Analgosedierung durchgeführt. Obwohl für diesen Ein
griff die Herz-Lungen-Maschine nicht notwendig ist, sind
eine HLM-Bereitschaft und Anwesenheit eines Kardiotechni
kers erforderlich. TAVI-Eingriffe werden in sog. Hybridsälen
(s. Übersicht und . Abb. 10.24) durchgeführt.
Hybridsaal
55 Ein Hybridsaal (Hybrid hier als Kombination unterschiedlicher Methoden) ermöglicht minimal-invasive,
oft interdisziplinäre Eingriffe am Herzen und den großen Gefäßen mit Hilfe einer leistungsstarken, hoch-
297
10.3 · Herzchirurgie
..Abb. 10.24 Ein moderner Hybridsaal
(Abb. von Prof. Dr. Thorsten Wahlers, Herz
zentrum Uniklinik Köln, mit freundlicher
enehmigung)
G
qualitativen Röntgenanlage und einem Angiomaten
(Kontrastmittelinjektor).
55 Im Optimalfall verfügt der Saal über einen röntgenstrahlendurchlässigen «schwimmenden» OP-Tisch,
der in alle Richtungen bewegt werden kann. Mehrere
Monitore zeigen das aktuelle Röntgenbild, spiegeln
die Messwerte der Anästhesiemonitore, TEE-Bild
(TEE = transösophageale Echokardiographie) usw.
Es ist also eine Mischung von einem Herzkathetermessplatz und einem Operationssaal (. Abb. 10.24).
55 Ein Hybridsaal wird nicht nur von Herzchirurgen, sondern auch von Kardiologen oder Gefäßchirurgen benutzt. So können im OP Eingriffe durchgeführt werden, die früher entweder nicht oder nur sehr erschwert möglich waren (endovaskuläre Prothesen,
MitraClip oder TAVI).
Zuerst wurden die TAVI v. a. transapikal (durch die Herz
spitze, linksanterolateraler Zugang) durchgeführt. Dieser Zu
gangsweg hat in den letzten Jahren nach dem Prinzip «femo
ral first» an Bedeutung verloren. Die meisten TAVI-Eingriffe
werden heute transfemoral durchgeführt. Nur bei sehr
schmalen, sehr sklerosierten und anatomisch ungünstig ge
bogenen Leisten- und Beckengefäßen oder wenn die neue
Klappe in der Mitralposition platziert werden soll, führt man
noch eine transapikale TAVI durch.
Diesen Wandel hat die enorme Entwicklung der letzten
Jahre ermöglicht. Die TAVI-Klappen der neuen Generationen
benötigen mittlerweile nur noch eine 14-F-Schleuse (1 French
[F] oder Charrière [Ch] = 1/3 mm; 14 F = 14 Ch = 4,7 mm).
So wurde die Limitierung durch die Größe der Leisten- und
Beckengefäße fast aufgehoben.
Wir unterscheiden ballonexpandierbare TAVI-Klappen
mit einem Stahlgerüst und selbstexpandierende Klappen auf
einem Nitinolstent (Nitinol ist eine Nickel-Titan-Formge
dächtnislegierung, also ein Metall mit sog. Memory-Effekt.
Nitinol lässt sich im kalten Zustand leicht verformen und er
reicht bei Erwärmung die vorgegebene Form).
Der Zugang zu den Leistengefäßen bei einer transfemora
len TAVI ist meistens perkutan mit Hilfe der Seldinger-Tech
nik. Spezielle Gefäßverschlusssysteme wie ProGlide, Angio
Seal (Fa. Abbot) oder ExoSeal (Fa. Cordis) machen eine Frei
legung der A. femoralis nicht mehr notwendig. So gesehen
wird außer Schleusen, Diagnostikkathetern, weichen und
steifen Drähten, Spülbehältern für die Klappe, Einführsyste
men (Delivery-Systemen), Crimper und einem Ballondilata
tor des jeweiligen Herstellers nur Standardinstrumentarium
benötigt.
Instrumente und Kanülen für eine eventuelle Unterstüt
zung durch die Herz-Lungen-Maschine sowie für eine Not
fallsternotomie müssen griffbereit sein. Sollte der Einsatz ei
ner HLM notwendig sein, erfolgt im Normallfall eine Kanü
lierung durch die Leistengefäße.
Für die TAVI-Operation werden Röntgenkontrastmittel
und Heparinspüllösung vorbereitet.
>>Da eine TAVI-Klappe immer eine biologische Klappe
ist, müssen Spülbehälter mit NaCl-Lösung vorbereitet
werden.
