Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel die betroffene Arterie
dargestellt, indem ein Katheter über die Leistenarterie ein
geführt wird. Über diesen Katheter wird das Kontrast
mittel appliziert und ggf. ein Ballonkatheter benutzt, um
das Gefäß aufzudehnen, sog. perkutane transluminale
Angioplastie (PTA). Ist davon auszugehen, dass diese Auf
dehnung nicht von Dauer sein wird, kann an der verengten
Stelle eine Gefäßstütze (Stent; 7 Abschn. 10.1.3) platziert
werden, die dauerhaft die Öffnung gewährleistet. Allerdings
neigen Gefäßstents dazu, im Laufe der Zeit über die Eng
stelle zu rutschen, deshalb sind regelmäßige Kontrollen
nötig. Im fortgeschrittenen Stadium muss ein konventio
neller (offener) operativer Eingriff durchgeführt werden
(7 Abschn. 10.1.3), der den betroffenen Gefäßabschnitt er
weitert oder ersetzt. Wenn diese Maßnahmen versagen, ist
nur noch eine Amputation des betroffenen Bereiches der
Extremität möglich.
..Tab. 10.2 Stadieneinteilung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK)
Einteilung
Kennzeichen
Stadium I
Keine Beschwerden, trotz
Gefäßveränderungen in den Beinen
Stadium IIa
Schmerzen ab einer Gehstrecke
von 200 m
Stadium IIb
Schmerzen ab einer Gehstrecke
unter 200 m
Stadium III
Schmerzen in Ruhe
Stadium IV
Beingeschwüre, Nekrosen
(abgestorbenes, schwarzes Gewebe)
275
10.1 · Gefäßchirurgie
Arterienverletzungen
Wir unterscheiden direkte von indirekten Arterienverletzun
gen, beides sind Indikationen für einen sofortigen chirurgi
schen Eingriff.
44Direkte Arterienverletzung: Durch einen Unfall oder
einen chirurgischen Eingriff wird eine Arterie mit einem
scharfen Gegenstand (Messer, Skalpell, Glas) durch
schnitten. Auch äußere Gewalteinwirkungen wie Schussund Messerstichverletzungen bezeichnet man als direkte
Arterienverletzungen. Es kommt sofort zu pulsierenden
Blutungen.
44Indirekte Arterienverletzungen: Wenn durch eine
Gelenkluxation oder ein stumpfes Trauma (z. B. ein Ver
kehrsunfall, bei dem das Lenkrad in den Bauch gepresst
wird) eine Arterie reißt, ohne dass die Haut verletzt sein
muss, sprechen wir von einer indirekten Verletzung.
Diese kann durch umgebendes Gewebe noch gedeckt
sein, sodass sich eine Blutung zwischen den Gefäßwand
anteilen bilden kann.
Chronischer Arterienverschluss
Die Ursache eines chronischen Verschlusses liegt meistens
in einer Arteriosklerose. Ein Charakteristikum für die
chronische Ursache ist, dass das Blut versucht, sich andere
Bahnen zu suchen und Umleitungswege findet, sog. Kolla
teralen. Diese können arterielle Verschlüsse teilweise kom
pensieren.
Chronische Durchblutungsstörungen bzw. Verschlüsse
kommen häufig in der A. carotis vor, die Loslösung solcher
Gerinnsel führt zum Apoplex (Schlaganfall), deshalb ist
eine chirurgische Ausschälung dieser Schlagader oft indiziert
(7 Abschn. 10.1.3).
Aneurysmen
Eine weitere Erkrankung ist das Aneurysma, das eine Aus
sackung der Gefäßwand bezeichnet. Dies kann angeboren
aber auch erworben sein und ist an allen Arterien möglich
(z. B. an Aorta, A. poplitea, Aneurysmen der Hirnarterien
etc.)
Es gibt drei Formen eines Aneurysmas:
44Echtes Aneurysma (Aneurysma verum): Hier sind alle
drei Schichten erweitert, zumeist aufgrund einer Arte
riosklerose. Wenn diese Wand des Gefäßes dem Druck
nicht mehr standhält und einreißt, kommt es zu einer
massiven Blutung.
