Wachstum.

In der Regel handelt es sich beim Magenkarzinom um ein

Adenokarzinom, aber es können auch undifferenzierte Karzinome auftreten. Nach der Ausbreitungstendenz spricht man

(nach Lauren) vom:

44intestinalen Typ: Drüsenstrukturen, scharf begrenzt, bei

frühzeitiger Erkennung bessere Prognose, meist Borrmann I und II;

44diffusen Typ: keine Drüsen enthalten, schlecht differenziert, breitet sich großflächig an der Magenwand aus,

frühe Metastasierung, ist in der Lage, Lymphgefäße zu

infiltrieren, Bormann III und IV;

44Mischtyp.

Nach klinischen und pathologischen Kriterien wird ein Karzinom klassifiziert (Staging). Dabei werden die Vorgaben der

UICC («union international contre le cancer») verwendet,

um einen internationalen Vergleich stadienabhängiger Überlebensraten zu 

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