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coinad

4/7/26

 Es werden an­

geborene und erworbene sowie verletzungsbedingte Erkran­

kungen therapiert.

Die Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in den Indus­

trieländern zu den häufigsten Erkrankungen.

Jährlich werden in 78 herzchirurgischen Fachabteilungen

in Deutschland rund 125.000 Herzoperationen durchgeführt,

davon etwa 52.000 Bypass-Operationen.

10.3.1


Kardiochirurgisches Basiswissen


Herz-Lungen-Maschine

Die Herz-Lungen-Maschine (HLM; . Abb. 10.8) ermöglicht

Operationen am stillstehenden Herzen. Sie übernimmt für

die Dauer der Herzoperation die Funktionen von Herz und

Lungen.

Dabei wird die Pumpfunktion von einer mechanischen

Rollenpumpe übernommen, ein Oxygenator versorgt das Blut

mit Sauerstoff und entfernt das Kohlendioxid (. Abb. 10.9).

Ein Hypothermiegerät reguliert den Wärmehaushalt und

dient der Kühlung bzw. der Wiedererwärmung des Bluts. Bei

einigen Herzoperationen ist eine Herabsenkung der Körper­

temperatur auf 34° oder sogar unter 30°C notwendig.

Um die Sicherheit des Patienten zu erhöhen, sind in die

Herz-Lungen-Maschine mehrere Sensoren mit Regel- und

Alarmvorrichtungen eingebaut wie Druck-, Luftblasendetek­

tor und Niveauregulierung. Während das Blut durch die

Herz-Lungen-Maschine gepumpt wird, durchströmt es auch

einen arteriellen Filter, der Luft zurückhält.

Die Bedienung der HLM obliegt einem Kardiotechniker.


10


288


Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie


Das Medikament der Wahl ist Heparin. Die Dosierung

erfolgt abhängig vom Körpergewicht des Patienten, wobei

die übliche Dosierung ca. 300 IE (internationale Einheiten)

Heparin pro 1 kg Körpergewicht beträgt. Zur Kontrolle wird

die ACT («activated clotting time») gemessen – das ist die Zeit,

in der das Blut gerinnt. Für den HLM­Anschluss ist ein ACT­

Wert >400/450 s notwendig. Dieser Wert wird alle 30 min

regelmäßig kontrolliert.

> Die systemische Heparinisierung muss vor dem An­


schluss an die HLM vom Chirurgen mit den Kardiotech­

niker und Anästhesisten klar kommuniziert werden.


Nach Beendigung der Operation und Abstellen der HLM,

nachdem das Herz die Pumpfunktion wieder übernommen

hat, muss die physiologische Blutgerinnung wieder hergestellt

werden. Dafür wird ein Heparin­Antagonist Protamin in

gleicher Dosis wie Heparin gegeben. Die Gerinnung wird

ebenfalls über die ACT kontrolliert und sollte im Normbe­

reich zwischen 100 und 150 s liegen.

j

HLM­Kanülen


10

. Abb. 10.8


Herz-Lungen-Maschine (HLM)


j

Systemische Heparinisierung


Bevor ein Patient an die Herz­Lungen­Maschine angeschlos­

sen werden kann, muss er ein Medikament erhalten, das die

Blutgerinnung verhindert. Sonst besteht die Gefahr, dass das

Blut in den Schläuchen oder im Filter der HLM gerinnt und

die Arbeit der HLM dadurch beeinträchtigt wird.

. Abb. 10.9 Extrakorporaler Kreislauf:

Das venöse Blut fließt aus den Hohlvenen in

ein Reservoir. Von hier wird es mit einer Rolleroder Zentrifugalpumpe durch den Oxygenator, den Wärmetauscher und einen Filter zurück in die Aorta befördert. Aus: Siewert JR,

Stein HJ (2012) Chirurgie, mit integriertem

Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg

New York


Mit den unterschiedlichen Kanülen wird der Anschluss an

die HLM gewährleistet. Die Drainage des sauerstoffarmen

Bluts erfolgt je nach Operation mittels zwei einstufigen

Venenkanülen (. Abb. 10.10c) für die obere und untere

Hohlvene, oder einer Zweistufenkanüle (. Abb. 10.10b), die

über den rechten Vorhof bis in die untere Hohlvene gescho­

ben wird.