44Falsches Aneurysma (Aneurysma falsum oder spuri
um): Hier ist die Innenwand des Gefäßes eingerissen, die
Media ist oft mit betroffen, die Adventitia kann intakt
sein. Es entwickelt sich ein mit der Arterie in Verbin
dung stehendes Hämatom (pulsierend), das von den um
gebenden Organen abgedeckt wird und die Blutung tam
poniert, sodass die akute Blutung erst später bemerkt
wird.
44Dissezierendes (trennendes) Aneurysma (Aneurysma
dissecans): Hier blutet es zwischen den Schichten einer
Arterie (als Folge einer Aufsplitterung der Wandschich
ten) und bildet eine weitere Blutstrombahn.
>>Die Gefahr besteht in einer lebensbedrohlichen Ruptur,
die einen sofortigen chirurgischen Eingriff nötig macht.
Bei Aneurysmen in Gefäßen des Beines kann durch die Be
wegung der Muskulatur die Thrombenansammlung in den
Kreislauf gelangen, die Folge sind akute Gefäßverschlüsse.
Viele Aneurysmen sind symptomlos und werden nur zu
fällig entdeckt. Bei Bedarf, je nach Größe, Art oder Lage, wer
den sie entfernt, denn an der Aorta und den Hirnbasisgefäßen
können sie jederzeit platzen und zum Tod führen.
Aortenaneurysma
Ist die Hauptschlagader ausgesackt, sprechen wir von einem
Aortenaneurysma. Das kann es im Bauchraum geben (Bauch
aortenaneurysma, BAA), meistens unterhalb der Abgänge
der Nierenarterien, und im thorakalen Bereich (thorakales
Aortenaneurysma, TAA) oder auch thorakoabdominal in
beiden Körperhöhlen (TAAA).
Für die Behebung eines BAA gibt es zwei Behandlungs
methoden, deren Anwendung abhängig von der Größe und
der Lokalisation des Aneurysmas und vom Zustand des
atienten ist:
P
44Bei einem offenen chirurgischen Eingriff wird die Aorta
durch eine Gefäßprothese aus Polyesterfasern (Dacron)
oder PTFE (Poly-Tetra-Fluor-Ethylen), einem Polymer
aus Fluor und Kohlenstoff (= Kunststoff), ersetzt,
44bei einem minimal-invasiven Eingriff wird eine intra
luminale Aortenprothese wie ein großer Stent über einen
Katheter in der Aorta platziert.
Zerebrovaskuläre Insuffizienz
Dieser Begriff bezeichnet eine Unzulänglichkeit der Blutver
sorgung im Gehirn, meistens durch Arteriosklerose bedingt.
Der Patient empfindet Schwindelgefühle, hat Gedächtnis
störungen, manchmal kommt es vorübergehend zu Läh
mungserscheinungen und anderen neurologischen Anfällen,
wie TIA (transitorisch ischämische Attacke), PRIND (prolon
giertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit) oder
einem Insult (Schlaganfall, auch Gehirnschlag genannt).
10.1.3
Gefäßchirurgisches Basiswissen
Um in der Gefäßchirurgie souverän zu werden, benötigt es
viele Informationen, die im Vorfeld eingeholt werden müssen.
Nur wer seine Instrumente, Medikamente und Implantate
kennt, kann sie korrekt anreichen und eine Patientengefähr
dung vermeiden.
Medikamente
Die meisten Medikamente sind farblos. Damit es keinesfalls
zu Verwechslungen kommen kann, muss es im OP einen
Kennzeichnungsstandard geben, der für jeden Mitarbeiter
verbindlich ist. Das bedeutet, dass die einzelnen Lösungen so
kodiert werden, dass jeder weiß, was in den einzelnen Schäl
chen und der jeweiligen Spritze enthalten ist. Das kann mit
farbigen Bändern oder Kappen in der Spüllösung gewähr
10
276
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
..Tab. 10.3.