Wird die A. femoralis freigelegt, werden Standardinstrumen
te, ein Wundspreizer und eine 5-0-Polypropylennaht als Ta
bakbeutelnaht zur Sicherung der Schleuse vorbereitet. Des
Weiteren werden Nähte für den Wundverschluss (Faszienund Hautnaht) und ggf. eine Redon-Drainage benötigt.
Der Patient ist am Oberkörper und der Leistenregion ra
siert, beide Arme sind angelagert. Zusätzliche EKG-Elektro
den ermöglichen Messungen während und nach der Implan
tation der neuen Klappe.
Nach der Hautdesinfektion vom Hals bis zu den Knien
wird der Patient standardisiert abgedeckt. Der Zugang zu den
Leisten muss gewährleistet sein. Der Druckmessschlauch und
der Röntgenkontrastmittelschlauch werden an den Springer
10
298
10
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
abgegeben und angeschlossen. Alle Schleusen und Katheter
werden gespült.
Mittels Seldinger-Technik werden die Leisten punktiert.
Ein passagerer Einschwemmschrittmacher wird durch eine
6-F-Schleuse eingeführt und in der rechten Herzkammer
platziert. Die Lage des Schrittmachers wird durch die Erhö
hung der Herzfrequenz am Schrittmachergerät geprüft.
Die Größe der zu implantierenden Klappe wird interdis
ziplinär anhand von CT-Angiographiebildern bestimmt. Es
gibt Software, die solche Bilder dreidimensional umrechnet
und auf einem Monitor im Hybridsaal darstellen kann. Auch
eine Kopplung mit den Live-Röntgenaufnahmen ist möglich.
Zusätzlich wird mit Hilfe der transösophagealen Echokar
diographie (TEE) die ausgemessene Größe bestätigt. Bei
Unsicherheiten kann für die Messung auch ein Ballon der
jeweiligen Firma benutzt werden.
Ein Crimper (eine OP-Fachpflegekraft, OTA, ein Kardio
techniker, ein Kardiochirurg oder Kardiologe) bereitet die
Schleusen und den Ballon für die Herzklappe vor. Dazu wer
den diese entlüftet und die Schleuse mit einer NaCl-HeparinLösung gefüllt. Für den Ballon wird ein NaCl-KontrastmittelGemisch vorbereitet. Dadurch kann der aufgeblasene Ballon
auf dem Röntgenbild sichtbar gemacht werden.
Durch die A. femoralis wird punktiert und ein weicher
hydrophiler Draht durch die Aorta bis zur Aortenklappe ge
führt. Ein Angiographiekatheter (meistens ein Pigtail-Kathe
ter) wird darüber geschoben. Der weiche Draht wird entfernt
und erneut durch die Aorta, durch die Aortenklappe bis in die
linke Kammer geführt. Darüber wird ein Diagnostikkatheter
eingebracht, der weiche Draht wird durch einen harten Draht
ersetzt.
Die 6-F-Schleuse wird durch eine von der jeweiligen Fir
ma zertifizierten und bereitgestellten Schleuse ausgetauscht.
Durch den Pigtail-Katheter, der vor der Aortenklappe liegt,
wird Kontrastmittel gegeben. So wird die genaue Position der
Aortenklappe und der Koronarostien dargestellt.
Wenn notwendig (bei sehr stark verkalkten Aortenklappen
oder bei einigen Herstellern standardmäßig) wird ein Valvu
loplastieballon mit einer vom Crimper vorbereiteten Lösung
(Heparin-NaCl-Kontrastmittel-Gemisch) aufgeblasen und
verdrängt so die verkalkte Klappe (Ballonvalvuloplastie).
Ist die Klappengröße endgültig bestimmt, wird die benö
tigte Klappe vom Crimper gemäß Herstellerangaben angenom
men und gespült. Beim Crimp-Vorgang muss die Aortenklap
penprothese so zusammengedrückt werden, dass sie durch
die vorgegebene Schleuse passt. Hierzu wird die neue Klappe
auf dem Einführkatheter (Delivery-System) mit
einem
Crimp-Gerät angebracht. Bei einer ballonexpandierenden
Prothese enthält das Delivery-System einen Ballon, mit dem
die Klappe entfaltet und positioniert wird. Die korrekte Lage
der Klappe auf dem Katheter wird vom Crimper und Opera
teur kontrolliert.
Klappen, die einen Nitinolstent haben, sind selbstexpan
dierend und erreichen bei Körpertemperatur die vorgegebene
Größe und Form. Beim Crimp-Vorgang wird Eiswasser benö
tigt, denn so lässt sich der Nitinolstent leichter auf die Schleu
sengröße crimpen.
