Mediastinum.
Zum Bauchraum wird der Mittelfellraum durch das
Zwerchfell abgegrenzt.
Die Trachea teilt sich oberhalb der Lunge in zwei Teile
(Bifurkation) und die beiden entstehenden Äste belüften als
Hauptbronchus je einen Lungenflügel. Innerhalb des Flügels
verzweigt sich dieser Bronchus weiter, deshalb sprechen wir
auch vom Bronchialbaum (. Abb. 10.5).
Dort, wo die Bronchien in die Lunge eintreten, sprechen
wir vom Lungenhilus (Lungenwurzel), hier treten auch die
Lungenarterien und -venen sowie die Lymphgefäße in die
Lunge ein.
10.2.1
Thorakale Erkrankungen
Pneumothorax
Sammelt sich im Pleuraspalt Luft, kann die Lunge nicht mehr
anhaften und fällt in sich zusammen. Das Ausmaß der Be
schwerden ist abhängig von der Luftmenge. Je mehr der Lun
genflügel in sich zusammenfällt, desto schwerer fällt dem
Betroffenen das Atmen, weil die Lunge den Bewegungen des
Brustkorbs beim Atmen nicht mehr folgen kann.
Die Ursachen eines Pneumothorax sind vielfältig, wir un
terscheiden außerdem, ob die Luft von innen in den Pleura
spalt gelangt, z. B. durch einen Lungenriss, oder von außen,
durch eine Verletzung, z. B. durch eine Rippenfraktur oder
eine Stichverletzung.
Sind Lungenerkrankungen die Ursache, wie z. B. Lun
genemphysem oder angeborene Blasen im Lungengewebe
(Bullae) muss auch die Grunderkrankung behandelt werden.
283
10.2 · Thoraxchirurgie
Bei traumatischen Verletzungen muss immer diagnostiziert
werden, ob Lungengewebe mit verletzt wurde.
Ein sog. Spontanpneumothorax hat seine Ursache nicht
so selten in ärztlichen Maßnahmen wie ZVK-Anlage oder
Plexusanästhesie, wir sprechen dann von iatrogenen Ur
sachen.
Die Diagnostik besteht im Abhören der Atemgeräusche,
Abklopfen des Brustraums, Röntgen und Sonographie. Eine
Computertomographie wird bei einem ventralen Pneumo
thorax durchgeführt.
Geben sich die Beschwerden nicht oder sind zusätzlich
Flüssigkeit und/oder Blut oder auch Eiter im Pleuraspalt,
muss eine Thoraxdrainage zum Ableiten dieser Flüssigkeiten
gelegt werden.
j
jPleurodese und Pleurektomie
Bei rezidivierenden Pneus oder Pleuraergüssen wird eine
Pleurodese durchgeführt. Dies dient dazu, dass die beiden
Pleuraschichten miteinander verkleben und weder Luft noch
Flüssigkeit im Pleuraspalt die Atmung behindern. Hierzu hat
man zwei Möglichkeiten:
44chemisch mit Reizmitteln, z. B. Talkumpuder,
44Reizung des Gewebes mit Strom oder Argongas.
Bei der chronischen Entzündung der Pleura (Pleuraempyem)
wird eine Pleurektomie, meist thorakoskopisch (VATS),
durchgeführt.
Bei einer Pleurakarzinose ist eine Entfernung onkologisch
nicht sinnvoll.
Zur Entfernung der Pleura wird der Pleurarand darge
stellt, mit einer kräftigen Zange gefasst und abgelöst. Dann
wird sie mit einer Schere abgetrennt. Anschließend wird das
Rippenfell auf dem Zwerchfell und dem Mediastinum mit ei
nem Präpariertupfer aufgeraut, sodass die Lunge wieder mit
dem Rippenfell verkleben kann. Zwei Thoraxdrainagen un
terstützen den Heilungsprozess.
