Polsterwatte
umwickelt und in dem Extensionsschuh gelagert, der an
95
4.6 · Patientenbetreuung
einem Zugspindelaggregat befestigt ist. An diesem wird dann
der entsprechende Zug ausgeübt, um vorab ein gutes Repositionsergebnis zu erreichen. Das andere Bein wird gut abgepolstert in einer Goepel-Stütze hochgelagert und soweit wie
möglich abgespreizt (. Abb. 4.7).
Anschließend werden beide Beinteile abgenommen und
der Bildwandler zur Reposition zwischen die Holme des Extensionstischs gefahren. Das Gestänge des Tischs wird so eingestellt, dass es während der Operation nicht im Strahlengang
des Bildwandlers steht.
Die Neutralelektrode wird nach Vorschrift angelegt.
Am Ende der Operation wird der Fuß aus dem Exten
sionsschuh genommen, beide Beinteile wieder angebracht und
das hochgelagerte Bein aus der Goepel-Stütze entnommen.
Umlagerungen
Bei einigen Operationen, speziell im Rahmen minimal-invasiver Eingriffe (MIC), werden intraoperative Lageveränderungen vorgenommen, um die Schwerkraft auszunutzen.
Dadurch kann z. B. der Dünndarm in den Ober- oder in den
Unterbauch verlagert werden. Intraoperative Lageverän
derungen erfordern von allen Beteiligten ein enormes Ver
antwortungsbewusstsein, da durch die sterile Abdeckung
nicht alle Auswirkungen des Vorgehens sichtbar werden und
eobachtbar sind.
b
Prinzipiell soll das Operationsgebiet leicht erhöht liegen:
44bei Unterbauchoperationen wird der Kopf des Patienten
tiefer gelagert als die Füße. Dabei wird der OP-Tisch um
20–40° gekippt. Diese Lagerung wird TrendelenburgLagerung genannt.
44Bei Oberbauchoperationen liegt der Patient in der AntiTrendelenburg-Lagerung, der Kopf ist höher gelagert
als die Füße.
Oft wird der OP-Tisch auch seitlich gedreht. Bei diesen Lageveränderungen darf der Patient nicht verrutschen und ist
dementsprechend zu sichern. Dazu werden Schulter-, Seitenoder Fußstützen angebracht. Bei jeder intraoperativen Lageveränderung muss die Lage des ausgelagerten Arms kontrolliert und ggf. korrigiert werden, um Armplexusläsionen zu
verhindern.
Extreme Lagerungen sind zu vermeiden, weil sie lagerungsbedingte Schmerzen im Muskel- und Skelettsystem hervorrufen sowie Gefühls- und Funktionsstörungen bedingen können.
Nach dem Operationsende wird die Operationslagerung
wieder «aufgehoben», d. h. der Patient liegt wieder auf dem
Rücken mit parallel gelagerten Beinen, sofern die durchgeführte Operation dieses zulässt.
Bei Bauch- oder Seitenlagerung helfen alle Beteiligten, den
Patienten wieder auf den Rücken zu drehen. Nach der Extubation wird der Patient in ein vorgewärmtes Bett mittels eines
Rollboards gelegt und in den Aufwachraum gebracht. Der
Oberkörper ist dann leicht erhöht, das verbessert die Atemfunk
tion und dem Reflux von Magensaft kann vorgebeugt werden.
Intensivpflichtige, beatmete Patienten werden nach Überlagerung in das Bett direkt auf die Intensivstation gebracht
und dort übernommen.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 4.5
55 Was ist bei der Auswahl eines OP-Tisches für einen
geplanten Eingriff zu beachten?
55 Beschreiben Sie stichwortartig die Lagerung der
Arme bei einem Eingriff in Rückenlage.
55 Welche Lagerung ist mit dem Begriff «Beach chair»
beschrieben? Was bereiten Sie für diese Lagerung
vor?
4.6
Patientenbetreuung
Candy Agopian
Lernziel
55 Die Auszubildenden gewährleisten zusammen mit anderen Personen des interdisziplinären Teams die Sicherheit
der Patienten während deren Aufenthalt in der Operations-/Funktionsabteilung.
Die Patienten kommen in unterschiedlichen Bewusstseinszuständen in den Operationstrakt. Jeder Mitarbeiter muss sich
darauf einstellen können und situationsgerecht reagieren. Jeder Patient hat Anspruch darauf, dass wir seine Sicherheit
gewährleisten und die benötigte Pflege durchführen.