Die venösen Kanülen müssen luftdicht angeschlossen

werden, sodass keine Luft in die Schläuche der HLM gelangen

kann.

Die Aortenkanüle (. Abb. 10.10a) wird im distalen,

bogennahen Bereich der aufsteigenden Aorta (Aorta ascen­

dens) platziert und ebenfalls dicht angeschlossen.


10


289

10.3 · Herzchirurgie


..Abb. 10.10a–g HLM-Kanülen: a Aorten­

kanüle (Beispiel: Fa. Maquet), b Zweistufenkanüle (Beispiel: Fa. Maquet), c Einstufenkanüle

(Beispiel: Fa. Maquet), d Antegrade Kardio­

plegie­kanüle, Aortenwurzelkanüle (Beispiel:

Fa. Med­tronic), e Retrograde Kardioplegie­ka­

nüle (Beispiel: Fa. Medtronic), f Ostiumkatheter,

selektive Kardioplegie (Beispiel: Fa. Sorin

Group), g Linksventrikeldrainage, Vent (Beispiel: Fa. Medtronic)


a


b


c


d

f

e


g


Der Durchmesser der Kanülen ist abhängig von der

­Körpergröße des Patienten.

Zusätzlich werden, je nach Kardioplegieart, eine ante­

grade Aortenwurzelkanüle, retrograde oder zwei selektive

Kardioplegiekanülen benötigt (. Abb. 10.10d–f).

Für die Entlastung der linken Herzkammer bei einer ge­

klemmten Aorta wird eine Ventrikeldrainage (Vent-Katheter)

benötigt. Diese kann entweder über die Aortenwurzelkanüle

oder direkt über eine Drainage über die rechte obere Lungen­

vene und den linken Vorhof erfolgen (. Abb. 10.10g).

Bei einigen speziellen Eingriffen (z. B. minimal-invasive

Eingriffe an der Mitralklappe) wird die Herz-Lungen-Ma­

schine an den Leistengefäßen angeschlossen. Dabei wird die

venöse Kanüle durch die Vena femoralis bis zum rechten Vor­

hof vorgeschoben. Das oxygenierte Blut von der HLM kommt

über eine arterielle Kanüle in der A. femoralis communis und

A. iliaca externa. Auch ein Anschluss über die A. subclavia ist

möglich.

j

jKardioplegie


Während einer Herzoperation muss der Herzmuskel nicht

nur stillgelegt (griechisch Plegie = Lähmung), sondern auch

geschützt werden (Myokardprotektion), um die Ischämiezeit

(die Zeit, in der das Herz nicht durchblutet wird) unbeschadet

überstehen zu können. Dazu wird die Kardioplegielösung

verwendet. Diese wird über verschiedene Zugangswege mit­

tels einer Kardioplegiekanüle verabreicht:

Die Aorta wird punktiert, und die

Lösung wird durch eine antegrade Kardioplegiekanüle

(. Abb. 10.10d) in die aufsteigende Aorta unterhalb der vom

Kardiochirurgen gesetzten Aortenklemme verabreicht. So

kann die Kardioplegielösung durch die Koronarostien (Ein­

mündungen der Koronararterien) den Herzmuskel erreichen

und den Herzstillstand hervorrufen.


Antegrade Kardioplegie


Selektive Kardioplegie Wird die Aorta eröffnet (z. B. wäh­

rend einer Aortenklappenoperation), kann die Kardiople­

gielösung mittels Ostiumkatheter (. Abb. 10.10f) direkt in die

Koronarostien instilliert werden.