Die so vorbereitete Klappe wird über den steifen Draht
durch die Schleuse in die gewünschte Position geschoben. Die
neue Aortenklappe wird entweder freigesetzt oder mit dem
Ballon entfaltet und verankert sich so im Kalk der alten
Klappe. Während der Implantation muss die Herzfrequenz
mit Hilfe des passageren Schrittmachers erhöht werden, bis
das Herz flimmert. Dadurch wird verhindert, dass sich die
neue Klappe aufgrund der Kontraktion der Kammer während
der Freisetzung verschiebt und falsch positioniert wird. So
könnten z. B. die Koronarostien verlegt werden oder die
Klappe würde sich nicht verankern.
Nun wird die Lage der neuen Klappe auf korrekte Platzie
rung und paravalvulären Leckagen (Blutfluss neben der
neuen Aortenklappe) mit Hilfe von Kontrollangiographie
und TEE kontrolliert. Wenn notwendig, kann die Klappe mit
einem Ballon nachdilatiert werden.
Sitzt die Klappe korrekt, können die Drähte, Katheter und
Schleusen entfernt werden. Die Verschlusssysteme dichten
die Eintrittsstelle der Schleusen ab und verhindern eine Blu
tung.
Mitralklappenchirurgie
Die Mitralklappe liegt zwischen dem linken Vorhof und dem
linken Ventrikel. Sie verhindert den Rückfluss des Blutes in
den Vorhof während der Systole. Die Mitralklappe ist eine
Segelklappe und besteht aus zwei Segeln, deren Form na
mensgebend für die Klappe war, da sie an die Mitra (eine Art
Kopfbedeckung christlicher Bischöfe) erinnert.
Die Mitralklappe ist nicht nur ein Ventil, wie die Taschen
klappen, sondern ein Gebilde, welches durch Sehnenfäden
(Chordae) mit den Papillarmuskeln der Kammerwand ver
bunden ist.
Wie auch bei den Aortenklappen kann die Mitralklappe
insuffizient (undicht) oder verengt sein. Auch kombinierte
Vitien sind möglich.
Die Mitralklappenstenose kann angeboren sein oder
durch Verkalkung, Vernarbung durch rheumatisches Fieber,
Verklebungen der Kommissuren entstehen. Als Folge der Ste
nose kommt es zu einer Überdehnung des Atriums mit Herz
rhythmusstörungen, Lungenstauung und Lungenödem. Im
linken Herzohr können Thromben entstehen, die zu Schlag
anfällen führen können.
Die Mitralklappeninsuffizienz kann ebenfalls angeboren
sein. Weitere Ursachen sind: Endokarditis, Vergrößerung des
linken Ventrikels, Abriss der Chordae infolge einer Vorhof
überdehnung oder eines Infarktes und damit das Umschlagen
des Klappensegels in den Vorhof.
Die Diagnose kann wie auch bei der Aortenklappe mittels
Auskultation, EKG, TEE (transösophageale Echokardiogra
phie) und Herzkatheteruntersuchung festgestellt werden.
Bei der operativen Behandlung unterscheiden wir zwi
schen einem Mitralklappenersatz mit einer biologischen
oder mechanischen Herzklappe und der Mitralklappenrekon
struktion mit einem Anuloplastiering.
Es gibt zwei mögliche Zugangswege:
44mediane Sternotomie oder
44minimal-invasive rechtsanteriore Thorakotomie.
299
10.3 · Herzchirurgie
Es werden die gleichen Instrumente wie bei Aortenklappen
operationen verwendet. Zusätzlich werden Testhaken,
Chordaelängenmessgeräte, Klappen- oder Ring-Sizer (Anu
loplastie-Sizer) der jeweiligen Prothese benötigt. Ein speziel
ler Thoraxsperrer (Cosgrove-Sperrer) ermöglicht eine besse
re Sicht auf die Mitralklappe.
Bei einem minimal-invasiven Zugang werden noch lange
Instrumente, Vorhofhaltehaken, ein kleiner Sperrer für den
anterolateraten Zugang, eine spezielle Aortenklemme (Chit
wood-Klemme), Trokare, ein Endoskopieturm (7 Abschn.
2.2) mit einer 30° 5mm-Optik und Videokamera sowie ein
Haltearm für die Optik benötigt.
j
jMitralklappenersatz
Wird eine mediane
Sternotomie durchgeführt, unterscheiden sich die Vorberei
tung, Lagerung und der Operationablauf bis zu der Kanülie
rung für die HLM nicht von der bei einer Aortenklappenope
ration (s. o.).