Dafür müssen wir uns zunächst ein Bild des Patienten
machen, um feststellen zu können, in welcher Form die
Kommunikation verlaufen kann.
Manche Patienten sind wach und voll ansprechbar, andere
sind durch Prämedikation schläfrig, wieder andere haben
Angst oder sind durch Krankheiten nicht ansprechbar, verwirrt oder gar aggressiv.
Unabhängig von all diesen Faktoren ist das Verhalten der
OP-Mitarbeiter freundlich und aufgeschlossen. Dem Patienten muss, abhängig von seinen Ressourcen, ermöglicht werden, aktiv am Geschehen teilzunehmen. Alle Maßnahmen
werden erläutert. Ist der Patient nicht in der Lage, an der
Kommunikation teilzunehmen, sei es, weil Hörgeräte auf der
peripheren Station verblieben oder er bewusstseinseingeschränkt oder dement ist, ist es unsere Aufgabe, alles zu tun,
damit die Würde des Patienten gewahrt bleibt und die optimale Pflege durchgeführt wird.
>>Bei Menschen aus anderen Kulturkreisen müssen wir
wissen, was dem Patienten aufgrund seiner Religionszugehörigkeit zuzumuten ist, welche Maßnahmen
z. B. wenn möglich von einem Mitarbeiter des gleichen
Geschlechts durchgeführt werden sollten.
Bei Bedarf muss ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Bei
Kindern oder kognitiv eingeschränkten Patienten kann so
lange wie möglich ein Elternteil oder Angehöriger in der
Nähe bleiben, um dadurch beruhigend auf den Patienten einzuwirken.
Grundsätzlich gilt, dass jeder Mitarbeiter empathisch und
verständnisvoll auf die Ausnahmesituation des Patienten
reagiert und in der Lage ist, eigene Emotionen zu unter
drücken (7 Kap. 3).
4
96
4
Kapitel 4 · Springertätigkeit
Wird ein Patient in lokaler oder regionaler Betäubung
operiert, ist er während des gesamten Eingriffs wach, ggf. ist
nur ein Monitoring angelegt, keine Sedativa (Beruhigungsmittel) gegeben. Damit erhöht sich der psychische und physische Druck auf den Patienten. Die Lage auf einem Opera
tionstisch ist relativ unbequem, die Geräusche und der Geruch in einem Operationssaal werden von dem Patienten
sicher anders wahrgenommen als von uns. Die Angst vor dem
Eingriff und dem Unbekannten erhöhen und verändern alle
Sinneswahrnehmungen. Das ist bei allen Handlungen des gesamten interdisziplinären Teams zu bedenken und zu berücksichtigen.
Ist ein Patient nicht mehr ansprechbar, entweder durch
seine Erkrankung aber auch durch die Narkose, kann er seine
Interessen und seine Beschwerden nicht mehr äußern. Daher
ist es umso wichtiger, dass diese Aufgabe die Pflegekraft/OTA
übernimmt.
Patientensicherheit ist ein wichtiges Thema im Gesundheitssystem.
Seit 2005 stellt das Aktionsbündnis Patientensicherheit
Handlungsempfehlungen zur Verfügung, die die Patienten
sicherheit gewährleisten sollen. Ausgewählte Projekte beziehen sich auf
44die Förderung der Händehygiene, um die Zahl der Infektionen zu senken,
44die Einrichtung eines anonymen Meldewesens, um sicherheitsrelevante Ereignisse und Beinahefehler (CIRS,
«critical incident reporting system»; 7 Abschn. 29.4.3) zu
erkennen und zu beheben sowie
44das High-5.-Projekt, das seit 2006 auf internationaler Basis unter der Schirmherrschaft der WHO Maßnahmen
zur Patientensicherheit in Krankenhäusern eingeführt
wurde. Der Name «High5» steht hier für das erklärte Ziel
der WHO, innerhalb von 5 Jahren 5 signifikante Fehler
in 5 Ländern zu minimieren.
Unstimmigkeiten bestehen, muss das eine sofortige Über
prüfung und Benachrichtigung aller Beteiligten nach sich
ziehen. In den meisten Kliniken bekommen die Patienten ein
Identifikationsarmband, trotzdem werden die Daten noch
einmal erfragt. Auch haben viele Krankenhäuser ein Datenbanksystem, aus dem die Information abgeglichen werden
kann.