Markierung der Spritzen und Schälchen
Medikament
Markierung
Actilyse
roter Loop um die Spritze,
rotes Loop-Stückchen in der Schale
Heparin
grüne Spritze, Präpariertupfer
in der Schale
Heparin im Eiswasser
Perfusorspritze, Perfusorkanüle
in der Schale
Kontrastmittel
Luer-Lock-Spritze, Silikonstück
in der Schale
Prostavasin
grünes Halteband um die Spritze,
grünes Band-Stückchen in der Schale
Xylonest
gelber Loop um die Spritze,
gelbes Loop-Stückchen in der Schale
..Abb. 10.1
Heparin-Ampulle
logisch dargestellt werden. Kontrastmittel sind in der Regel
jodhaltig und werden über die Nieren wieder ausgeschieden.
Für Patienten mit Allergien auf Jod gibt es Alternativen.
Zumeist wird das Kontrastmittel am Instrumentiertisch
verdünnt, diese Verdünnung sollte standardisiert im OP
bekannt sein.
Implantate
10
leistet werden (. Tab. 10.3). Die Kodierungstabelle hängt im
Saal.
j
jHeparin
Dies ist ein körpereigenes Glykosaminoglykan, das hemmend
auf die Blutgerinnung wirkt, indem es einige Gerinnungsfak
toren bindet. Es wird prophylaktisch gegeben, v. a. bei Throm
bosen oder Embolien, oder auch therapeutisch. Die Gerin
nungswerte und die Thrombozytenzahl des Patienten müssen
regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt Patienten, die auf
Heparin mit einer Unverträglichkeitsreaktion (heparinindu
zierte Thrombozytopenie Typ 1 oder 2, HIT) reagieren. Dann
gibt es ein alternatives Medikament (z. B. Orgaran).
Bei einer Überdosierung eines gerinnungshemmenden
Medikamentes kann Protamin gegeben werden (der sog. An
tagonist des Heparins).
Am Instrumentiertisch ist Heparin zur Spülung der ab
geklemmten Gefäße immer vorhanden, dann wird eine
Ampulle Heparin (. Abb. 10.1) mit 5.000 IE (internationale
Einheiten) mit 100 ml NaCl 0,9% gemischt.
j
jOrgaran (Handelsname)
Dieses Medikament gilt als Ersatz, wenn der Patient eine
HIT zeigt. Dieses Produkt, Danaparoid-Natrium, ist eine
Mischung aus Glykosaminoglykanen und wird aus der
Mukosa des Schweinedarms gewonnen.
j
jProstavasin (Handelsname)
Der Wirkstoff Alprostadil wirkt auf die Media (Muskel
schicht) eines Gefäßes und sorgt für die Erschlaffung. Da
durch wird das Gefäß weit gestellt und die Umgebung besser
durchblutet.
j
jKontrastmittel
Um während einer Operation die Situation vor oder nach
der Gefäßrekonstruktion zu beurteilen, wird Kontrastmit
tel in das operierte Gefäß injiziert und kann so röntgeno
Muss eine Arterie ersetzt werden, kann eine Vene dafür be
nutzt werden, wenn die Klappen vor der Implantation zer
stört werden. Durch den ständigen Blutdruck wird die dünne
Muskelschicht der Vene im Laufe der Zeit kräftiger. Eine
andere Möglichkeit ist, die Vene umzudrehen, damit die
Klappen ihre Wirkung verlieren. Jedoch reicht die Vene oft
nicht aus oder ist nicht geeignet, dann kommen Gefäßprothe
sen zum Einsatz.
Folgende Möglichkeiten einer Gefäßreparation bestehen:
44Ein Interponat wird zwischengeschaltet, wenn der
stenosierte Bereich der Arterie entfernt wurde. Dazu
können außer körpereigenen Venen, dem sog. autologen
Material, auch aus Schweineperikard gewonnenes
Material, sog. heterologischer Ersatz oder Venenmate
rial eines Spenders zur Anwendung kommen, dann
sprechen wir von homologem Ersatz.
44Eine weitere Möglichkeit besteht darin, industriell gefer
tigte Prothesen zu wählen, sog. alloplastisches Material,
das es in verschiedenen Durchmessern, Längen und
Material im Handel gibt. Hier kommen verschiedene
Materialien in Frage:
55Teflonprothesen: Im Sprachgebrach des OP wird
hier oft von Gore-tex-Prothesen gesprochen, das ist
jedoch eigentlich ein Handelsname. Dieser Gefäßer
satz ist aus PTFE-Fasern (Poly-Tetra-Fluor-Ethylen),
die eine glatte Oberfläche haben, jeder Einstich in
dieses Material ruft ein Loch hervor. Sickerblutungen
können bei der Implantation ein Problem darstellen.