Für die HLM benötigen wir die Aortenkanüle und zwei
Ein-Stufen-Kanülen für die V. cava superior und inferior,
zwei Polyesterbänder, mit denen die Hohlvenen umschlun
gen und dicht verschlossen werden. Sind alle Kanülen an die
HLM angeschlossen, kann mit dem extrakorporalen Bypass
begonnen werden.
Die Kardioplegie erfolgt antegrad über eine Aortenwur
zelkanüle.
Der Zugang zu der Mitralklappe erfolgt entweder direkt
durch den linken Vorhof oberhalb der rechten Lungenvenen
oder durch den linken Vorhof und das Vorhofseptum. So
können auch eventuelle Atriumseptumdefekte (wie z. B. das
persistierende Foramen ovale – PFO, 7 Abschn. 10.3.4) ver
schlossen werden. Mit den Haltehaken des Cosgrove-Sperrers
kann die Mitralklappe dargestellt werden. Ein flexibler Saug
katheter saugt das Blut, welches aus den Lungenvenen in den
linken Vorhof kommt, ab.
Die Mitralklappe wird mit Testhaken inspiziert. Wenn
möglich, wird anstatt eines Ersatzes eine Mitralklappenre
konstruktion durchgeführt. Kann die Klappe nicht rekonst
ruiert werden, müssen die erkrankten Anteile reseziert wer
den. Mit dem entsprechenden Messgerät (Sizer) wird die
Größe der Prothese bestimmt. Etwa 12–15 polyfile, beschich
tete, nichtresorbierbare, zweifarbige doppelt armierte und
filzunterstützte Fäden der Stärke 2-0 oder 0 werden abwech
selnd gelegt (. Abb. 10.23).
Die Kontrolle und Vorbereitung der Klappenprothese er
folgen analog wie bei dem Aortenklappenersatz.
Nachdem die Klappennähte geknotet wurden, kann der
Vorhof mit nicht resorbierbaren, monofilen Polyesterfäden
der Stärke 3-0 verschlossen werden. Es folgen nun eine ange
messene Reperfusionszeit und die Anlage des passageren
Schrittmachers. In dieser Zeit kann die Funktion der Klappe
mittels TEE geprüft werden. Nach dem Abgang von der HLM,
Protamin-Gabe und der Entfernung der Kanülen wird die
Kontrolle auf Blutrockenheit durchgeführt.
Der Thoraxverschluss erfolgt wie bei ACVB oder Aorten
klappenoperation.
Zugang über mediane Sternotomie
Beim rechtsanterolateralen Zu
gang wird der Patient mit Hilfe eines Keilkissens unter der
rechten Thoraxhälfte in leichte Seitenlage gebracht. Auf der
linken Seite des OP-Tisches kann der Endoskopieturm posi
tioniert werden.
Da der Einsatz von Schocklöffeln hier nicht möglich ist,
werden Schockelektroden präoperativ so an den Thorax ge
klebt, dass sich das Herz in einer Linie zwischen den Elektro
den befindet.
Der Patient wird vom Hals bis zur Mitte der Oberschenkel
desinfiziert. Die Abdeckung ermöglicht den sterilen Zugang
zu den Leistengefäßen, über die mit Hilfe der Seldinger-Tech
nik die Kanülen für die HLM angeschlossen werden.
Die venöse Kanüle in der V. femoralis reicht bis zum rech
ten Vorhof. Die Lage der Kanüle wird über TEE kontrolliert.
Auch eine zusätzliche venöse Kanüle über die V. jugularis ist
möglich. Die arterielle Kanüle in der A. femoralis communis
reicht bis zu den Beckengefäßen. Beide Kanülen werden mit
Tabakbeutelnähten (monofile Polypropylennähte Stärke 5-0)
und Snears sicher und dicht fixiert.
Nach dem anterolateralen Schnitt auf der rechten Seite
und Präparation der Muskulatur zwischen den Rippen wird
der Sperrer eingelegt. Das Perikard wird eröffnet und mit
Haltefäden an der Thoraxwand fixiert.
Es erfolgen Inzisionen für einen Trokar für die Optik und
die Chitwood-Klemme. Die Kardioplegie wird über eine Ka
nüle in der Aortenwurzel gegeben. Wurde die systemische
Heparinisierung bestätigt, kann die HLM angefahren werden.