Technische Identifikationssysteme sind nur ergänzende
Werkzeuge, es muss darauf geachtet werden, dass Identifikationsmerkmale wie Fall- bzw. Patientennummer nicht doppelt vergeben werden.
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Eingriffsverwechslungen, für
eine sichere Patientenidentifikation und Vermeidung unbeabsichtigt belassener Fremdkörper im OP-Gebiet formuliert,
die sog. Team-Time-Out-Regelung (7 Abschn. 4.6.2).
Markierung des Eingriffsorts durch den Operateur im stationären Bereich beim wachen und noch nicht prämedizierten
Patienten. Dabei muss die Patientenakte (richtiger Patient,
richtige Eingriffsart und -ort) mit den Aussagen des Patienten
abgeglichen werden. Die Markierung wird mit einem nichtwasserlöslichen Stift mit eindeutigem Zeichen (z. B. Kreuz/
Pfeil) an der zu operierenden Seite angebracht. Bei mehreren
Eingriffsorten innerhalb einer Operation müssen alle markiert werden.
Sollte eine Markierung nicht möglich sein, z. B. Zähne
oder Schleimhaut darf Schritt zwei entfallen.
4.6.1
Patientenidentifikation
Der Vorgang der Patientenidentifikation ist als Handlungs
anweisung der Krankenhausleitung formuliert und für alle
Mitarbeiter verbindlich. Dabei ist die Identifikation ein
aktiver Vorgang des Erkennens, Wiedererkennens und sich
Vergewisserns.
Besonders weil viele verschiedene Berufsgruppen, Abteilungen und Einrichtungen an der Behandlung eines Patienten
beteiligt sind, sind die korrekte Weitergabe von Informationen und die Überprüfung der Richtigkeit zu jedem Zeitpunkt
unerlässlich.
Das aktive Einbinden des Patienten ist dabei eine Grundvoraussetzung und sobald geringste Unsicherheiten oder
4.6.2
Vermeidung von
Eingriffsverwechslungen
Die Verwechslung eines Eingriffes, einer Körperseite oder
eines Patienten ist ein seltenes, aber dennoch komplett vermeidbares Risiko im klinischen und ambulanten Alltag. Um
die wenigen Fälle zu verhindern, empfiehlt es sich, eine
sichere Kommunikation zwischen den betroffenen Berufsgruppen und dem Patienten zu implementieren.
Für den OP-Bereich bedeutet eine präoperative Pflege
visite, dass der Operateur und ein beteiligter Mitarbeiter der
OP-Abteilung den Patienten vorab kennengelernt haben, der
Patient aktiv bei der Eingriffserkennung und Aufklärung beteiligt wird.
Vier Stufen zur Vermeidung von Eingriffs
verwechslung
j
j1. Schritt
Patientenidentifikation. Jede Unstimmigkeit muss sofort
geklärt werden.
j
j2. Schritt
Jede Unstimmigkeit muss sofort geklärt werden.
j
j3. Schritt
Zuweisung zum richtigen OP-Saal, bestenfalls der Saal, in
dem die Mitarbeiter assistieren, die die Pflegevisite durchführten.
Die Zuweisung erfolgt vor der Anästhesieeinleitung. Dabei wird die Patientenidentifikation, die Eingriffsart, der Eingriffsort, die Markierung (Abgleich mit Akte) geprüft.
Ohne Markierung erfolgt keine Anästhesie.
97
4.7 · Dokumentation und Kommunikation
j
j4. Schritt
Team-Time-Out, definiert als ein ,,letztes Innehalten vor dem
Schnitt».
Das komplette OP-Team konzentriert sich auf die Situa
tion der Patientensicherheit. Initiiert wird das Time-TimeOut durch eine definierte, verantwortliche Person (Operateur, Anästhesist oder der Mitarbeiter der unsterilen Saal
assistenz) unmittelbar vor dem Hautschnitt im OP-Saal.
Diese Prüfung klärt, ob es sich um den richtigen Patienten
handelt (Name, Geburtsdatum), die richtige Eingriffsart am
richtigen Eingriffsort, alle benötigten Bilder vollständig vorhanden sind und ob die benötigten Implantate verfügbar sind.