Sollte die Aortenklappe undicht

sein, würde die Kardioplegielösung nicht nur in die Koronar­

ostien, sondern v. a. in die linke Herzkammer fließen. Diese

Plegie wäre ineffektiv. In solchen Fällen ist entweder die

­selektive (s. o.) oder retrograde Kardioplegiegabe durch den

Sinus coronarius (Koronarvenensinus, ein Zusammenfluss

der Koronarvenen, der in den rechten Vorhof mündet) mög­

lich. Die Lösung fließt durch die Koronarvenen, dann durch

die Koronararterien bis zu den Ostien (retrograder Kardio­

plegiekatheter (. Abb. 10.10e).


Retrograde Kardioplegie


j

jKardioplegielösungen


Je nach Temperatur unterscheiden wir folgende Kardio­

plegielösungen:

44normotherme Kardioplegie (z. B. nach Calafiore),

44hypotherme Kardioplegie (z. B. nach Brettschneider oder

Buckberg).

Die hypotherme Kardioplegie ermöglicht durch die Ver­

ringerung des Sauerstoffbedarfs längere Ischämiezeiten. Die

Kardiogplegiegabe kann bei Bedarf wiederholt werden. Der

Operateur entscheidet, je nach Indikation, Hausstandard

oder Erfahrung, welche Art der Kardioplegie er bevorzugt.

j

jReperfusion


Wird die Aortenklemme geöffnet, fließt wieder Blut durch die

Herzkranzgefäße. Die Reperfusionszeit beginnt. Die Kardio­

plegielösung wird ausgeschwemmt und das Herz beginnt zu

schlagen. Wurde das Herz mittels hypothermer Kardioplegie

stillgelegt, muss das Blut wieder erwärmt werden.


290


Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie


..Abb. 10.12


10


Sternumsäge


..Abb. 10.11 Chirurgische Zugänge. Mediane Sternotomie (a), partielle superiore Sternotomie (b), partielle inferiore Sternotomie (c), links

anteriore Thorakotomie (d), rechts anteriore Thorakotomie (e), links anterolaterale Thorakotomie (f). Aus: Liehn M et al. (Hrsg) (2016) OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium, OP-Ablauf, 6. Aufl. Springer, Berlin

Heidelberg New York


Die Reperfusionszeit, also die Zeit der Entwöhnung von

der Herz-Lungen-Maschine, dauert etwa 1/3 der Ischämiezeit

bis zur Wiederaufnahme der Pumpfunktion des Herzens im

Sinusrhythmus.


Zugangswege


..Abb. 10.13 Einweg-Aortenpunch (Beispiel: Fa. Teleflex; oben) und

Mehrweg-Aortenpunch (Beispiel: Fa. Fehling; unten)


Am häufigsten wird eine mediane Sternotomie durchgeführt

(. Abb. 10.11). Das Brustbein (Sternum) wird längs in der

Mitte mit einer Sternumsäge (. Abb. 10.12) durchgesägt.

Wird das Sternum nur teilweise, bis zum 3. oder 4. Zwischen­

rippenraum, durchtrennt, sprechen wir von einer partiellen

superioren bzw. inferioren Sternotomie.

Für minimal-invasive Eingriffe eignet sich eine links- bzw.

rechtsanteriore/anterolaterale Thorakotomie.


Instrumentarium

Neben den Grundinstrumenten gibt es in der Herzchirurgie

einige Spezialinstrumente. Mit der Sternumsäge wird das

Brustbein durchtrennt. Es handelt sich hier um eine spezielle,

druckluft- oder akkubetriebene Stichsäge mit einem «Schuh»,

der das darunterliegende Herz vor einer Verletzung schützt

(. Abb. 10.12).

Alternativ bzw. standardmäßig bei einer Resternotomie

(aufgrund der möglichen Verwachsungen kann die Sternum­

stichsäge nicht benutzt werden) wird eine oszilierende Säge

benutzt.

Mit dem Aortenpunch/Aortenstanze werden in der

­Aorta Löcher für die proximalen Bypassanastomosen ge­

stanzt (. Abb. 10.13).

