Eröffnungsstelle mit einem Flicken (Patch) aus Prothesen
material oder patienteneigener Vene. Bevor ein Gefäß end
gültig vernäht wird, wird es einmal freigegeben, indem die
verschließende Klemme langsam geöffnet wird. Dann kommt
das Blut in einer pulsierenden Welle. Den Vorgang nennt man
«Flushen». Eine TEA ist die Operationsmethode der Wahl bei
einer Stenose der A. carotis oder A. femoralis.
Wird die Entfernung der Ablagerung entgegen dem Blut
fluss vorgenommen, sprechen wir von einer retrograden Des
obliteration. Diese Methode wird angewendet, wenn der Ver
schluss über eine längere Strecke vorliegt. Dann wird die Ar
terie distal des Verschlusses mit einem Draht sondiert, ein
Ringstripper eingeführt, der über die Stenose hinausreichen
muss. Der Verschlusszylinder wird vorsichtig mit dem Ring
stripper entgegen dem Blutfluss entfernt. Evtl. muss mit dem
«Entenschnabel» (einer atraumatischen Fasszange) oder einer
anderen geeigneten Fasszange der Zylinder nachgefasst werden.
>>Akute Blutungen sind möglich, da ohne Sicht (retro
grad) gearbeitet wird.
j
jStenose der A. carotis
Bei einer Karotisstenose sind die A. carotis communis oder
A. carotis interna arteriosklerotisch verändert. Diese Arterien
versorgen v. a. das Gehirn mit Blut. Verursacht diese Durch
blutungsstörung Symptome wie TIA (transitorische ischämi
sche Attacke), PRIND (prolongiertes reversibles ischämisches
neurologisches Defizit) o. Ä. (7 Abschn. 10.1.2), ist eine chir
urgische Therapie angezeigt, sonst ist die Gefahr eines irre
versiblen Schlaganfalls extrem erhöht.
Mit dem Stethoskop ist das Verengungsgeräusch an der
Karotisgabel zu hören. Danach gibt eine Sonographie Aus
kunft über die Ausprägung der Stenose.
Zur Operation liegt der Patient auf dem Rücken, der Kopf
wird in einer Kopfschale oder einem Kopfring auf der Seite
gelagert, auf der nicht operiert wird. Der Kopf wird leicht re
kliniert (überstreckt). Der Oberkörper ist leicht erhöht. Eine
andere Möglichkeit ist die «Beach-chair-Lagerung» (7 Abschn. 4.5.2).
Wir bereiten Grund- und Gefäßinstrumente vor, Mikro
instrumente sind alternativ zur Verfügung zu stellen. Die be
troffene A. carotis wird eröffnet, desobliteriert und ein Patch
erweitert das Lumen, um optimale Flussbedingungen herzu
stellen, da eine Einengung des Gefäßes durch eine Naht wahr
scheinlich ist. Da die A. carotis während der Desobliteration
abgeklemmt werden muss, kann ein Shunt (ein hohles Röhr
chen, durch das beim geöffneten Gefäß das Blut fließen kann)
eingelegt werden, der die Blutversorgung des Gehirns wäh
renddessen sicherstellt. Um diesen Shunt wird in der Regel
mittig ein geflochtener Faden geknotet und dieser mit einem
Mosquito-Klemmchen fixiert. So ist sichergestellt, dass der
Shunt nach Einbringen in das Gefäß nicht verrutschen kann.
Darüber hinaus kann der Shunt mit Hilfe dieser Armierung
am Ende sicher entfernt werden.
10
280
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
a
b
c
d
..Abb. 10.4a–d Prinzip der Thrombendarteriektomie (TEA) der Leisten
stammgefäße. a Längsinzision in der A. femoralis communis, b TEA des
arteriosklerotischen Plaques im Bereich der A. femoralis communis und
der proximalen A. femoralis superficialis und A. profunda femoris, c Situs
nach Desobliteration, d Rekonstruktion der Femoralisbifurkation durch
direkte Naht. Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie, mit integriertem
Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
Alternativ kann die Karotisdesobliteration mit einem Neu
romonitoring oder in Lokalanästhesie durchgeführt werden.
Haltebänder, verschieden farbige Loops für die Gefäße
liegen bereit, der Shunt wird noch nicht geöffnet, Materialien
für den Erweiterungspatch liegen im Saal. Heparin und Kon
trastmittel werden angereicht und nach Standard verdünnt.