Hämatothorax
Ist Blut im Pleuraspalt, sprechen wir von einem Hämatotho
rax. In der Regel besteht dann auch ein Pneumothorax. Ursa
che sind häufig Einrisse des Lungenparenchyms, z. B. nach
Verkehrsunfällen oder Nachblutungen nach thoraxchirurgi
schen Eingriffen. Hier kann eine Notoperation nötig werden.
j
jThoraxdrainage
Eine Thoraxdrainage ist ein Kunststoffschlauch (12–28 CH),
der durch die Haut über einen Zwischenrippenraum (Inter
costalraum, ICR) in den Pleuraspalt gelegt wird, um Blut, Luft
oder Eiter abzuleiten. Die Drainage kann den Unterdruck im
Pleuraspalt wieder herstellen, sodass eine kollabierte Lunge
sich wieder entfalten kann.
Ein bis zwei Drainagen werden gelegt und an ein System
mit Unterdruck angeschlossen. Über einen ständigen Sog
durch das System wird der Lunge die Entfaltung beim Atmen
ermöglicht. Damit die Drainage sich nicht verschiebt oder
versehentlich herausgezogen wird, wird sie an der Haut mit
einem kräftigen Faden fixiert.
Diese Schläuche haben eine röntgenkontrastgebende
Markierung, sodass die Lage auf einem Röntgenbild über
prüft werden kann.
Auch nach Lungenresektionen werden Thoraxdrainagen
gelegt, um Blutansammlungen zu vermeiden.
>>Nur wenn ein ganzer Lungenflügel entfernt wurde
(Pneumonektomie), darf kein Sog angeschlossen
werden!
Ein großer Teil der Thoraxoperationen dient der Diagnostik.
So hat man über die minimal-invasiven OP-Techniken der
Thorakoskopie (Spiegelung des Brustraums) und der Medias
tinoskopie (Spiegelung des Mittelfellraums) umfangreiche
Möglichkeiten der Gewebeentnahme zur histologischen oder
mikrobiologischen Untersuchung. Viele der therapeutischen
Operationen lassen sich ebenfalls minimal-invasiv oder kom
biniert mit konventionellen Techniken durchführen.
j
jThorakoskopie
Die Betrachtung des Thoraxraums über eine Optik und ein
Kamerasystem («video-assisted thoracoscopic surgery»,
VATS) ermöglicht es, den Zustand der Lunge zu beurteilen,
einen Pneumothorax zu therapieren, Biopsien zu entnehmen
oder kleinere Resektionen durchzuführen.
Der Patient wird mit einem Doppellumentubus intubiert,
die in sich zusammengefaltete Lunge jedoch nicht belüftet,
um einen Spannungspneu mit Mediastinalverschiebung zu
verhindern.
>>Steht auf dem OP-Plan eine Thorakoskopie, müssen
wir immer mit der Möglichkeit rechnen, dass dieser
Eingriff nicht ausreicht und auf eine Thorakotomie (Er
öffnung des Brustraums) umgestiegen werden muss.
Deshalb bereiten wir neben den MIC-Instrumenten und dem
Endoskopieturm (7 Abschn. 2.2) auch Thorakotomieinstru
mente vor, öffnen die Container jedoch primär nicht.
Die MIC-Instrumente enthalten eine 30°-Optik, die Tro
kare benötigen kein Ventil. Zur Präparation kann ein Ultra
schallinstrument benutzt werden. Sollten Tumoren geborgen
werden müssen, sollte ein Bergebeutel dafür bereitliegen.
Der Patient liegt auf der Seite (7 Abschn. 4.5.2) auf der
kein Befund vorliegt. Sollte monopolare Blutstillung geplant
sein, wird die Neutralelektrode am Oberschenkel platziert.
Der OP-Tisch wird im Bereich der Brustwirbelsäule leicht
aufgebogen, damit sich die Zwischenrippenräume besser dar
stellen lassen.
Nach dem standardisierten Team-Time-Out kann nach
der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung mit der
Platzierung der Trokare begonnen werden. Je nach Indikation
benötigen wir zwei oder drei Trokare, die dort positioniert
werden, wo nachher die Drainage ausgeleitet werden soll. Der
erste Trokar wird nach einer Hautinzision mit einem spitzen
Obturator meistens durch den achten ICR (Zwischenrippen
raum) gestochen.
Nach dem Einführen der Optik wird eine Inspektion
durchgeführt, ggf. eine Lungenfasszange eingebracht und der
Lungenflügel gefasst.