Ummantelungen, die die Industrie anbringt, verrin
gern dieses Problem. Diese Gefäßersatzprothesen sind
primär dicht, d. h. aus dem Lumen kann kein Blut
entweichen. Damit das Prothesenlumen über Gelen
ken bei Bewegungen nicht abknickt und eine Durch
blutung verhindert, werden Gefäßersatzmaterialien
angeboten, deren Lumina durch eingebrachte Ringe
verstärkt sind. Diese Prothesen gibt es auch mit Hepa
rinbeschichtung.
277
10.1 · Gefäßchirurgie
55Polyesterprothesen: Sie werden häufig auch als
Dacronprothesen bezeichnet, auch hier ist das jedoch
ein Handelsname. Diese Prothesen haben sich in
zwei Varianten durchgesetzt. Die eine Möglichkeit der
Herstellung ist ein gewirktes (gewebtes) Verfahren,
das ein sehr enges Verbinden der einzelnen Fäden er
laubt und die zweite Möglichkeit ist das Köpern
(eigentlich auch Weben, jedoch wird der Stoff schräg
gewebt, sodass ein Ausfransen nach dem Durch
schneiden seltener vorkommt).
44Beide Prothesen sind elastisch und bleiben formstabil.
Es gibt sie in vielen passenden Durchmessern und als
Bifurkationsprothese für die abdominale Aorta. Vielfach
sind sie vom Hersteller imprägniert, damit ein infek
tionsfreies Einheilen sicherer wird. Eine Beschichtung
mit Kollagen verhindert Blutungen aus einer primär
nichtdichten Prothese. Diese können auch minimiert
werden, indem sie vor der Implantation mit patienten
eigenem Blut getränkt werden. Die dann stattfindende
Koagulation dichtet das Material ab («preclotting»).
Die Auswahl des Prothesenmaterials trifft der Operateur. Die
Mitarbeiter im OP-Saal haben dafür Sorge zu tragen, dass die
benötigten Materialien vorhanden sind. Geöffnet werden
Prothesen erst kurz vor der Implantation. Der instrumentie
rende Mitarbeiter wie auch der Springer kennen die Materia
lien und wissen, welche Prothese dem «preclotting» unterzo
gen werden muss.
j
jResterilisation von Gefäßprothesen
Sollte von der steril verpackten Prothese nur ein Anteil im
plantiert werden, kann der verbleibende Rest resterilisiert
werden, wenn der Hersteller das Material nicht mit einer «2»
gekennzeichnet hat. Das bedeutet gemäß MPG, dass eine Auf
bereitung nicht möglich ist.
Aufbereitet werden darf nur nicht kontaminiertes Mate
rial. Für den Instrumentanten bedeutet dies, dass er die Pro
these nur mit noch nicht benötigten Instrumenten anfassen
und abschneiden darf, danach wird der Rest wieder in der
sauberen Verpackung gelagert und mit den restlichen Aufkle
bern des Herstellers der ZSVA zugeführt. Dort muss ersicht
lich sein, wie oft der Aufbereitungsprozess durchgeführt wird.
Je nach Material ist eine Wiederaufbereitung 3- bis 5-mal
möglich. Zu bedenken ist dabei, dass Prothesen nach der Ste
rilisation keine Beschichtung mehr haben.
j
jStent
Als Stent wird eine Gefäßstütze bezeichnet, die in ein Lumen
organ eingebracht wird, um dieses offen zu halten. Zumeist ist
es ein gitternetzartiges «Rohr», das aus Metall (meist NickelTitan) gefertigt wurde (. Abb. 10.2).