Erweitert werden kann die Checkliste durch Informationen
zu möglichen Komplikationen, ob sich alle Mitglieder des
Teams mit Namen und Funktion vorgestellt haben, erwarteter
Verlauf, erwarteter Blutverlust, Antibiotikagabe, Allergien,
Ergebnis der Zählkontrolle o. Ä.
>>Alle Punkte werden, unter Zustimmung jedes befrag-
ten Teammitglieds, laut bestätigt und schriftlich dokumentiert. Erst nach korrekter Durchführung des TeamTime-Out wird dem Operateur von der instrumentierenden Kraft das Skalpell gereicht.
Bei Unstimmigkeiten erfolgt kein Schnitt.
??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 4.6
55 Nennen Sie die vier Stufen zur Vermeidung von Eingriffsverwechselungen.
Dokumentation und Kommunikation
4.7
sen jedoch mit entsprechender Begründung dokumentiert
erden.
w
Bei einer EDV-gestützten Dokumentation muss der Mitarbeiter sich mit Benutzername und Kennwort anmelden.
Um Patientenverwechslungen zu vermeiden, werden die
Stammdaten verglichen. Handelt es sich um den richtigen
Patienten, wird mit der Dokumentation von Personal- und
Zeitdaten begonnen.
Allgemeine Angaben
55 Art der Lagerung, Durchführender der Lagerung,
Blutleere/Blutsperre mit Zeit und Druck (7 Abschn.
2.7), Position der Neutralelektrode, Anwendung der
Wärmemittel, Art der Hautdesinfektion und Art der
Saalreinigung (Grund- oder Zwischenreinigung).
55 Alle angewendeten Geräte werden korrekt mit entsprechender Gerätenummer aufgelistet. Bei Anwendung von Röntgenstrahlen sind das benutzte Röntgengerät, die entsprechenden Zeiten und die Dosis
zu vermerken.
55 Durchgeführte Zählkontrollen, eingebrachte Drainagen/Materialien, Verbände/Gipsanlage, angewendete Flüssigkeiten sind in der Dokumentationsmaske
hinterlegt und werden mit einem Mouse-Klick angewählt. Bei Implantaten, Arzneimitteln und separat
geöffneten Materialien wird die Chargennummer
und Anzahl mit angegeben.
55 Histologische und bakteriologische Präparate werden unter der Angabe der Anzahl und der Zuordnung der entsprechenden Nummer aufgelistet
(7 Abschn. 4.9.1).
Candy Agopian
4.7.1
Dokumentation
Die Dokumentation resultiert aus dem Behandlungsvertrag,
den jeder Patient zu Beginn seines Aufenthaltes in der Klinik
unterschreibt. Die Dokumentation dient u. a. der Wahrung
des Persönlichkeitsrechts des Patienten und als Nachweis im
Haftungsfall.
>>Jede Maßnahme an einem Patienten muss vollständig,
wahrheitsgemäß und zeitnah dokumentiert werden.
Die Dokumentation gilt als eine Verbrauchsgüter- und Qualitätskontrolle, Abrechnungsgrundlage und dient der Vermeidung von Mehrfachmaßnahmen.
>>Jede nicht dokumentierte Tätigkeit gilt als nicht durch-
geführte Maßnahme!
Eine korrekt durchgeführte Dokumentation dient ebenfalls
dem Informationsaustausch und der Kommunikation zwischen den beteiligten Behandlungsteams.
Aufzeichnungspflichtig sind wesentliche Fakten, nicht
aber Selbstverständliches. So muss die Art der Lagerung
vermerkt sein, aber nicht das genaue Vorgehen, weil das im
Standard hinterlegt ist. Abweichungen vom Standard müs-
4.7.2
Prozessbezogene aktive
Kommunikation mit Kollegen
und Angehörigen anderer
beteiligter Berufsgruppen
Lernziele
55 Die Auszubildenden stimmen ihre Arbeitsprozesse mit
anderen beteiligten Berufsgruppen ab, um reibungslose
und effektive Arbeitsprozesse zu gewährleisten.
55 Darüber hinaus sind sie in der Lage, diese Arbeitspro
zesse zu koordinieren, indem sie das Schnittstellen
management übernehmen. Sie beurteilen die Koordinationsmaßnahmen und reflektieren die Zusammenarbeit.