10
284
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
Je nach Indikation kann eine Probeexzision genommen,
eine Teilresektion der Lunge durchgeführt (meist mittels ei
nes linearen Klammernahtgeräts) oder die Pleura reseziert
werden, um eine Verklebung der Lunge mit der Brustwand zu
erreichen.
Die Trokare werden entfernt und zwei Drainagen einge
legt, die über die Inzisionen der Trokare ausgeleitet werden.
Nach der sog. Annaht werden die Drainagen an einen Sog
angeschlossen (15–20 mbar). Wundverschluss und Haut
pflaster beenden den Eingriff.
Thoraxtumoren
10
Im Thoraxraum können gut- und bösartige Lungentumoren
entstehen. Lungenmetastasen haben ihre Ursache häufig in
Kolon-, Prostata-, Rektum- und Mammakarzinomen, die alle
über die V. cava ihren Abfluss haben. Das Bronchialsystem
kann Karzinome entwickeln und im Mediastinum können
Geschwulste entstehen.
Ein gutartiger Lungentumor bleibt häufig symptomlos
und gilt eher als Zufallsbefund. Wenn er durch seine Größe
jedoch Beschwerden bereitet, weil er z. B. umliegende Organe
eindrückt, muss er entfernt werden. Die meisten Lungentu
moren sind jedoch bösartig (maligne), das bedeutet, sie
wachsen, indem sie das umliegende Gewebe zerstören, und
sie können Metastasen entwickeln.
Ein gutartiger (benigner) Tumor ist das Hamartom, das
aus einer Mischung vieler in der Lunge vorkommender Ge
webe besteht. Liegen sie im Randbereich der Lunge, bereiten
sie keine Beschwerden, kommen sie am Bronchialsystem vor,
können sie Blutgefäße zerstören. In diesem Fall zeigt der Pa
tient blutigen Auswurf. Da die Entartungsgefahr der Hamar
tome relativ hoch ist, ist eine chirurgische Entfernung sinnvoll.
Ein gutartiges Granulom entsteht aus einer Entzündung,
aber auch eine Tuberkulose kann einen Tumor entstehen las
sen. Ebenso kann eine Infektion mit einem Echinokokkus
Symptome eines Lungentumors hervorrufen (7 Abschn. 7.8).
Häufiger jedoch finden wir im Thoraxraum bösartige
Tumoren, v. a. das Bronchialkarzinom.
Bronchialkarzinom
Die weltweit häufigste Karzinomart ist das Bronchialkarzi
nom. Die Gefahr daran zu erkranken ist bei Rauchern wesent
lich höher als bei Nichtrauchern. Die Symptome sind unspe
zifisch, allerdings sollte jeder lang andauernde Husten abge
klärt werden. Treten Schmerzen, Atemnot und allgemeine
Zeichen wie Gewichtsverlust auf, ist der Tumor oft schon sehr
gewachsen. Wird spät erst erkannt, woran der Patient leidet,
kann es zu Pleuraergüssen, -empyemen, Verschlusspneumo
nien und Paresen des Zwerchfellnervens durch Tumorinfil
tration kommen.
Lungenkarzinome werden eigeteilt in:
44Kleinzelliges Karzinom, es wächst sehr schnell und
bildet schnell Metastasen.
44Nichtkleinzelliges Karzinom, das noch unterteilt wird in:
55Plattenepithelkarzinom,
55Adenokarzinom, das von den schleimbildenden
Zellen ausgeht,
55großzelliges Karzinom,
55Pancoast-Tumor, ein peripheres Bronchialkarzinom,
das jedoch sehr früh in Gewebe der Rippen, der
Wirbelsäule und der Muskulatur einbricht.
j
jDiagnostik
Besteht ein Verdacht auf einen Thoraxtumor, ist ein Röntgen
bild angezeigt. In diesem sind schon Verschiebungen der
thorakalen Organe oder Rundherde (rundlich aussehende
Veränderungen in der Lunge) erkennbar. Zur Bestimmung
der Ausdehnung ist eine Computertomographie sinnvoll. Sol
len Weichteile wie Blutgefäße oder das Herz mit dargestellt
werden, ist ein MRT aussagefähig.