Während einer Herzoperation müssen Gefäße vorüberge­

hend verschlossen werden. Dazu werden Gefäßklemmen


..Abb. 10.14 Verschiedene Bulldog-Klemmen


benötigt. Mit einer Bulldog-Klemme (. Abb. 10.14) wird z. B.

die A. mammaria interna abgeklemmt.

Für den Verschluss der Aorta ascendens ist ein kräftiges,

aber weich klemmendes Instrument nötig, das die Aorta

komplett quer verschließt, z. B. die Aortenklemme nach De­

Bakey-Morris oder Crafoord (. Abb. 10.15).

Mit einem runden Koronarmesser (. Abb. 10.16a) wer­

den die Koronarien präpariert. Dazu wird das Gewebe, das

über den Gefäßen liegt, abgeschoben. Mit einem spitzen Ko­

ronarmesser (. Abb. 10.16b) wird das Koronargefäß inzidiert.


291

10.3 · Herzchirurgie


..Abb. 10.15 Aortenklemme nach Crafoord (oben) und nach DeBakey-­

Morris (unten)


a

..Abb. 10.17


IMA-Sperrer


b


..Abb. 10.16a, b Koronarmesser: a rund, b spitz (Beispiel: Fa. Fumedica)


Dieser Einstich wird mit einer gewinkelten Schere nach PottsSmith erweitert. Für die Anastomosen werden Mikropinzet­

ten und Mikronadelhalter benutzt.

Der IMA-Sperrer (. Abb. 10.17) wird für die Präparation

der A. mammaria interna (IMA) benötigt. Seine spezielle

Form erlaubt es, das Sternum an der Seite anzuheben, an der

die A. mammaria präpariert werden soll. Es gibt also sowohl

LIMA- (für die linke A. mammaria interna) als auch RIMASperrer (für die rechte IMA).

Für Operationen an den Herzklappen werden ebenfalls

spezielle Instrumente benötigt. Mit einem Rongeur (7 Abschn. 8.8.2, . Abb. 8.31) werden Verkalkungen entfernt. Wird

eine Herzklappe ersetzt, kommen Messinstrumente (Sizer;

. Abb. 10.18) zum Einsatz. Diese sind herstellerspezifisch und

dürfen nur für die Klappenprothese benutzt werden, für die

sie tatsächlich bestimmt sind. Für biologische Klappenpro­

thesen benötigen wir zusätzlich 2–3 Spülbehälter, in denen

die neue Herzklappe nach Herstellerangaben gespült wird.

Für minimal-invasive Eingriffe werden Instrumente mit lan­

gem Schaft benötigt.

10.3.2


Koronare Herzkrankheit (KHK)


Die KHK ist eine chronische Erkrankung und gehört zu den

häufigsten Erkrankungen des Herzens.

Die Koronargefäße (griechisch korona = «Krone»,

«Kranz») umhüllen das Herz wie ein Kranz und versorgen

den Herzmuskel mit Blut. Solche Gefäße, die der Selbstversor­

gung des Organs dienen, werden «Vasa privata» genannt (la­

teinisch vas = «Gefäß» und privatus = «eigen», «persönlich»).


..Abb. 10.18 Sizer-Set für mechanische Klappenprothesen (Beispiel:

Fa. CryoLife, On-X)


Die Herzkranzgefäße entspringen kurz oberhalb der

­Aortenklappe. Bei der Bezeichnung einiger Koronararterien

haben sich, zusätzlich zu den lateinischen, auch die engli­

schen Namen durchgesetzt. Es gibt die rechte (RCA = «right

coro­nary artery») und eine linke Koronararterie (LCA = «left

coronary artery»). Bis zu der ersten Gabelung der linken

­Koronararterie spricht man vom Hauptstamm (Truncus

communis). Dieser ist etwa 10 mm lang und teilt sich in den

Ramus interventricularis anterior (RIVA oder LAD = «left

anterior descending») und den Ramus circumflexus (RCX).

Zu den Risikofaktoren, die die Entstehung von KHK be­

günstigen, gehören: Rauchen, Adipositas, arterielle Hyper­

tonie, Diabetes mellitus, mangelnde Bewegung, erhöhte LDLCholesterinwerte, genetische Prädisposition und Stress.