Alle Materialien und Textilien werden gemäß Standard im
Vier-Augen-Prinzip gezählt und der Zählstand in der Doku
mentation hinterlegt.
Ist eine Desobliteration mit Shunteinlage geplant, erfolgt
nach der Halsdesinfektion und sterilen Abdeckung das TeamTime-Out. Der Zugang zur Halsschlagader erfolgt entlang
des M. sternocleidomastoideus, durch das Platysma und die
Halsfaszie. Die V. jugularis interna ist zu sehen.
Freigelegt wird die Karotisgabel beginnend an der A. caro
tis communis. Der Stamm wird mit einem Overholt unterfah
ren und mit einem feuchten Bändchen, das als Tourniquet (ein
Band wird durch eine Gummimuffe gezogen, womit das Gefäß
atraumatisch abgebunden werden kann) angelegt, angeschlun
gen und mit einer Peàn-Klemme armiert wird. So ist während
der Operation jederzeit eine Drosselung des Blutflusses mög
lich. Nach dem Erreichen der Gabelung werden die A. carotis
interna und externa freipräpariert und angeschlungen.
Nun beginnt der bedenkliche Teil der Operation, nämlich
das Abklemmen der A. carotis interna und damit die Unter
brechung der Blutversorgung des Gehirns.
44Abklemmen der A. carotis externa mit einer Gefäß
klemme (meist 120° abgewinkelt und kurz),
44Abklemmen der A. carotis interna mit einer kleinen
Gefäßklemme, z. B. Bulldog-Klemme,
44Abklemmen der A. carotis communis mit einer
120°-Gefäßklemme mittellang.
10
>>Die Abklemmzeit muss dokumentiert werden!
Die A. carotis communis wird in Längsrichtung mit einem
Stichskalpell eröffnet und nach kranial in die Interna hinein
mit einer gewinkelten Schere (nach Potts de Martell) erweitert.
Um die Blutversorgung weiterhin zu gewährleisten, kann
ein Kunststoff-Shunt angelegt werden, sofern kein Neuromo
nitoring verwendet wird. Der Shunt überbrückt die Engstelle
und wird mit Tourniquets, einer Javid-Klemme oder der
adenarmierung fixiert.
F
Mit dem Dissektor und der Mikropinzette wird der Kalk
plaque ausgeschält, das distale Ende ggf. abgeschnitten. Sollte
die Intima dabei verletzt werden, muss eine Stufennaht mit
einer 7-0 monofilen, nichtresorbierbaren Naht erfolgen.
Danach wird die Arterie mit Heparinlösung ausgespült,
damit keine Plaquereste verbleiben.
Würde das Gefäß mit einer direkten Naht verschlossen
werden, wäre eine Stenose zu erwarten, deshalb wird eine
Erweiterungsplastik vorgenommen. Der Patch (meistens aus
PTFE), wird zugeschnitten und eingenäht. Dafür werden
281
10.1 · Gefäßchirurgie
einige Nähte vorgelegt, um die Positionierung zu sichern. Um
den monofilen Faden nicht zu zerbrechen, werden die Halte
klemmen armiert, das bedeutet, sie sind mit einem Silikon
schlauch an den Maulenden überzogen.
Ist ein Shunt gelegt worden, wird er entfernt, bevor der
Patch fertig eingenäht ist. Hier wird wieder die Arterie abge
klemmt und die Abklemmzeit dokumentiert.
Nach Entfernen des Shunts wird das Gefäß einmal freige
geben – geflusht – und Heparin injiziert. Dann wird die Ana
stomose fertiggestellt. Die Blutstillung erfolgt bipolar.
Bevor der Wundverschluss beginnt, kann über eine
Angiographiekanüle Kontrastmittel in die A. carotis commu
nis injiziert und das Gefäßareal dargestellt werden.
Anschließend erfolgen Zählkontrolle, schichtweiser
Wundverschluss und Verband.
j
jY-Prothese der abdominalen Aorta
Bei Aneurysmen der abdominalen Aorta wird der betroffene
Anteil durch eine Prothese ersetzt. Entweder wird eine Rohr
prothese eingesetzt oder eine Y-Prothese, wenn der Anschluss
an die beiden Aa. iliacae internae angeschlossen werden soll.
Sind die Nierenarterien betroffen, werden andere Prothesen
implantiert.
Wenn auf dem OP-Programm ein Patient für eine Aorten
prothese angekündigt wird, ist es wichtig für die Vorbereitung
der Materialien, dass angegeben ist, ob der Befund unteroder oberhalb der Abgänge der Nierenarterien zu finden ist.
