Gefäßmuskulatur und wird z. B. an der A. mammaria
interna verwendet. So können Spasmen des arteriellen
Bypasses und somit ein Bypassverschluss vermieden
werden.
Gleichzeitig – häufig durch ein zweites Chirurgenteam – wird
die V. saphena magna bzw. parva, alternativ die A. radialis
präpariert. Auch hier werden die Seitenäste mit Titanclips
verschlossen.
Das Perikard wird eröffnet und die Hochnähte gelegt.
Dazu werden an allen Seiten des Herzbeutels geflochtene,
resorbierbare Nähte angebracht und auf dem Hautniveau
angeklemmt. Dadurch ist die Sicht auf das Herz und die Aorta
frei.
Nun erfolgt die Vorbereitung für die Kanülierung. Dazu
werden an der distalen Aorta ascendens und am rechten Her
zohr Tabakbeutelnähte mit nicht resorbierbaren, monofilen
Polypropylennähten der Stärke 3-0 oder 4-0 gelegt. Die Ta
bakbeutelnaht für die Plegiekanüle wird ebenfalls vorbereitet.
Die Gefäße werden mit einem spitzen Skalpell inzidiert,
die Kanülen platziert und die Tabakbeutelnähte mit einem
Silikonschlauch (Snear) festgezogen und fixiert, sodass die
Kanülierungsstelle gesichert ist und dicht bleibt. Nachdem die
Kanülen an die Schläuche der HLM angeschlossen werden,
kann der extrakorporale Kreislauf beginnen.
Die Aorta wird proximal der Aortenkanüle mit einer Ge
fäßklemme verschlossen, die Kardioplegielösung verabreicht
und der Herzstillstand wird hervorgerufen.
Bei ACVB wird antegrad, je nach Operateur oder Haus
standard, normo- oder hypotherme Kardioplegie verwendet.
Die Präparation der Koronargefäße an der geplanten Ana
stomosenstelle wird mit dem runden Koronarmesser (. Abb.
10.16a) durchgeführt. Mit einem spitzen Koronarmesser
(. Abb. 10.16b) wird das Gefäß inzidiert und die Inzision mit
einer Potts-Smith-Schere erweitert. Mit einer Koronarsonde
kann das zu anastomosierende Gefäß sondiert werden.
Die peripheren (distalen) Anastomosen werden in Endzu-Seit-Technik mit nicht resorbierbaren, monofilen, doppelt
armierten Polypropylennähten der Stärke 7-0 oder 8-0 ge
näht. Zuerst wird das venöse Bypassmaterial verwendet. Die
LIMA wird meistens an die LAD angeschlossen. Sind alle
Anastomosen an den Koronargefäßen fertig, kann die Aor
tenklemme geöffnet werden. Die Reperfusionszeit beginnt
und das Herz kann wieder schlagen. Wurde eine hypotherme
Kadioplegielösung verwendet, kann das Blut in der HLM wie
der erwärmt werden. Sollte Kammerflimmern auftreten, wird
mit den Schocklöffeln das Herz defibrilliert.
Die zentralen (proximalen) Anastomosen an der Aorta
können also am schlagenden Herzen durchgeführt werden.
Dazu wird die Aorta mit z. B. einer Satinsky-Klemme (7 Abb.
7.25) tangential ausgeklemmt. Die Aortenwand wird inzidiert
und mit einem Aortenpunch (. Abb. 10.13) können Öffnun
gen für die Anastomosen gestanzt werden. Das Bypassmate
rial wird auf die benötigte Länge gekürzt und mit nicht resor
bierbaren, monofilen, doppelt armierten Polypropylenfäden
der Stärke 6-0 oder 7-0 angenäht. Der fertige Bypass wird z. B.
mit einer 0,4 mm dünnen Injektionskanüle entlüftet.
Es erfolgt die Kontrolle der Anastomosen auf Blutungen.
Ein passagerer Schrittmacher wird am Ventrikel und rechten
Vorhof fixiert. Dadurch, dass die zentralen Anastomosen am
schlagenden Herzen durchgeführt wurden, ist eine zusätzli
che Reperfusion meistens nicht mehr notwendig.