Nach dem Klemmen der Aorta ascendens und Kardioplegie
gabe wird der Herzstillstand erreicht. Die Inzision des linken
Vorhofs wird ebenfalls, wie bei einer konventionellen Opera
tion, oberhalb der rechten Lungenvenen durchgeführt. Vor
hofhaltehaken erlauben eine gute Sicht auf die Mitralklappe.
Der weitere Verlauf der Operation unterscheidet sich, ab
gesehen vom speziellen, langen Instrumentarium, nicht von
der Mitralklappenoperation mit medianer Sternotomie (s. o.).
Ein Knotenschieber ermöglicht den sicheren Sitz der
Knoten an der Mitralklappenprothese und an den Atrium
verschlussnähten. Nach der angemessenen Reperfusionszeit,
dem Abgang von der HLM, Protamin-Gabe, Kontrolle auf
Bluttrockenheit, dem Legen der Drainagen und Zählkontrolle
erfolgt der schichtweise Wundverschluss.
Minimal-invasiver Zugang
j
jMitralklappenrekonstruktion
Kann die Mitralklappe rekonstruiert werden, wird diese Me
thode einem Ersatz immer vorgezogen. Die Zugangswege
und der OP-Ablauf sind gleich wie beim Mitralklappenersatz.
Bei einer Stenose durch Verschmelzung der Kommissuren
kann diese mit einem spitzen Skalpell durchtrennt werden
(OP nach Biegelow).
Bei einem Abriss der Sehnenfäden können diese, nach
dem die benötigte Länge gemessen wurde, mit Gore-Fäden
Stärke 4-0 oder 5-0 als sog. Neochordae ersetzt werden. Es
existieren auch bereits vorgefertigte Loop-Fäden in unter
schiedlichen Längen, die die Reparatur der Chordae erleich
tern. Meistens ist der mittlere Anteil des posterioren Segels
der Mitralklappe betroffen. Das Areal wird reseziert und der
10
300
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
entstandene Defekt mit monofilen Polypropylenfäden Stärke
5-0 wieder verschlossen.
Im Falle einer Ringdilatation kann die Mitralklappe mit
Hilfe von einem Anuloplastiering an die anatomischen Ver
hältnisse wieder angepasst werden. Dazu wird die benötigte
Größe mit einem Sizer des geplanten Ringes ausgemessen.
10–12 zweifarbige, polyfile, beschichtete, nichtresorbierbare,
doppelt armiere Fäden der Stärke 2-0 oder 0 werden abwech
selnd vorgelegt. Der Klappenring wird angestochen und die
Fäden anschließend geknotet. Danach erfolgt ein Dichtig
keitstest mit NaCl-Lösung.
Ist die Mitralklappe dicht, wird der Vorhof wie bei Mitral
klappenersatz verschlossen.
Trikuspidalklappenchirurgie
10
Die Trikuspidalklappe liegt zwischen dem rechten Vorhof
und der rechten Kammer. Sie besteht aus drei Segeln, die
durch Chordae mit Papillarmuskeln der rechten Kammer ver
bunden sind. Auch hier kann sowohl eine Klappeninsuffi
zienz als auch eine Stenose auftreten.
Die Trikuspidalklappe wird selten allein operiert. Meis
tens wird in Kombination mit einem Mitralklappeneingriff
eine Rekonstruktion mit einem Anuloplastiering durchge
führt. Die Operation verläuft dann wie bei einer Mitralklap
penrekonstruktion (s. o.).
10.3.4
Fehlbildungen bei Erwachsenen
Durch bessere Diagnostik und auch Fortschritte bei den the
rapeutischen Möglichkeiten bei Neugeborenen und Kleinkin
dern werden die angeborenen Herzfehler bei Erwachsenen
nur noch selten chirurgisch behoben.
Eine bikuspide Aortenklappe verschleißt schneller und
muss ersetzt werden (7 Abschn. 10.3.3).
Septumdefekte – ASD (Atriumseptumdefekt), vor allem
aber VSD (Ventrikelseptumdefekt) sind die häufigsten ange
borenen Herzfehlbildungen. Die Scheidewand zwischen den
Kammern (VSD) oder den Vorhöfen (ASD) weist ein oder
mehrere Löcher auf.
Dadurch, dass in der linken Herzkammer höhere Drücke
herrschen, wird das sauerstoffreiche Blut durch ein VSD in
die rechte Kammer gepumpt. Als Folge dieses Links-rechtsShunts (ein Shunt ist eine Kurzschlussverbindung zwischen
normalerweise getrennten Gefäßen) kann eine Erhöhung des
Druckes im Lungenkreislauf,
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