Muss die Hauptschlagader so abgeklemmt werden, dass die
Nieren nicht mehr mit Blut versorgt werden, werden sie für
diesen Zeitraum gesondert gekühlt, indem 4°C kalte Heparin
lösung zur Perfusion injiziert wird.
Für einen Patienten mit geplanter Y-Prothese unterhalb
der Nierenarterienabgänge bereiten wir Grund- und Laparo
tomieinstrumente vor, die Länge der Instrumente ist dem
Patienten angepasst. Um problemlos im Bauchraum arbeiten
zu können und eine ungehinderte Sicht zu erreichen, wird ein
Bauchdeckenrahmen- oder ein Retraktorsystem benötigt.
Die Einwegmaterialien werden gemäß Standard vorberei
tet, dazu gehören Haltebänder (Vessel-Loops), Spüllösung,
Heparin und Clips für die Präparation sowie Nahtmaterial.
Prothesen liegen im Saal bereit, werden aber erst nach Auffor
derung angereicht.
Die Zählkontrolle erfolgt im Vier-Augen-Prinzip und das
Ergebnis wird in der Patientendokumentation fixiert.
Der Patient wird auf einem geraden Tisch in Rückenlage
mit leicht gespreizten Beinen gelagert, er ist rasiert von den
Mamillen bis unterhalb der Leistenregion. Für die Nutzung
der HF-Chirurgie wird eine neutrale Elektrode fixiert.
Nach der Desinfektion und der sterilen Abdeckung wird
nach dem standardisierten Team-Time-Out die Laparotomie
begonnen, entweder als Längsschnitt vom Sternum bis zur
Symphyse (dabei wird der Nabel links umschnitten) oder als
quere Oberbauchlaparotomie. Nach der Eröffnung des Peri
toneums werden Bauchhaken eingesetzt und eine Inspektion
des gesamten Bauchraums durchgeführt. Bevor das Rahmen
system eingesetzt wird, werden feuchte Bauchtücher zum
Schutz des Gewebes um die Eröffnungsränder gelegt. Das
Darmpaket wird vor die Bauchdecke verlagert und dort feucht
gehalten.
Nun kann das Retroperitoneum eröffnet werden. Die
Aorta wird bis zu den Nierenarterien freipräpariert und nach
distal soweit, bis ein gesundes Gefäß vorliegt. Die A. mesen
terica inferior wird aufgesucht und mit einer feinen Gummi
schlinge angezügelt. Die beiden Beckenarterien (A. iliaca in
terna und externa) werden freigelegt und ebenfalls ange
schlungen. Um den aneurysmatischen Teil entfernen zu kön
nen, muss die Bauchschlagader abgeklemmt werden. Das
Anästhesieteam wird darüber informiert, denn vorher wird
systemisch Heparin injiziert. Die Aortenklemme muss kräftig
sein, darf aber die Gefäßwand nicht quetschen. Sie sollte eine
Biegung im Griffteil haben, damit sie während der Anasto
mose nicht im OP-Bereich stört. Nun werden beide Becken
arterien abgeklemmt, diese Klemmen sind kleiner und kürzer
als die Aortenklemme.
Die Aorta wird im Bereich des Aneurysmas längs eröffnet,
der thrombosierte Blutkoagel wird mit der Hand entfernt,
Kalkablagerungen mit einem Dissektor ausgeschabt. Manche
Chirurgen benutzen dafür eine Kürette.
Nun sind die einmündenden Lumbalarterien zu sehen,
die umstochen werden. In der Regel wird dafür atraumati
sches, nichtresorbierbares, geflochtenes Nahtmaterial der
Stärke 2-0 oder 3-0 benutzt.
Nun erst wird die Prothese angefordert und angereicht
und – falls nötig – entsprechend den Herstellerangaben vor
bereitet. Proximal wird eine End-zu-End-Anastomose zwi
schen patienteneigener Aorta und Prothese angelegt. Nun
kann eine Gefäßklemme die Prothese abschließen und die
Aortenklemme gelöst werden. Dadurch ist schon die Dichtig
keit der ersten Anastomose geprüft. Ggf. muss ein warmer
Streifen eingelegt werden.
Nun werden die Iliakalgefäße vorbereitet und durch
trennt. Bestenfalls wird beidseits gleichzeitig die End-zuEnd-Anastomose angelegt und auf Dichtigkeit überprüft.