Schlägt das Herz wieder normal und es sind keine akuten
Veränderungen am EKG sichtbar, kann mit der Dekanülie
rung begonnen werden. Zuerst wird die venöse Kanüle ent
fernt. Die vorgelegten Tabakbeutelnähte werden zugezogen
und verknotet. Es erfolgt Protamingabe, um die Blutgerin
nung wieder zu normalisieren. Die Aortenkanüle wird ent
fernt. Auch hier wird die Tabakbeutelnaht zugezogen und
verknotet.
Die Thoraxdrainagen werden eingelegt. Bei einer ACVB
werden meistens 2 Drainagen verwendet.
Nach der Kontrolle auf Bluttrockenheit und der Blutstil
lung wird die Zählkontrolle durchgeführt. Das Perikard wird
mit einer resorbierbaren, geflochtenen Naht verschlossen.
Der Sternumverschluss erfolgt durch Zuggurtung (Cerclage)
10
294
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
..Abb. 10.20
Sternumdraht (Beispiel: Fa. Resorba)
mit 4–8 mit einer Trokarnadel armierten Sternumdrähten der
Stärke 5 oder 7 (. Abb. 10.20). Für die Cerclage werden ent
sprechend stabile Nadelhalter (wire Twister) benötigt. Nach
dem die Drähte vorgelegt wurden, erfolgt eine Kontrolle auf
Bluttrockenheit und die erneute Zählkontrolle. Erst dann
kann das Sternum zugezogen, die Drähte überkreuzt und in
einander verdreht, mit einem Seitenschneider gekürzt und
verdrillt werden. Die freistehenden Enden werden umge
bogen. Der schichtweise Wundverschluss und ein Verband
beenden den Eingriff.
10
10.3.3
Herzklappenersatz
Das menschliche Herz hat 4 Herzklappen: die Trikuspidal-,
Pulmonal-, Mitral- und die Aortenklappe. Die Herzklappen
verhindern einen Rückstrom des Blutes.
Die Pulmonalklappe und die Aortenklappe sind Taschen
klappen und liegen zwischen einer Herzkammer und dem
entsprechenden Ausflussgefäß (Truncus pulmonalis bzw.
Aorta), die Mitralklappe und die Trikuspidalklappe hingegen
sind Segelklappen und liegen zwischen einem Vorhof und
einer Kammer.
Die am häufigsten operierte Herzklappe ist die Aorten
klappe.
Von 32.346 Herzklappenoperationen im Jahr 2015 in
Deutschland wurden durchgeführt (Deutsche Gesellschaft
für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie 2016):
4411.183 konventionelle Aortenklappenoperationen,
449.831 katheterunterstützte Aortenklappenimplantationen
(TAVI),
441.372 kombinierte Aorten- und Mitralklappenopera
tionen,
446.027 Mitralklappenoperationen (davon wurde die
Klappe bei 2/3 der Fälle rekonstruiert).
Aortenklappenchirurgie
Die Aortenklappe sitzt zwischen der linken Herzkammer und
der aufsteigenden Aorta. Dort sorgt sie als eine Art Ventil
dafür, dass das Blut in der Erschlaffungsphase (Diastole) von
der Aorta nicht in die Kammer zurückfließt.
Wir unterscheiden zwei verschiedene Funktionsstörun
gen der Aortenklappe:
44die Aortenklappeninsuffizienz (wenn die Klappe nicht
dicht schließen kann) und
44die Aortenklappenstenose (wenn sich die Klappe nicht
genug öffnet).
Ist eine insuffiziente Klappe auch gleichzeitig verengt, spricht
man von einem doppelten Vitium (lat. Vitium = Fehler,
Synonym für Fehlfunktion).
Bei der Aortenklappeninsuffizienz fließt in der Diastole
das Blut in die linke Herzkammer zurück und kann zu einer
Ventrikeldilatation und im Endeffekt zu einer Herzschwäche
führen.
Die Ursachen für eine Aortenklappeninsuffizienz ist
meistens eine Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut,
der Herzhöhlen und der Herzklappen). Diese kann zu Ver
narbungen und Deformation der Klappentaschen führen.
Eine Endokarditis kann durch bakterielle Infektionen (z. B.
im Hals, Zahnbereich, rheumatische Prozesse) oder angebo
rene Herzfehler (z. B. eine bikuspide Aortenklappe, Septum
defekte) entstehen. Auch der natürliche Verschleiß begünstigt
durch Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Rauchen kann
zu einer Insuffizienz führen.