In der Gefäßchirurgie werden Stents eingesetzt, um ein
vorher aufgeweitetes Gefäß in dieser Ausdehnung zu erhal
ten. Dazu wird unter Röntgenkontrolle ein zusammengefal
teter Stent über einen Katheter in Seldinger-Technik zu dem
betroffenen Gefäßabschnitt vorgeschoben, ausgefaltet und
platziert.
a
b
..Abb. 10.2a, b Endovaskuläre Therapie von Gefäßstenosen.
a Dilatationskatheter, b Stent (zur besseren Illustration auf Plastikröhrchen). Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie, mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
Da ein Stent ein Fremdkörper ist, versucht der Organis
mus, diesen abzustoßen. Dabei setzen sich Blutbestandteile
ab, die zu einem Wiederverschluss an der Stentstelle führen.
Um das zu verhindern, wird der Patient mit Medikamenten
behandelt, die verhindern, dass sich vermehrt Thrombozyten
bilden (Antikoagulanzien).
Es gibt Stents, die mit einer Gefäßprothese ausge
kleidet sind, sog. gecoverte Stents. Sie werden platziert,
wenn das betroffene Blutgefäß rupturiert ist (eingerissen).
Hierbei ist zu beachten, dass Arterienabgänge nicht zu
gestented werden.
Mit Medikamenten beschichtete Stents werden haupt
sächlich in der Karzinomtherapie eingesetzt, da sie eine Zell
neubildung durch Freisetzen von Zytostatika verhindern
oder, sofern sie mit Antikoagulanzien beschichtet sind, in der
der Kardiochirurgie.
Nahtmaterial in der Gefäßchirurgie
Das monofile, nichtresorbierbare Nahtmaterial entspricht
dem Durchmesser der Nadel, sie ist dem Prothesenmaterial
angepasst. So wird für eine PTFE-Prothese ein atraumatischer
Faden mit einer runden Nadel benötigt, um das Stanzloch
so klein wie möglich zu halten, für eine gewebte Prothese
kann eine scharfe Nadel wichtig sein. Durch die poröse
Mikrostruktur der PTFE-Fäden ist ein Anwachsen im Ge
webe möglich.
Benötigt werden zumeist doppelt armierte Fäden, d. h. an
jedem Ende des Fadens ist eine Nadel, damit die Anastomose
mit nur einem Faden und zwei Knoten durchgeführt werden
kann.
j
jDokumentation von Gefäßprothesen
Nach der Implantation wird das Material, die Länge und der
Durchmesser sowie die LOT- (Chargen-)Nummer der Pro
these in der Patientendokumentation vermerkt. Diese Infor
mationen sind den beigelegten Aufklebern des Herstellers zu
entnehmen.
10
278
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
Gefäßchirurgische Instrumente
Um der Empfindlichkeit der Blutgefäße Rechnung zu tragen,
werden zum Fassen und Klemmen vorzugsweise atraumati
sche Instrumente eingesetzt. Das bedeutet, diese Instrumente
sind stumpf, jedoch im fassenden Maul unterschiedlich im
Profil. Entweder sind sie längs- oder kreuzgeriefelt. Dieses
Profil sorgt dafür, dass das Fassen die Adventitia nicht zer
stört.
Um Kalkablagerungen (Plaques) aus der Intima zu entfer
nen, sind Dissektoren nötig, die stumpf präparieren und nicht
verletzen.
Wird ein Blutgefäß abgeklemmt, um Kalk zu entfernen
und anschließend eine Anastomose zu nähen, darf diese
Klemme das Gefäß nicht quetschen. Deshalb ist sie im Maul
atraumatisch geriefelt und klemmt federnd, sodass die Wand
des Gefäßes nicht zerstört wird. Die Länge und die Biegung
des Maulteils der Klemme müssen dem Durchmesser des
Blutgefäßes und der Tiefe des Situs angepasst sein.
Scheren sind häufig spitz, um glatte Schnitte zu setzen,
oder gewinkelt, um nach einer Inzision mit einem Stich
skalpell die Inzision im Lumen zu verlängern.
10
Operationslagerung
Die Lagerung des Patienten entspricht immer dem gewünsch
ten Zugang und dem gewählten Anästhesieverfahren.
Wird in Vollnarkose am Hals operiert (z. B. A. carotis)
muss der Patient in Rückenlage gelagert, der Kopf zur Gegen
seite des operativen Zugangs gedreht, ggf. überstreckt sein.