Um Prozesse in dem Bronchialsystem zu erkennen und
einzuordnen, kann eine Bronchoskopie durchgeführt wer
den, hier können Biopsien zur histologischen Untersuchung
entnommen werden.
Spezielle Untersuchungen zur Messung der Lungenkapa
zität, zum Aufsuchen von Fernmetastasen und zur Beurteilung
der Durchblutung der Lunge sind möglich. Das sog. PET-CT
(Positronen-Emissions-Computertomographie) gibt Auf
schluss über die Stoffwechselaktivitäten und ermöglicht damit
eine Aussage zur Dignität (Klassifikation von Tumoren), da
maligne Tumoren einen erhöhten Stoffwechsel h
aben.
j
jLagerung
Um den Thoraxraum chirurgisch zu eröffnen (Thorakoto
mie), stehen verschiedene Wege zur Verfügung. Den Mitar
beitern muss bekannt sein, für welchen Zugang der Operateur
sich entschieden hat und auf welcher Seite der Befund ist, nur
dann kann eine korrekte Lagerung durchgeführt werden. Ist
eine Eröffnung des Thorax durch den Zwischenrippenraum
geplant, wird der Patient nach der Intubation auf der Seite
gelagert, die ohne Befund ist. Der Thoraxraum wird dann
überstreckt, damit der ICR sich aufdehnt. Es gelten alle
bekannten Regeln für eine Operationslagerung (7 Abschn.
4.5.2).
j
jZugangswege
Um in den Brustraum zu gelangen, kann von vorn (anterior)
oder von hinten (posterior) eingegangen werden. Immer wird
versucht, den Zwischenrippenraum nur aufzudehnen und
keine Rippe zu entfernen. Ist das nicht möglich, wird eine
Rippe mit einem Raspatorium von ihrem Periost (Knochen
haut) befreit und mit einer Rippenschere entfernt.
Anterolaterale Thorakotomie
Übersetzt bedeutet das, dass die Schnittführung vorn-seitlich
liegt. Der Hautschnitt führt entlang des unteren Rands des
großen Brustmuskels (M. pectoralis major) und verläuft
bogenförmig bis zur Axilla. Wenn die Präparation bis zur
Rippe erfolgt ist, kann der 3., 4. oder 5. ICR eröffnet werden.
Vielfach wird dazu das HF-Messer benutzt. Bevor ein Tho
raxsperrer (7 Kap. 18) eingesetzt werden kann, werden die
Wundränder mit einem Bauchtuch geschützt. Der Sperrer
wird langsam gespreizt, um den Zwischenrippenraum aufzu
dehnen.
285
10.2 · Thoraxchirurgie
Die Schnittführung liegt hin
ten-seitlich. Dieser Zugang gilt als Standardzugang für viele
Operationen an der Lunge, der Trachea oder dem Ösophagus
und orientiert sich an der Wirbelsäule, dem Schulterblatt und
der Mammilarfalte. Der Hautschnitt verläuft bogenförmig
über dem 5. ICR vom seitlichen Rand des Schulterblatts aus
gehend bis zur Mammilarlinie. Der M. latissimus dorsi (gro
ßer Rückenmuskel) wird elektrisch durchtrennt. Der M. serra
tus anterior wird nur eingekerbt, dann kann der ICR eröffnet
werden. Der Thoraxsperrer wird unter Schonung der Wund
ränder eingesetzt und der Brustraum aufgedehnt.
Posterolaterale Thorakotomie
Clamshell-Inzision Ist es notwendig, an beiden Seiten des
Thoraxraums zu operieren, z. B. bei Metastasen in beiden
Lungenflügeln oder bei einer Lungentransplantation, wird
der Schnitt quer über beide Brustkorbseiten mit Durchtren
nung des Sternums durchgeführt. Dazu muss der Patient in
Rückenlage auf dem Operationstisch gelagert werden. Um
keine außergewöhnlich starken Blutungen zu provozieren,
wird vor der Sternotomie die A. thoracica interna beidseits
aufgesucht und ligiert.
Mediane Sternotomie Ist ein Befund im mittleren Medias
tinalraum diagnostiziert worden, wird das Brustbein in der
Mitte durchgesägt (7 Abschn. 10.3, . Abb. 10.12). Manchmal
genügt eine Teildurchtrennung des Sternums.