Zum Schutz des Darms wird der Aneurysmasack um die
Prothese herum gelegt und locker adaptiert. So können Entzün
dungen des Darms und Fistelbildungen vermieden werden.
Die Zählkontrolle der Textilien und Materialien sowie der
Instrumente und die Dokumentation des Zählstands sowie
der implantierten Prothese gehen dem schichtweisen Wund
verschluss voran.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 10.1
55 Nennen Sie bitte die Unterschiede zwischen Arterien
und Venen.
55 Während eines gefäßchirurgischen Eingriffs haben
Sie unterschiedliche Medikamente am Instrumentiertisch. Was müssen Sie unbedingt beachten?
55 Nennen Sie spezielle Instrumente der Gefäßchirurgie
und beschreiben Sie deren Funktion.
55 Welche Gefäßprothesen gibt es und wie unterscheiden sie sich?
55 Erläutern Sie einem unerfahrenen Kollegen anhand
des Beispiels eines Aortenaneurysmas das chirurgische Vorgehen.
10
282
Kapitel 10 · Gefäß-, Thorax- und Kardiochirurgie
10.2
Thoraxchirurgie
Nina Weber, Margret Liehn
Lernziel
10
55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen
operativen Diagnostik und Behandlungsverfahren in der
Thoraxchirurgie und sind in der Lage, bei diesen Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht zu instrumentieren.
55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Thoraxchirurgie,
deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen.
55 Sie erarbeiten sich entsprechende Kenntnisse der anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen
Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie und
kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden.
55 Die Auszubildenden können die notwendigen speziellen
operationsspezifischen/ eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder mit Hilfe von anderen (Operateur)
herbeiführen bzw. die Qualität der Patientenlagerung
kontrollieren und ggf. modifizieren.
55 Dazu können sie das Grundinstrumentarium und die
speziellen Instrumente, Geräte und Materialien, die bei
Operationen in der Thoraxchirurgie zur Anwendung
kommen, auswählen, diese Instrumente fach- und sachgerecht einsetzen und ihre Wirkung erklären.
In einer thoraxchirurgischen Abteilung werden Patienten mit
gut- und bösartigen Lungenleiden sowie Erkrankungen des
knöchernen Brustraums und akuten Verletzungen des Tho
rax behandelt. Im OP erfolgen Eingriffe an Luft- und Speise
röhre, Lunge, Thymus, Aorta, Zwerchfell, Lymphgewebe,
Rippen und Brustbein.
j
jAnatomie
Der Thorax bezeichnet den Brustraum. Der knöcherne Anteil
wird aus den 12 Rippenpaaren, dem Sternum (Brustbein) und
der Wirbelsäule gebildet und schützt die in ihm liegenden
Organe und Strukturen. Die Muskulatur im Inneren des Tho
rax ist maßgeblich an der Atmung beteiligt.
Ebenfalls wichtig für die Atmung ist die Pleura (Brustfell).
Sie besteht aus zwei serösen Schichten:
44Die Pleura parietalis (Rippenfell) kleidet den Thorax aus.
44Die Pleura visceralis (Lungenfell) umhüllt die Lunge.
Im sog. Pleuraspalt zwischen diesen beiden Schichten befin
det sich ein Flüssigkeitsfilm. Dieser ermöglicht den Schich
ten, sich bei der Atmung gegeneinander zu verschieben.
Durch den Unterdruck im Pleuraspalt dehnt sich die Lunge
bei der Einatmung aus und die Luft strömt ein.
Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln, der Raum da
zwischen wird als Mediastinum (Mittelfellraum) bezeichnet.
Dieser Raum beinhaltet das Herz, den thorakalen Anteil der
Aorta, die Hohlvenen sowie Anteile der Trachea (Luftröhre)
..Abb. 10.5 Vorderansicht der Lunge. Die Grenzen der Lungenlappen sind eingezeichnet, rechts sind drei Lappen und links zwei Lappen
vorhanden. Die größten Äste des Bronchialbaums sind durchscheinend
gekennzeichnet. Am linken Lungenflügel ist die Aussparung für das
Herz (Incisura cardiaca) zu sehen. Aus: Spornitz U (2002) Anatomie und
Physiologie. Lehrbuch und Atlas für Pflege- und Gesundheitsfach
berufe. Springer, Berlin Heidelberg New York
und des Ösophagus (Speiseröhre).Wichtige Nerven und
Lymphgefäße ziehen ebenfalls durch das
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