Der OP-Bereich ist ein Hochleistungsbereich, deshalb muss
das Ergebnis der Zusammenarbeit aller Berufsgruppen koordiniert und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein,
um das optimale Ziel zu erreichen. Die korrekte Informa
tionsweitergabe ist obligat, die einzelnen Verantwortlichkeiten sind bekannt und Absprachen werden eingehalten.
Alle Arbeitsprozesse sind definiert; werden Unstimmigkeiten oder Schwierigkeiten in der Durchführung bemerkt,
werden sie überarbeitet und der Prozess verändert.
4
98
4
Kapitel 4 · Springertätigkeit
Jeder Mitarbeiter kennt die benutzten Fachbegriffe, kann
aus dem OP-Plan ersehen, welcher Eingriff geplant ist. Abkürzungen sind definiert und werden einheitlich benutzt.
Alle Arbeitsschritte sind in Standards nachzulesen, der eigene
Lernweg kann hinterfragt und mit den Mentoren/Praxis
anleitern verbessert werden. In den Teambesprechungen können eigene Ideen formuliert und kurze Fachbeiträge präsentiert werden.
Kritik wird in der Gruppe sachlich und zielorientiert geäußert und berücksichtigt.
Der Ablauf der Kommunikation verläuft immer in den
gleichen sachlichen Bahnen der Erkenntnisgewinnung, der
kommunikativen Weitergabe dieser Erkenntnisse und der Bewertung durch das Team (7 Abschn. 24.1).
j
jVorausschauende Arbeitsweisen entwickeln
Jeder Mitarbeiter im OP ist gehalten, alle Vorgänge im Saal
zur Kenntnis zu nehmen. Das ist zu Beginn der beruflichen
Tätigkeiten kaum möglich, weil die Konzentration auf das
eigene Tun erhebliche Kraft kostet und jeder Handgriff nicht
selbstverständlich ist. Trotzdem muss jeder versuchen, ein
Ohr und einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf das Geschehen um ihn herum zu fokussieren, um rechtzeitig zu merken,
wenn Probleme bei der Operation, bei der Anästhesie oder
bei einem Mitarbeiter entstehen. Nur wenn Probleme schon
im Entstehen erkannt werden, ist eine zeitnahe Reaktion
möglich. Dieser «Rundumblick» muss geübt und immer wieder überprüft werden.
??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 4.7
55 Mit welchem Ziel wird die Patientendokumentation
durchgeführt? Bedenken Sie bei Ihrer Antwort auch
das OP-Management.
4.8
Präoperative Saalvorbereitung
Candy Agopian
Lernziele
55 Die Auszubildenden können den OP-Saal/Eingriffsraum
präoperativ für den anstehenden Eingriff vorbereiten
und postoperativ den Raum wieder so herrichten, dass
der nachfolgende Eingriff durchgeführt werden kann.
55 Sie können die für den jeweiligen Eingriff benötigten
Instrumente und Materialien zusammenstellen
55 und Personen beim sterilen Ankleiden und dem Herstellen von sterilen Flächen fachgerecht assistieren.
55 Sie können Sterilgüter unter Beachtung der Hygienevorgaben öffnen und anreichen.
55 Die Auszubildenden können die präoperative Patientenvorbereitung fach- und sachgerecht auszuführen.
Jeder Tag im Operationsbetrieb beginnt für die Mitarbeiter
des Funktionsdiensts OP mit den gleichen Handgriffen und
Tätigkeiten, damit alles im Saal funktioniert und die geplanten Operationen durchgeführt werden können. Die Vorberei-
tung des Saals und der Materialien wird im Team von beiden
Mitarbeitern – Instrumentant und Springer – gemeinsam
durchgeführt. Für die präoperative Saalvorbereitung zur ersten geplanten Operation wird das aktualisierte OP-Programm
im Computer abgerufen, damit Änderungen berücksichtigt
werden können.
Der Saal ist gereinigt, die Klimaanlage und die Saaltemperatur sind korrekt eingestellt. Wir beginnen mit dem Saalund Gerätecheck:
44Das Saallicht wird eingeschaltet.
44Der Computer wird hochgefahren und nötige Pro
gramme werden geöffnet.
44Das HF-Gerät wird eingeschaltet und der Funktionstest
durchgeführt.
44Der Sauger wird getestet.
44Die Operationssatelliten werden angestellt und auf ihre
Funktion getestet.
44Alle zusätzlich benötigten Geräte werden in den Saal
geschoben, positioniert und gemäß MPG (7 Abschn. 2.1)
auf ihre Funktion getestet.