Der Schnitt beginnt unterhalb des Jugulums (Drossel
grube) und reicht bis zum Xiphoid (Schwertfortsatz des
Brustbeins). Das Sternum wird mit einem Raspatorium vom
Periost befreit und mit der Sternumsäge durchtrennt.
j
jResektionen an der Lunge
Um einen Teil eines Lungenflügels zu entfernen, gibt es zwei
Möglichkeiten:
44Anatomische Resektion: Bei dieser bilden die vorgege
ben anatomischen Strukturen die Resektionsgrenzen,
zumeist bei malignen Befunden.
44Extraanatomische Resektion: Hier sind die Grenzen der
Resektion nicht durch anatomische Strukturen vorgege
ben, sondern das Gewebe wird um den Befund keilför
mig herum entfernt; dabei wird so viel Parenchym belas
sen wie möglich. Dieses Operationsverfahren kommt bei
gutartigen Prozessen oder bei der Entfernung einzelner
Metastasen zur Anwendung.
j
jSegmentresektion
Die Entfernung eines oder mehrerer Lungensegmente wird
zur Entfernung benigner Tumoren oder entzündlicher Pro
zesse, manchmal auch bei kleinen Karzinomen durchgeführt.
Um ein Segment zu entfernen, muss der betreffende Bron
chus abgesetzt werden. Dafür kommt eine Bronchusklemme
(. Abb. 10.6) oder ein linearer Stapler zum Einsatz (7 Kap. 4,
7 Abb. 4.24).
j
jLobektomie
Soll ein ganzer Lappen der Lunge entfernt werden, sprechen
wir von einer Lobektomie.
..Abb. 10.6 Bronchusklemme. (Mit freundlicher Genehmigung der
Fa. Aesculap AG)
Dazu bereiten wir Grund- und Thoraxinstrumentarium
vor; lineare Stapler und lineare Cutter (7 Kap. 4) liegen bereit.
Alle Instrumente, Textilien und Materialien sind gezählt und
dokumentiert.
Nach der Operationslagerung und der Hautdesinfektion
erfolgt die sterile Abdeckung. Nach dem standardisierten
Team-Time-Out wird über eine anterolaterale Thorakotomie
der Brustraum eröffnet und die Pleurahöhle inspiziert. Um
den Lappen entfernen zu können, müssen die dazugehörige
Arterie, Vene und der Bronchus durchtrennt werden. Die Ge
fäße werden mit einem Overholt oder einer kleinen Gefäß
klemme unterfahren und ligiert. Größere Gefäße müssen
zusätzlich umstochen werden. Nachdem die Gefäße sicher
verschlossen sind, einmal zur Lunge hin, ein zweites Mal zum
Körperinneren (zentral und peripher), wird zwischen beiden
Ligaturen das Gefäß mit einem Skalpell oder einer Präparier
schere durchtrennt. Um den Bronchus absolut dicht abzuset
zen, kann ein abgewinkelter, linearer Stapler zum Einsatz
kommen. Je kürzer der Bronchusstumpf gehalten wird, desto
geringer ist die Gefahr einer Insuffizienz (Schwäche, Unzu
länglichkeit), die zu einer entzündlichen Reaktion führen
würde.
Der Lungenlappen wird mit einer Fasszange angeklemmt
(z. B. nach Duval) und mit einem Klammernahtinstrument
oder dem HF-Messer abgesetzt.
Der Anästhesist kann intraoperativ über ein flexibles
Bronchoskop die Absetzungsstelle inspizieren.
Leidet der Patient unter einer bösartigen Grunderkran
kung, werden die Lymphknoten im Mediastinum entfernt
und einzeln, korrekt beschriftet, zur histologischen Untersu
chung gegeben (7 Abschn. 4.9.1).
Bevor der Thorax verschlossen wird, wird körperwarme
Spüllösung (Ringerlösung oder NaCl) in den Brustraum ge
10
286
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
10.2.2
Mediastinum
Auch im Mittelfellraum können Tumoren entstehen, die ent
fernt werden müssen. Diese Tumoren gehen entweder von der
Lunge oder dem Bronchialsystem aus oder von den Organen
des Mediastinums wie Trachea, Ösophagus, Thymus oder
Lymphsystem, aber auch vom Perikard (Herzbeutel). Im vor
deren Mediastinum kann auch eine vergrößerte Schilddrüse
(Struma) Beschwerden bereiten.