Die oben genannten Ursachen können auch zu einer
Aortenklappenstenose führen. Die häufigste Ursache ist
hier jedoch die altersbedingte Verkalkung der Aorten
klappe. Bei der Verengung der Aortenklappe kommt es im
Laufe der Zeit zu einer Herzmuskelhypertrophie, die zu
nächst symptomfrei verläuft. Typische Symptome einer fort
geschrittenen Aortenklappenstenose sind Synkopen (plötz
liche Bewusstlosigkeit), Atemnot und Angina pectoris
(Brustenge).
Die Verdachtsdiagnose kann durch die Untersuchung der
Herzgeräusche mittels Stethoskop gestellt werden (Auskulta
tion). Um diese zu bestätigen, wird ein EKG und eine Echo
kardiografie (Ultraschalluntersuchung) durch die Thorax
wand oder durch die Speiseröhre – TEE (transösophageale
Echokardiographie) durchgeführt.
Zusätzlich kann eine Herzkatheteruntersuchung die
Funktion der Herzklappe unter der Gabe von Kontrastmittel
im Röntgenbild sichtbar machen.
Die Aortenklappe kann über unterschiedliche Wege er
setzt werden:
44über einen konventionellen Zugang, eine Sternotomie,
44minimal-invasiv über eine partielle Sternotomie oder
anterolaterale Thorakotomie,
44TAVI: transfemoral (Zugang über die Leiste und die
Beckengefäße) oder
44transapikal (links anterolateral) in der Höhe der Herz
spitze (s. u.).
j
jAortenklappenprothesen
Die Aortenklappe kann mit einer biologischen oder einer
mechanischen (alloplastischen) Prothese ersetzt werden.
Die mechanischen Klappenprothesen sind meist
2-Flügel-Klappen (. Abb. 10.21a). Die karbonhaltigen Flü
gel sind extrem hart und können ein Leben lang halten.
Der Nachteil hier ist, dass der Patient lebenslang ein blut
verdünnendes Medikament (meistens Marcumar) einneh
men muss, damit sich keine Blutgerinnsel an der mecha
nischen Klappe bilden können. Diese könnten die Funk
tion der Klappe beeinträchtigen oder zu Schlaganfällen
führen.
295
10.3 · Herzchirurgie
a
b
..Abb. 10.21a, b Aortenklappenprothesen: a mechanische Klappe
(Beispiel: Fa. Sorin Carbomedics, jetzt LivaNova), b biologische Aortenklappe aus Rinderperikard (Beispiel: Carpentier-Edwards Perimount,
Fa. Edwards Lifesciences)
Für mechanische Klappenprothesen gibt es spezielle Klap
pentester, mit denen die Funktion und Lage der neuen Klappe
geprüft werden können.
Die biologische Aortenklappenprothese ist eine 3-Ta
schen-Klappe (. Abb. 10.21b) aus Rinderperikard oder vom
Schwein. Es gibt Klappen mit einem Stent (mit Polyester um
manteltes Metallgerüst zur Stabilitätserhaltung und einem
Nahtring) und ohne (sog. Freestyle-Klappe). Nahtlose Klap
pen auf einem Stentgerüst (wie z. B. Perceval, Fa. Sorin/Liva
Nova, oder Intuity Elite, Fa. Edwards) können mit einem Bal
lon platziert werden. Bioklappen werden vor allem bei älteren
Menschen ab ca. 60–65 Jahren eingesetzt. Eine Ausnahme
bilden junge Frauen mit noch nicht abgeschlossener Famili
enplanung, da die Marcumar-Gabe in der Schwangerschaft
kontraindiziert wäre. Die biologischen Klappen können de
generieren und haben eine Lebensdauer von bis zu 10–15
Jahren, sie müssen dann ggf. ersetzt werden.
j
jAortenklappenersatz
Die Vorbereitung des Patienten und die Lagerung unterschei
den sich nur wenig von den oben beschriebenen Maßnahmen
bei einer ACVB.
Der Patient ist vom Hals bis zum Sprunggelenk rasiert, oft
wird ein Bein zirkulär bis zum Knöchel (wie bei ACVB) des
infiziert.
Außer den Grund- und Gefäßinstrumenten (Aorten
klemme), einer Sternumsäge sowie Schocklöffeln werden
spezielle Klappeninstrumente benötigt: Rongeur, Testhaken,
Klappenmessgeräte (sog. Sizer) der jeweiligen Firma der
neuen Klappe. Sollte eine biologische Klappe verwendet
werden, sind mehrere Spülbehälter notwendig.