44Kabel sind gemäß der Unfallverhütungsverordnung
(UVV) verlegt.
44Erforderliche Reparaturen werden gemeldet.
44Alle verwendeten Geräte werden mit ihrer Geräte
nummer in der OP-Dokumentation des Patienten ein
getragen.
Ein aufgefüllter Tageswagen/Münsterwagen mit Einmalprodukten wird in den Saal gefahren. Der benötigte OP-Tisch
wird vorbereitet und die nötigen Lagerungshilfsmittel bereitgelegt.
Die Instrumentiertische werden vom Springer positioniert und benötigte Dokumentationsformulare (z. B. Histologiezettel, Chargenzettel etc.) werden bereitgelegt.
Entsprechend dem geplanten Eingriff werden Instru
mente und Materialien gemäß Standard zusammengestellt
und auf einem fahrbaren Wagen transportiert. Benötigte Abdeckungen werden entweder als Einmal- oder als Mehrfach
abdeckungen angeboten (7 Abschn. 1.2), in der Regel als Set
für die geplante Operation verpackt.
Benötigte Instrumentensiebe, zumeist in Containern verpackt, Spezialinstrumente, Flüssigkeiten und Verbrauchs
materialien werden zusammengestellt. Bei den Grund- wie
auch den Spezialinstrumenten ist darauf zu achten, in
welcher Form diese verpackt und sterilisiert wurden. Zu
kontrollieren ist, ob die doppelte Umverpackung noch
intakt ist, richtig gelagert wurde und das Haltbarkeitsdatum
stimmt.
Spezielle Einmalmaterialien und Verbandsmaterial werden in einem Korb zusammengestellt, so fallen sie während
des Transports in den OP-Saal nicht herunter. Ist der Saal
vorbereitet, die Materialien und Siebe korrekt zusammen
gestellt und in den Saal gebracht, werden die Instrumententische und Beistelltische vorbereitet.
Der Instrumentant führt eine chirurgische Händedesinfektion durch (7 Abschn. 1.2). Währenddessen bereitet der
Springer das Sterilfeld vor.
99
4.8 · Präoperative Saalvorbereitung
>>Erst jetzt darf das Sieb auf dem sterilen Tisch abgestellt
werden.
..Abb. 4.8
Hilfe beim Beziehen des Instrumententischs
Dazu positioniert er die Sets auf den entsprechenden
Tischen, stellt die Siebe so bereit, dass ein kontinuierliches
und schnelles Öffnen möglich ist.
Das Öffnen der Sets erfolgt in hygienisch sinnvoller Reihenfolge, sodass der Springer sich nicht im Sterilbereich bewegt (von hinten anfangen und nach vorn durcharbeiten).
Geöffnet werden die Sets zu sich hin, ohne über die Sterilfläche greifen zu müssen. Dabei ist zu beachten, dass der
Tisch ausreichend abgedeckt ist und das Abdecktuch genügend Abstand zum Boden hat.
Der Instrumentant erhält einen sterilen Kittel und dreht
sich mit der Vorderseite zum Sterilbereich. Der Springer unter
stützt ihn beim Anziehen, reicht dem Instrumentanten sterile
Handschuhe an und verschließt den Kittel (7 Abschn. 1.2).
Zur Unterstützung beim Beziehen des Instrumentiertischs positioniert sich der Springer hinter dem Tisch, greift
innen in das Ende des Tischbezugs und zieht ihn über die
Ablagefläche (. Abb. 4.8).
Die Instrumentensiebe werden in sinnvoller Reihenfolge
geöffnet. Jeder Container hat eine eigene Chargendokumentation, die kontrolliert wird, wobei entweder mit einem Lesegerät der Barcode eingelesen wird, oder aber das Etikett wird
auf einen dafür vorgesehenen Dokumentationsbogen geklebt
und in die Patientenakte gelegt.
Bei Sieben mit einer Papierverpackung werden diese zunächst äußerlich auf ihre Unversehrtheit überprüft.
Beim Öffnen wird das Papier in vorgegebener Richtung
geöffnet und das Sieb vom Instrumentanten entgegengenommen. Solange der Springer die abschließende Sterilgutkon
trolle durchführt, darf das Sieb nicht auf die sterilen Ablagen
gestellt werden.
Die Sterilgutkontrolle erfolgt in zwei
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