Die Patienten bemerken diese Tumoren häufig erst, wenn
sie so groß sind, dass sie die Atmung behindern oder Schluck
beschwerden resultieren.
Manchmal werden diese Tumoren ausschließlich über
eine Chemo- oder Strahlentherapie behandelt, aber auch eine
Operation kann angezeigt sein. Der Zugang kann endosko
pisch erfolgen, thorakoskopisch oder über eine Sternotomie.
j
jEntfernung eines Mediastinaltumors
10
..Abb. 10.7 Rippenapproximator. (Mit freundlicher Genehmigung der
Fa. Aesculap AG)
bracht, der Anästhesist bläht die verbleibende Lunge. Steigen
Luftblasen auf, sind sie in der Flüssigkeit zu sehen und zeigen,
dass die Lunge nicht dicht verschlossen ist und dass die
Leckagen übernäht werden müssen. Alternativ kann zur
Abdichtung auch Fibrinkleber benutzt werden.
Nach der Blutstillung werden zwei Drainagen eingelegt
und mit einer Naht fixiert. Instrumente, Textilien und Ein
wegmaterialien werden gezählt und der Zählstand dokumen
tiert. Die überstreckte Lagerung wird aufgehoben, damit ein
Verschluss ohne Spannung erfolgen kann. Wird ein Lokal
anästhetikum um den betreffenden Interkostalnerven ge
spritzt, hat der Patient postoperativ weniger Beschwerden bei
der Atmung. Nun kann der Zwischenrippenraum mit resor
bierbarem Nahtmaterial verschlossen werden. Manchmal
wird dafür ein Instrument eingesetzt, das die überdehnten
Zwischenrippenräume wieder zusammenführt, der Rippen
approximator nach Bailey (. Abb. 10.7). Eine Hautnaht been
det den Eingriff.
Werden zwei Lappen der Lunge entfernt, nennen wir
das Bilobektomie. Da die linke Lunge nur zwei Lappen hat,
die rechte jedoch drei, ist dieser Eingriff nur rechts möglich.
Würde man links die beiden Lappen entfernen, hieße die
Operation dann Pneumonektomie.
Manchmal ist es aus Gründen der Radikalität nötig, Teile
des Bronchialsystems zu entfernen. Um eine Belüftung der
Lunge zu gewährleisten, werden die verbleibenden Bronchien
miteinander durch eine End-zu-End-Anastomose verbun
den, wir sprechen dann von einem bronchoplastischen Ein
griff.
Über die Spaltung des Brustbeins (Sternotomie) wird der
Tumor dargestellt und ausgeschält. Besonderes Augenmerk
ist auf den Aortenbogen und die großen Gefäße wie A. caro
tis und A. brachiocephalica zu legen. Der Sternumverschluss
erfolgt wie im Kapitel der Kardiochirurgie beschrieben
(7 Abschn. 10.3).
Auch über Zugangswege oberhalb (kollare Mediastinoto
mie) oder neben dem Sternum (parasternale Mediastinoto
mie) ist der Mediastinalraum erreichbar.
Mediastinitis
Wir unterscheiden die akute von der chronischen Mediasti
nitis, die eine Entzündung des Mittelfellraums bezeichnet.
Ursachen können chirurgische Eingriffe oder absteigende
Entzündungen aus dem Mund und Rachenraum sein. Perfo
rationen der Trachea oder des Ösophagus sind ebenso als
Ursache möglich wie Tumoren. Eine Mediastinitis kann
lebensbedrohlich sein und muss sofort therapiert werden.
Der Patient bemerkt diese Erkrankung durch Fieber und
Atembeschwerden, manchmal ist der Hals angeschwollen
und es bestehen Schluckbeschwerden. Da diese Entzündung
durch Bakterien hervorgerufen wird, kommt eine antibioti
sche Therapie in Frage.
j
jMediastinoskopie
Um Lymphknotengewebe für eine Gewebeuntersuchung bei
Verdacht auf ein Lymphom oder ein Sarkom zu entnehmen,
führt man eine Mediastinoskopie durch.