Für den Anschluss an die HLM werden Kanülen wie
die Aortenkanüle (. Abb. 10.10a), venöse Zweistufenkanüle
(. Abb. 10.10b), eine Linksventrikeldrainage (. Abb. 10.10g),
eine antegrade oder retrograde Plegiekanüle für die Kardio
plegielösung und evtl. zwei Ostiumkatheter (. Abb. 10.10d–f)
benötigt.
Für die Tabakbeutelnähte brauchen wir das gleiche Mate
rial wie bei der ACVB. Zusätzlich wird für die Tabakbeutel
naht zur Sicherung des Linksventrikelkatheters (Vent) ein 3-0
oder 4-0 Faden vorbereitet. Für die Klappenprothese werden
..Abb. 10.22
Filzunterstütze Klappenähte (Beispiel: Fa. B. Braun)
12-15 geflochtene, beschichtete, doppelt armierte und filz
unterstützte Polyesternähte der Stärke 0 oder 2-0 benötigt
(. Abb. 10.22). Der Aortotomieverschluss wird mit 2 filzar
mierten monofilen Polypropylennähten der Stärke 4-0 durch
geführt.
Das Sternum wird mit Stahldrähten verschlossen. Resor
bierbare, polyfile Fäden Stärke 1 werden für die Perikard
hochnähte und für die Fasziennaht benötigt. Die Haut wird
mit resorbierbaren, monofilen Fäden genäht.
Nach dem Team-Time-Out kann die mediane Sternoto
mie durchgeführt werden, das Perikard wird eröffnet und
Hochnähte angebracht.
Das Heparin wird durch den Anästhesisten injiziert.
Die Kanülierung verläuft wie bei einer ACVB (7 Abschn.
10.3.2) Zusätzlich wird über die rechte obere Lungenvene in
den linken Ventrikel die Linksventrikeldrainage (. Abb.
10.10g) angebracht. Auch diese wird mit einer Tabakbeutel
naht und einem Snear gesichert.
Die Kardioplegiegabe erfolgt, je nach Vitium (s. o.) entwe
der ante- oder retrograd. Bei einer Aortenklappenstenose
kann antegrade Kardioplegie gegeben werden. Bei einer Aor
tenklappeninsuffizienz wird retrograde Kardioplegie in den
Sinus coronarius verabreicht. Nach dem Eröffnen der Aorta
kann die Kardioplegielösung direkt über die Ostiumkatheter
(. Abb. 10.10f) in die Koronarostien infiltiert werden (7 Abschn. 10.3.1).
Um Luftembolien zu vermeiden, kann das OP-Gebiet auf
die Dauer der OP mit CO₂ geflutet werden. CO₂ ist schwerer
als Luft und verdrängt diese aus dem Thorax. Sollte nach dem
Verschluss der Aorta noch CO₂ in der Herzkammer oder der
Aorta verbleiben, lösen sich die Gasbläschen wesentlich
schneller als Luft auf und verursachen keine Embolien.
Die Aorta wird quer eröffnet, die Aortenwand mittels
nicht resorbierbarer, meist monofiler Haltefäden (z.B. 4-0,
ggf. filzunterstützt) aufgespannt. Die Präparation und Entfer
nung der Aortenklappe erfolgt mit einer Schere und bei star
ken Kalkablagerungen mit einem Rongeur (7 Abschn. 8.8.2,
7 Abb. 8.31).
10
296
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
..Abb. 10.23 Aortenklappenersatz mit einer mechanischen Klappenprothese (Abb. von Prof. Dr. Thorsten Wahlers, Herzzentrum Uniklinik
Köln, mit freundlicher Genehmigung)
10
Die Aortenklappe wird mit einer Messvorrichtung (Klap
pensizer) der geplanten Prothese ausgemessen (. Abb. 10.18).
Die Prothese wird nach Sichtkontrolle (Größe, Haltbarkeit,
Temperaturindikatoren bei Bioklappen) vom Springer ange
geben, die instrumentierende Kraft nimmt sie mit einem für
die Klappe bestimmten Haltegriff (Holder) an. Eine mecha
nische Klappe bedarf keiner speziellen Vorbereitung, eine
biologische hingegen muss gemäß den Herstellerangaben in
physiologischer Kochsalzlösung gespült werden. Dadurch
wird die Fixationslösung (meistens Glutaraldehyd) ausgewa
schen.