Damit während des Eingriffs keinesfalls eine unwillkürliche
Bewegung stört, wird der Kopf fixiert.
Eingriffe an der Aorta werden in Rückenlagerung ope
riert. Wenn zusätzlich zum Bauchschnitt eine Inzision in den
Leisten benötigt wird, muss der Schambereich separat abge
deckt werden.
Für Zugänge am Arm wird ein Handtisch zum Auslagern
der Extremität benötigt. Muss der Arm während der Opera
tion frei beweglich sein, wird er zirkulär desinfiziert und so
abgedeckt, dass die Hand steril abgedeckt ist und ein Schlitzoder Lochtuch bis zum Oberarm gezogen und fixiert wird.
Ebenso werden entsprechend ein oder beide Beine abge
deckt. Zu bedenken ist bei allen Eingriffen, dass eine Angio
graphie möglich sein muss, der Tisch also strahlendurchlässig
sein muss. Bei Eingriffen an den unteren Extremitäten wird
häufig gewünscht, dass die Füße sichtbar bleiben. Hier wer
den diese mit farblosem Desinfektionsmittel desinfiziert und
anschließend in durchsichtige sterile Hauben (z. B. Abdeckun
gen für Röntgengeräte etc.) eingepackt und fixiert. Der
Hintergrund ist, dass nach erfolgter Revaskularisierung oder
Thrombektomie ein Rückgang der ggf. vorhandenen Marmo
rierung der Haut sichtbar wird und so das Operationsergeb
nis zusätzlich gesichert werden kann.
liche Beinvene pathologisch verändert sind. Eine Venenent
fernung mittels einer Knopfsonde heißt Varizenstripping.
Dazu wird die betroffene Vene in der Leiste und am Knöchel
dargestellt, die insuffizienten Seitenäste über Hilfsschnitte
aufgesucht und durchtrennt. Die Sonde wird am Knöchel in
die Vene eingefädelt, ein entsprechend großer Knopf auf
gesetzt und zur Leiste herausgezogen. Manche Gefäßchi
rurgen strippen die Vene von proximal (Leiste) nach distal
(Knöchel), dadurch können mögliche Schädigungen des
N. peroneus vermieden werden. Danach muss das Blut aus
dem Bein mit einer elastischen Binde ausgewickelt werden.
Nach den Hautnähten wird erneut gewickelt.
Da dies eine sehr traumatische Operation ist, werden in
den meisten Fällen nur noch die Venenanteile entfernt, die
erweitert sind. Im Vorfeld wurden sie an dem Patienten mit
einem wasserfesten Stift angezeichnet, sodass sie auch im Lie
gen und nach erfolgter Hautdesinfektion gefunden werden
können
j
jThrombektomie
Muss ein Thrombus entfernt werden, müssen die Mitarbeiter
im OP wissen, wo der Thrombus liegt und wie er entfernt
werden soll.
Bei Thrombektomien am Arm wird für die Patientenlage
rung ein Handtisch benötigt, am Bein genügt ein gerader
Tisch. Intraoperativ muss immer mit der Komplikation einer
Lungenembolie gerechnet werden, dann kann eine notfallmä
ßige Sternotomie lebensrettend sein. Eine Fußtieflage (AntiTrendelenburg) kann eine Thrombembolie verhindern.
Die Mitarbeiter im OP müssen in der Lage sein, dieser
Komplikation in ihrem Handeln sehr schnell gerecht zu wer
den und das nötige Instrumentarium in Bereitschaft haben.
Wir bereiten neben dem Grund- und Gefäßinstrumenta
rium einen Ballonkatheter (Fogarty-Katheter; . Abb. 10.3)
mit der entsprechenden Auffüllspritze (2-ml-Luer-Lock) vor.
Der Mitarbeiter muss Kenntnisse darüber haben, wie viel
Flüssigkeit in diesen Ballon verbracht werden muss, damit er
nicht rupturiert (zerreißt).