>>Die zu biopsierenden Lymphknoten liegen sehr nah an
den großen Gefäßen, was die Operation gefährlich
macht. Deshalb muss eine Notfallsternotomie jederzeit
möglich sein!
Über einen Einschnitt über dem Jugulum wird die Hals
muskulatur mit Haken beiseite gehalten, manchmal muss die
untere Schilddrüsenarterie (A. thyreoidea inferior) unter
bunden werden. Nach der Inzision der Halsfaszie wird die
Luftröhre dargestellt und danach das Mediastinoskop einge
führt. Unter Sicht und ständiger Präparation mit dem Sauger
287
10.3 · Herzchirurgie
wird die Trachealbifurkation dargestellt. Über verschiedene
Arbeitsinstrumente können Gewebematerialien und/oder
Lymphknoten entnommen werden. Auch hier ist es von enor
mer Wichtigkeit, dass die Gewebeproben absolut korrekt be
schriftet in die histologische Untersuchung gegeben werden,
da von dem Ergebnis das Ausmaß der Therapie abhängt
(7 Abschn. 4.9.1).
Tracheateilresektionen werden ebenfalls über den Media
stinalraum durchgeführt.
10.2.3
Thoraxdeformitäten (Trichterbrust)
Korrekturen an der knöchernen Brustwand werden nötig,
wenn die Verformung der Brustwand den Patienten physisch
und/oder psychisch einschränkt.
Als Trichterbrust wird eine Fehlbildung bezeichnet, bei
der die Rippen durch Verformungen des Knorpels nach innen
gewölbt sind und so eine Delle im Brustkorb entsteht. In der
Regel ist diese Erkrankung angeboren und verstärkt sich im
Wachstum der Pubertät. Bei großen Verformungen kann die
Herzleistung oder die Lungenkapazität eingeschränkt sein.
Die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen, zu
meist Jungen, ist enorm.
Die operative Behebung der Trichterbrust ist durch unter
schiedliche Methoden möglich, meistens wird der Knorpel
entfernt und der die Rippen umgebende Schlauch aus Kno
chenhaut belassen. Das Sternum wird angehoben und die
Rippen am Sternum mit Drähten oder Spangen fixiert.
Eine weitere Methode ist, die Rippen und das Brustbein
zu durchtrennen und umgekehrt wieder einzusetzen, sodass
eine Vorwölbung resultiert.
Die Methode der Wahl ist heute die Operation nach Nuss.
j
jOperation nach Nuss
Dabei wird über einen kleinen Zugang seitlich des Sternums,
häufig endoskopisch, eine Spange aus Metall unter das Brust
bein gebracht und so an den Rippen befestigt, dass das Ster
num nach außen gedrückt wird. In den folgenden Jahren des
Wachstums verformt sich der Brustkorb dann nach außen.
Nach der Stabilisation des knöchernen Brustraums kann die
Spange entfernt werden.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 10.2
55 Was ist ein «Pneumothorax»?
55 Wozu dient eine Thoraxdrainage und wie funktioniert
sie?
55 Welche Strukturen müssen bei einer Lobektomie
abgesetzt werden?
55 Worin besteht die Gefahr bei Operationen am Mediastinum?
10.3
Herzchirurgie
Waldemar Fechner, Nora Krischke-Ramaswamy, Margret Liehn
Lernziele
55 Die Auszubildenden verstehen Abläufe der typischen
operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der
Herzchirurgie und sind in der Lage, bei diesen Eingriffen
vorausschauend und situationsgerecht zu instrumen
tieren.
55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Herzchirurgie, deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen.
55 Dazu erarbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse der
anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen
Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie.
Die Herzchirurgie als Spezialgebiet existiert noch gar nicht so
lange. Sie entwickelte sich aus der Allgemeinchirurgie und
wurde nach der Einführung der Herz-Lungen-Maschine
(1958) zu einem Spezialgebiet, das Operationen am schlagen
den und am stillstehenden Herzen sowie den großen Gefäßen
(Aorta ascendens, Aortenbogen) ermöglichte.
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