Koronarstenose

Die Verengung oder sogar der Verschluss eines oder mehrerer

Herzkranzgefäße verursachen eine Durchblutungsstörung

(Ischämie) und somit eine Unterversorgung des Herzmuskels

mit Sauerstoff und in der Folge eine Schädigung des Herz­

muskels. Es kommt zum Herzinfarkt.


10


292


10


Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie


..Abb. 10.19 Prinzip der koronaren Bypasschirurgie. Aus: Liehn M

et al. (Hrsg) (2016) OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium,

OP-Ablauf, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


Je nachdem, wie stark und wie viele Gefäße betroffen sind,

können die Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein. In

manchen Fällen bemerkt der Patient nichts, es kann aber auch

zu einer Angina pectoris (Brustenge) mit starken Schmerz­

attacken und einem Druckgefühl hinter dem Sternum kom­

men. Oft strahlen die Schmerzen in die Schulter und in die

Arme aus. Manchmal berichten die Patienten über Luftnot,

Angst und Übelkeit.

Die Diagnostik beginnt mit einem EKG und einem Blut­

test. Im Falle eines Infarktes sind EKG-Veränderungen sicht­

bar und die Werte der Herzenzyme (z. B. Creatinkinase –

­CK-MB, Troponin) erhöht. In einem Herzkatheterlabor lässt

sich mittels Kontrastmitteldarstellung der Herzkranzgefäße

(Koronarangiographie) das Ausmaß der Veränderungen

und die Lage der Stenosen sichtbar machen.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC =

­European Society of Cardiology) empfiehlt eine Katheter­

behandlung innerhalb der ersten 90 Minuten. Zeit spielt in

der Behandlung des Herzinfarktes eine wichtige Rolle!

Im Herzkatheterlabor wird direkt nach der Koronarangio­

graphie die interventionelle Therapie mit einem Dilatations­

ballon (PTCA = perkutane transluminale coronare Angio­

plastie) und einem oder mehreren Stents durchgeführt. Ist

dies nicht möglich, werden die Koronarien über eine Bypass­

operation wiederhergestellt.

j

jKoronararterienbypass


Ein Koronararterienbypass ist eine Überbrückung der Ver­

engung oder des Verschlusses einer Koronararterie, um die

Durchblutung des nachgeschalteten Gefäßabschnitts sicher­

zustellen.


Dieser Bypass wird als ACVB für «aorto-coronarer VenenBypass» bezeichnet, jedoch wird heute auch die im englischen

Sprachraum übliche Abkürzung CABG für «coronary artery

bypass graft» verwendet.

Meist wird die Operation unter der Verwendung einer

Herz-Lungen-Maschine bei Herzstillstand durchgeführt, je­

doch kann der Eingriff auch am schlagenden Herzen ohne

HLM durchgeführt werden: OPCAB für «off-pump coronary

artery bypass». Der Zugang erfolgt jeweils durch Eröffnung

des Brustkorbs über eine mediane Sternotomie.

Darüber hinaus existieren minimal-invasive Zugangs­

wege wie:

44MIDCAP («minimally invasive direct coronary artery

­bypass») – hier erfolgt der Zugang über eine linksante­

riore Thorakotomie, oder

44TECAB für total endoskopischen Koronararterien-Bypass

(«totally endoscopic coronary artery bypass»).

Als Bypassmaterial eignen sich Arterien und Venen:

44linke A. thoracica interna, (engl. «left internal mammary

artery», LIMA = linke A. mammaria),

44rechte A. thoracica interna (RIMA),

44A. radialis,

44A. gastroepiploica (selten),

44V. saphena magna,

44V. saphena parva.

Das Prinzip der koronaren Bypasschirurgie fasst . Abb. 10.19

zusammen.

Die Bypässe, für die arterielles Material benutzt wird,

funktionieren länger als venöse Bypässe. Ein weiterer Vorteil

ist die Tatsache, dass bei einem LIMA-Bypass nur eine Anas­

tomose notwendig ist. Die LIMA wird meistens an den Ramus

interventricularis anterior (RIVA/LAD) angeschlossen.