!!Cave
Glutaraldehyd ist giftig, daher müssen die Bioklappen
nach Herstellerangaben gespült werden. Auch der
Springer, der die Bioklappenprothese angibt, muss
Handschuhe tragen!
Alle drei Kommissuren der zu erneuernden Klappe werden
mit Fäden markiert. Danach werden die restlichen Nähte vor
gelegt und angeklemmt. Für die Aortenklappe werden ca.
12–15 polyfile, beschichtete, nichtresorbierbare, doppelt ar
mierte und filzunterstützte Fäden der Stärke 2-0 oder 0 benö
tigt. Diese Nähte sind zweifarbig: weiß und grün und werden
abwechselnd gelegt. So können Verwechslungen vermieden
werden und die Wahrscheinlichkeit, dass zwei benachbarte
Fäden zusammengeknotet werden, ist wesentlich geringer.
Die Filze (Pledgets) verteilen die Zugkraft und dichten zu
sätzlich den Ring (Anulus) der Klappe ab. Das Risiko von
paravalvulären Leckagen (Blutfluss neben der neuen Aorten
klappe) wird dadurch geringer.
Nachdem alle Fäden vorgelegt wurden, wird der Ventrikel
gespült, damit eventuell vorhandene lose Kalksplitter aus der
Herzkammer entfernt werden können.
Die neue Klappe wird eingenäht und die vorgelegten Fä
den geknotet.
Der Aortotomieverschluss wird mit zwei filzarmierten,
monofilen Polypropylennähten der Stärke 4-0 durchgeführt.
Nach der Entlüftung der Herzkammer und der Aorta kann
die Aortenklemme geöffnet werden. Die Reperfusion beginnt
und dauert etwa 1/3 der Ischämiezeit.
Die Linksventrikeldrainage und der Kardioplegiekatheter
werden entfernt. Es erfolgt die Blutungskontrolle der Aorto
tomienaht. Über eine transösophageale Ultraschalluntersu
chung (TEE) wird die Funktion der neuen Klappe kontrol
liert.
Ein passagerer Schrittmacher wird implantiert. Dieser
kann, sollten keine Arrhythmien (7 Abschn. 10.3.4) auftreten,
nach etwa fünf Tagen entfernt werden.
Zur Dekanülierung werden die venöse und arterielle Ka
nüle entfernt und die vorgelegten Tabakbeutelnähte geknotet.
Die Protamin-Gabe erfolgt durch den Anästhesisten.
Eine Thoraxdrainage wird eingelegt. Der Sternumver
schluss erfolgt wie bei der ACVB.
j
jAortenklappenrekonstruktion
Es gibt mittlerweile einige Methoden, die Aortenklappe zu
rekonstruieren. Bei der OP nach David (Tirone Esperidiao
David, kanadischer Herzchirurg) wird eine Ausweitung der
Aortenbasis, die eine Klappeninsuffizienz zur Folge hat, be
hoben. Dabei wird die Klappe entfernt und in eine Gefäß
prothese, durch die die aufsteigende Aorta ersetzt wird, so
eingenäht, dass die Klappentaschen dicht schließen. Auch die
Koronarostien müssen bei der OP in die Gefäßprothese ein
genäht werden.
Bei der OP nach Yacoub (Sir Magdi Habib Yacoub, ägyp
tisch-britischer Chirurg) wird die erweiterte Aortenwand
entfernt und eine zurechtgeschnittene Prothese an die Aor
tenklappe genäht. So können anatomische Verhältnisse wie
derhergestellt werden.
j
jTAVI («transcatheter aortic valve implantation»),
katheterunterstützte Aortenklappenimplantation)
Wie der Name «TAVI» schon sagt, wird hier die Aortenklappe
nicht ersetzt, sondern in die bestehende Klappe implantiert.
Dieses minimal-invasive Verfahren eignet sich für Patien
ten, die an einer schweren Aortenklappenstenose leiden, und
für solche mit einem sehr hohen operativen Risiko, hohem
Alter und/oder vielen Begleiterkrankungen. Auch eine Im
plantation in eine bereits vorhandene, degenerierte biologi
sche Klappe ist möglich.
Eine TAVI wird normalerweise am schlagenden Herzen,
oft in
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