Gefäßchirurgische Eingriffe
j
jVarizenoperation
Die häufigste Indikation für eine Operation bei Krampf
aderleiden ist eine sog. Stammvarikosis, wenn die große
(V. saphena magna) und kleine (V. saphena parva) oberfläch
..Abb. 10.3 Fogarty-Katheter (4 F) mit gefülltem Ballon und kleinem
Gefäßthrombus nach Thrombektomie. Aus: Kopp R, Weidenhagen R,
Hornung H, Jauch KW, Lauterjung L (2003) Akute Extremitätenischämie
aus allgemeinchirurgischer Sicht. Chirurg 74: 1090–1102
279
10.1 · Gefäßchirurgie
Für eine Venenoperation kann die Extremität intra
operativ mit Gummibinden (Esmarch-Binden) ausgewickelt
werden. Eine Durchleuchtungseinheit sollte bei Bedarf zur
Verfügung stehen. Präoperativ wird in der Regel eine Anti
koagulation vorgenommen.
An einer geeigneten Stelle, z. B. in der Leiste oder der
Kniekehle wird eine kleine Stichinzision (Skalpell, Größe 11)
in der betroffenen Vene durchgeführt. Der Katheter wird an
gefeuchtet eingebracht und hinter dem Verschluss geblockt.
Unter langsamem Zurückziehen wird der Thrombus entfernt.
Die Vene wird mit monofilem Nahtmaterial verschlossen, der
schichtweise Wundverschluss beendet den Eingriff.
j
jIntraluminale Dilatation
Bestehen in einer Vene Stenosen, kann das ebenfalls zu einer
Thrombose führen. Diese Gerinnsel können auch mit einem
Ballonkatheter entfernt werden, jedoch wird hier ein Dilata
tionskatheter bevorzugt, der die Vene gleichzeitig dehnt. Die
sog. intraluminale Dilatation dehnt das Gefäß auf, ggf. wird
diese Engstelle mit einem Stent offen gehalten. Häufig wird
dieser Eingriff in einem Hybridsaal oder der Radiologie
durchgeführt.
Bevorzugt wird diese Maßnahme bei Patienten durchge
führt, denen ein größerer Eingriff wegen bestehender Begleit
erkrankungen nicht zugemutet werden soll. Im OP bereiten
wir neben Grund- und Gefäßinstrumentarium den passen
den Dilatationskatheter vor. In der Regel wird ein Dilatations
katheter über eine Schleuse eingeführt, aus der nach dem
Einführen kein Blut entweichen kann. Zu bedenken ist, dass
eine Vene sehr dünnwandig ist, sodass nur sehr vorsichtig
dilatiert werden kann.
Anforderungen an den Dilatationskatheter: Dieser hat
zwei Lumina (Lumen = das Innere eines hohlen Katheters),
durch das eine werden Kontrastmittel und/oder Heparin in
jiziert, durch das zweite Lumen wird NaCl zur Füllung des
Ballons eingegeben. Zur korrekten Platzierung im Gefäß wird
in das erste Lumen ein Draht geschoben, der die Führung des
Katheters vereinfacht. Der Durchmesser und die Länge wer
den dem zu behandelnden Gefäß angepasst. Die Führungs
drähte sind primär weich (hydrophil) um gut zu gleiten, sie
haben eine runde Spitze zur Schonung der Intima. Soll ein
Stent eingeführt werden, wird ein steifer Draht bevorzugt.
Der Katheter hat Markierungen, die im Röntgen erkennbar
sind.
Befindet sich eine Thrombose in der unteren Hohlvene
(V. cava inferior), muss diese direkt eröffnet werden, um das
Gerinnsel zu entfernen. Der Zugang erfolgt dann über eine
Oberbauchlaparotomie.
j
jDesobliteration (Entfernung einer Innenraum
verengung)
Eingriffe an den Arterien werden häufig wegen einer Arterio
sklerose durchgeführt. Sollen Kalkablagerungen entfernt
werden, sprechen wir von einer Desobliteration. Findet die
Desobliteration als TEA (Thromb-End-Arteriektomie) statt,
dann bedeutet das, dass die Desobliteration direkt über dem
Verschluss erfolgt (. Abb. 10.4).
Wir eröffnen die abgeklemmte Arterie über dem Befund,
tragen die Kalkablagerungen mit einem Dissektor ab und ver
schließen die Arterie wieder, meistens unter Erweiterung die
ser
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