Vor allem bei jungen Patienten wird ausschließlich arteri­

elles Material für die Bypässe benutzt. Häufig nutzt man hier

die T-Graft-Technik. Hier wird z. B. die RIMA oder die A. ra­

dialis an die LIMA und ein Koronargefäß angeschlossen.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 51.941 Bypass-Ope­

rationen durchgeführt (Deutsche Gesellschaft für Thorax-,

Herz- und Gefäßchirurgie 2016).


Aortokoronarer Venenbypass (ACVB)/

«coronary artery bypass graft» (CABG)

Der Patient ist vom Hals bis zum den Sprunggelenken rasiert,

auch die Leistenregion ist frei, sodass notfalls ein Zugang zu

den Leistengefäßen möglich ist.

Auf einem geraden Tisch erfolgt die Rückenlagerung

nach Hausstandard. Beide Arme sind angelagert. Wird die

A. radialis entnommen, muss der betroffene Arm ausgelagert

werden.

Zusätzlich zum Grundinstrumentarium und der Sternum­

säge werden auch spezielle Koronarinstrumente (Koro­nar­

messer, Koronarsonden), Gefäßklemmen, Mikroinstru­

mente, Aortenpunch und ein IMA-Sperrer benötigt (7 Abschn. 10.3.1).

Die Kanülen für den HLM-Anschluss werden nach Ab­

sprache mit dem Operateur, abhängig der Körpergröße des


293

10.3 · Herzchirurgie


Patienten und der ausgewählten Kardioplegie, durch die Kar­

diotechnik vorbereitet.

Für eine ACVB werden eine Aortenkanüle, eine venöse

Zweistufenkanüle und eine antegrade Kardioplegiekanüle

(Aortenwurzelkanüle) benötigt. Für die Sicherung der Kanü­

len mit Tabakbeutelnähten werden nicht resorbierbare,

­monofile Polypropylennähte der Stärke 3-0 oder 4-0 sowie

Snears (Tourniquet, Silikonschläuche) zum Fixieren der Ta­

bakbeutelnähte vorbereitet.

Alle Materialien, Instrumente, Nadeln und Textilien wer­

den gezählt und dokumentiert. Der Patient wird vom Kinn

bis zu den Knöcheln desinfiziert. Je nach benötigtem Bypass­

material werden beide Beine und ein Arm zirkulär abge­

waschen.

Nach der Hautdesinfektion mit gefärbtem Hautdesinfek­

tionsmittel und der Einhaltung der Einwirkzeit wird die ste­

rile Abdeckung angebracht. Danach werden alle benötigten

Schläuche und Kabel abgegeben und mit den entsprechenden

medizintechnischen Geräten verbunden. Das Anschlusskabel

der Schocklöffel wird zur Anästhesie abgegeben und am De­

fibrillator angeschlossen. Die HLM-Schläuche werden vom

Instrumentierenden angenommen und für den Anschluss an

die Kanülen bereitgelegt.

Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird eine

mediane Sternotomie durchgeführt. Die Blutstillung an der

Kortikalis des Sternums kann mit hochfrequentem Strom,

aber auch mit Knochenwachs durchgeführt werden.

Der IMA-Sperrer (. Abb. 10.17) wird eingesetzt, die linke

A. thoracica interna (LIMA) und ggf. die RIMA werden prä­

pariert.

Die IMA bleibt in situ (vor Ort). Sie wird nur distal abge­

setzt und nach proximal, Richtung A. subclavia, freipräpa­

riert, wobei die Abgänge mit Titanclips verschlossen werden.

Kurz bevor die IMA abgesetzt wird, erfolgt die Heparingabe

durch den Anästhesisten. Nach der Präparation wird die IMA

mit einer Bulldog-Klemme verschlossen und in eine Kom­

presse mit Paveron gelegt.

>>Paveron hat eine erschlaffende Wirkung auf die glatte


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